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Nassenfels

08.03.2019

Wie ausgebildete Hunde verschwundene Haustiere suchen

Sie alle werden gerade zum Suchhund und zum Suchhundeführer ausgebildet: (von links) Martin Eberherr mit Rotweiler Reika, Monika Hammer mit ihrem Lagotto Romangolo (Italienischer Wasserhund) Rosie, Kirsten Nagel mit Rauhaardackel Lena, Trainerin Natalie Basche mit Leihdackel Chilli und Sylvia Herz-Unger mit den Huskys Maja und Leloo.
Bild: Manfred Dittenhofer

Plus Natalie Basche aus Nassenfels bildet Suchhunde und deren Führer aus. Immer wieder helfen sie, verschwundene Haustiere wiederzufinden. Wie das funktioniert.

Wenn Maja erst einmal die Witterung aufgenommen hat, gibt es für sie kein Halten mehr. Dann hat Frauchen Sylvia Herz-Unger einiges zu tun, um die Husky-Hündin zu bändigen. Maja ist ein ausgebildeter Suchhund und absoluter Profi in ihrem Fach. Das hat die Hündin auch schon bei verschwundenen Haustieren unter Beweis gestellt. Das Gespann Maja und Herz-Unger wurde von Natalie Basche instruiert. Die Nassenfelserin betreibt eine Hundeschule und bildet Hunde und deren Halter im „Mantrailing“ und damit zu Suchteams aus.

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Zum Suchtraining, das Basche wöchentlich durchführt, kommen ganz unterschiedliche Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern. Und sie haben auch ganz unterschiedliche Ziele. Die einen wollen die Ausbildung nutzen, um ihren Hund tatsächlich als Suchhund einzusetzen. Andere wollen ihrem Vierbeiner lediglich Bewegung und Spannung verschaffen. Maja ist ein alter Hase und dennoch voller Vorfreude. Wenn Sie die Hundetrainerin sieht, weiß die Husky-Hündin, dass es gleich spannend wird. Eine Helferin legt eine Duftspur quer durch die Neuburger Innenstadt. Schwieriges Terrain für die Hündin, denn die Ablenkung durch den Verkehr, den Lärm und die vielen Gerüche ist groß. Maja lässt sich aber nicht beirren, marschiert los und kommt auch durch den Straßenverkehr nicht aus dem Konzept. Zielsicher findet sie die gesuchte Person auf dem Spitalplatz in Neuburg. Als Hundeführerin muss Sylvia Herz-Unger bei der Suche vor allem darauf achten, dass Maja nicht unvermittelt auf die Straße läuft. Wenn die Hündin jemanden auf der Spur ist, vergisst sie gerne mal ihre Umgebung. Deshalb wird ein Suchhund immer an der Leine geführt. Diese spezielle Suchleine ist rund sieben Meter lang und der Hund trägt ein Geschirr. Möglichst große Bewegungsfreiheit bei gleichzeitiger Kontrolle, das muss der Hundeführer fortwährend abwägen.

Mit einem GPS-Sender kann der Weg des Hundes aufgezeichnet werden.
Bild: Manfred Dittenhofer

So wird aus einem normalen Hund ein Suchhund

Rauhaardackel Lena ist noch Anfängerin. Sie ist neu im Geschäft der Suchhunde, genauso wie ihre Halterin Kirsten Nagel. Für die Dackeldame ist die Suchstrecke kürzer. Natalie Basche geht ganz individuell auf den Ausbildungsstand von Besitzer und Hund ein. Denn eine Suche ist für beide, vor allem aber für den Hund, sehr anstrengend. Die gesamte Ausbildung zum „Mantrailer“ dauert rund zwei Jahre, wenn man sie intensiv, sprich einmal pro Woche, betreibt. Erste Trails sind zu Beginn des Kurses nur 30 Meter lang und mit einer sichtbaren Spur, zum Beispiel mit einem Taschentuch, gelegt. Am Ende hat man einen fertig geschulten „Mantrailer“, der ganze Bewegungsmuster nachvollziehen kann. Wie bei der Katze, die in Neuburg entlaufen war. Der Suchhund konnte ihr Bewegungsprofil nachverfolgen und so beim Auffinden helfen.

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Übrigens muss der Hundehalter weit mehr lernen als der Hund, dem die Spurensuche schon in die Nase gelegt ist. Das „Mantrailing“ sei für die Tiere „selbstbelohnend“, erklärt Basche. „Diese Fähigkeit bringt jeder Hund mit. Der Mensch muss sie nur richtig nutzen können.“ Basche ist eigentlich Hauptschullehrerin. Aus privaten Gründen konnte sie ihren Beruf aber nicht mehr ausüben. Vor neun Jahren absolvierte sie die Ausbildung zur Hundetrainerin und bietet seither ihr Können unter anderem im Tierheim in Riedensheim an.

Dort hat sie auch ihren eigenen Suchhund gefunden, Dackel Dackles. „Der hat mich ausgesucht, nicht umgekehrt.“ Mit ihm hat sie vor acht Jahren das „Mantrailing“ angefangen. Seit sieben Jahren ist sie selbst Trail-Lehrerin und seit drei Jahren bildet sie auch Trainer auf diesem Gebiet aus. Inzwischen hat die Nassenfelserin drei Dackel - vom Suchprofi bis zum Azubi in Ausbildung.

Rauhaardackel Lena hat die Zielperson gefunden. Jetzt gibt es ein Leckerli.
Bild: Manfred Dittenhofer

Die Suchhundestaffel hilft bei verschwundenen Haustieren

Bei entlaufenen Tieren hilft Basche oder einer aus der „K-9-Suchhunde“-Gruppe den Tierbesitzern. Wobei bei einer Tiersuche vorbereitende Maßnahmen gefordert sind. „Vor allem brauchen wir eine eindeutige Duftspur.“ Ideal ist der Kot des Tieres, den man im Kühlschrank fast unbegrenzt aufheben kann. Basche empfiehlt das vor allem allen Jägern, die mit ihren freilaufenden Hunden viel im Wald unterwegs sind. Aber auch Katzenbesitzer sollten vorsorgen. Ist das Tier erst einmal verschwunden, empfiehlt sich als Nächstes das Verteilen von Flyern mit Daten des Tieres und einer Kontaktadresse. So könnte man zeitnahe Sichtungen nutzen, um dann mit dem Suchhund an diesen Sichtungsplätzen die Spur aufzunehmen.

Basche und ihre Truppe machen diese Arbeit rein ehrenamtlich. Wobei es schon mal vorkam, dass sie bis nach Aschaffenburg fuhr und dann vom Besitzer des entlaufenen Tieres nach getaner Arbeit noch nicht einmal einen feuchten Händedruck bekam. Aber das soll sich nun ändern. Natalie Basche ist Mitglied im international tätigen K9-Suchhundezentrum. Das Zentrum, das in Deutschland, Österreich und der Schweiz arbeitet, möchte eine Art Tierversicherung anbieten. Die sogenannte „Pet-Guard“ sucht dann nicht nur Tiere, sondern bietet auch Hilfe bei Krankheiten und eine zeitweilige Unterbringung von Haustieren bei Gastfamilien an. Greift das System, würde Basche zumindest die Fahrtkosten und einen Unkostenbeitrag erstattet bekommen. Der Rest aber würden dann immer noch ehrenamtlich ausgeführte Leistungen sein.

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