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Austausch

20.02.2021

Wie auf der Plattform „Die Stadtretter“ Kommunen voneinander lernen

Das Netzwerk „Die Stadtretter“ will den Austausch fördern - auch in Bezug auf den Einzelhandel
Bild: Sven Hoppe, dpa (Symbolfoto)

Plus Das Netzwerk „Die Stadtretter“ ist angetreten, um den deutschlandweiten Austausch zwischen zwischen Kommunen, Unternehmen, Immobilienwirtschaft, Einzelhandel, Instituten und Verbänden zu fördern. Was genau tut die Initiative?

Frau Breuer, Sie haben zusammen mit drei Kollegen im vergangenen Jahr die Initiative „Die Stadtretter“ gegründet. Was steckt dahinter?

Ariane Breuer: Unsere Städte und Gemeinden stehen vor massiven Herausforderungen. Den Innenstädten droht weiterer Leerstand. Einzelhändler, Gastronomen und Hoteliers kämpfen um ihre Existenz, große Handelsunternehmen ziehen sich zurück. Lösungsansätze gibt es viele. Doch der Austausch zwischen den Städten und Gemeinden fehlt. Das Netzwerk „Die Stadtretter“ ist angetreten, um den deutschlandweiten Austausch zwischen zwischen Kommunen, Unternehmen, Immobilienwirtschaft, Einzelhandel, Instituten und Verbänden zu fördern.

Es geht also darum, Erfahrungen auszutauschen und von den Erfolgen oder Fehlern des anderen zu lernen?

Breuer: Genau. Auf der Plattform finden sich Infos, Austausch und innovative, erfolgreiche Lösungen. So werden Kapazitäten gebündelt, Erfahrungen geteilt, Redundanzen vermieden und Synergien umgesetzt. Das Rad muss nicht immer wieder neu erfunden werden, wenn wir zusammenarbeiten.

"Die Stadtretter": Nutzung der Plattform ist für Kommunen kostenlos

Was kostet die Teilnahme?

Breuer: Die Nutzung der Plattform ist für Kommunen, Wirtschaftsförderungen, Verbände, Institute und Handelskammern kostenlos. Die Plattform finanziert sich aus Unterstützerbeiträgen engagierter Unternehmen, wie ebay oder die Telekom.

Nun haben Sie die Plattform erst vor einem Dreivierteljahr gegründet, haben aber schon über 650 Mitglieder und einige Projekte umgesetzt. Deutschland scheint ja nur gewartet zu haben auf eine derartige Initiative.

Breuer: Ja, der Bedarf ist riesig. Das hat uns selbst überrascht.

Was ist Ihr besonderes Erfolgsgeheimnis?

Breuer: Wir sind unabhängig – auch politisch – und tragen unser gebündeltes Wissen in die Politik. Außerdem sind wir stets offen für Gespräche.

Woher stammt Ihr Wissen?

Breuer: Wir vier Gründer haben viel Erfahrung im Einzelhandel und in der kommunalen Leerstandserfassung und wir arbeiten auch alle noch als Geschäftsführer in unseren Berufen. „Die Stadtretter“ laufen nebenher mit gemeinnützigem Zweck.

Ariane Breuer hat „Die Stadtretter“ mitinitiiert.
Bild: Breuer (Archiv)

Woher kommt Ihr Antrieb für die Gründung?

Breuer: Wir alle wollen persönlich wie beruflich die Innenstädte retten. Zum Beispiel leistet mein Unternehmen innovative Expansionsbetreuung für große Retailunternehmen. Dementsprechend sind wir auch daran interessiert, dass es dem Einzelhandel in Deutschland gut geht.

Was müssen wir denn tun, damit es dem Einzelhandel gut geht?

Breuer: Das Institut für Handelsforschung hat 58.000 Passanten dazu befragt und gerade ihre Ergebnisse veröffentlicht. Die Kernaussage war: Wir brauchen den Einzelhandel für eine lebendige Innenstadt, aber der alleine wird es nicht richten. Deswegen müssen wir darüber sprechen,was die Stadt für uns sein soll und wie wir sie dahin entwickeln wollen.

In diesem Zusammenhang fällt ja immer wieder das Schlagwort Erlebnis. Kino, Disco oder vielleicht ein Escape-Room, rettet uns das?

Breuer: Das wäre eine Lösung, aber sie scheitert momentan noch am Baurecht und der Nutzungsordnung. Wenn man nur aus einem Einzelhandelsladen ein Café machen will, wartet man oft eineinhalb Jahre darauf, das die Verwaltung ihr OK gibt. Das ist in Zukunft nicht mehr haltbar. Das würde unsere Innenstädte ruinieren und wir arbeiten im Stadtretter-Netzwerk mit Hochdruck an Lösungen.

Ariane Breuer: "Man muss hier die Strukturen aufbrechen"

Aber die Verwaltung, die Ordnungs- und Bauämter, machen doch nur ihren Job.

Breuer: Absolut! Man muss hier die Strukturen aufbrechen, die Verfahren verändern – auf Landes- und auf Kommunalebene. Viele Regelungen stammen noch aus der Nachkriegszeit. Das war damals in Ordnung, funktioniert aber heute offensichtlich nicht mehr.

Haben „Die Stadtretter“ in diesem Bereich schon konkret etwas bewegen können?

Breuer: Oh ja! Nordrhein-Westfalen und Hessen sind hier sehr weit. Hier konnten wir schon mit Hilfe des Netzwerks den alten Weg der Leerstandsnachvermietung aufbrechen können und arbeiten mit Pionierstädten an einem innovativen Ansiedlungsmanagement, das den gesamten Nachvermietungsprozess langfristig optimieren wird.

Ariane Breuer aus Leverkusen ist Geschäftsführerin von „Clever expandieren“ und hat „Die Stadtretter“ mitinitiiert. Zu finden ist die Plattform unter www.die-stadtretter.de.

Lesen Sie auch den dazugehörigen Kommentar "Den Druck des Lockdowns für Neuburgs Innenstadt nutzen" von Gloria Geißler.

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