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Serie (6)

08.08.2020

Wie die Dynamik im Auwald dem Artenschutz hilft

Prall- oder Steilhänge bieten Nistbereiche unter anderem für den farbenfrohen Eisvogel, wie er auf unserem Bild zu sehen ist.
Bild: M. Schwark

Plus Zu den Maßnahmen zählt auch ein neues Gewässer – der Ottheinrichbach, der seit 2010 durch den Auwald fließt.

Der Donau-Auwald zwischen Neuburg und Ingolstadt bietet vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Das Aueninstitut Neuburg erforscht seit über zehn Jahren dieses besondere Ökosystem und unterstützt so die Arbeit des Wasserwirtschaftsamtes Ingolstadt und der Naturschutzbehörde Neuburg und Ingolstadt bei deren Bemühungen, den Auwald und seine natürlichen Bedingungen zu erhalten. Hier wird regelmäßig über besondere Arten, fragile Beziehungen und Kuriositäten aus der Aue vor unserer Haustüre berichtet.

Die bayerische Wasserwirtschaft und das Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt verhalfen mit dem Projekt „Dynamisierung der Donauauen zwischen Neuburg und Ingolstadt“ dem dortigen Auwald seit 2010 zu mehr Dynamik. Diese Entwicklung und den Erfolg der eingeleiteten Maßnahmen hat das Aueninstitut Neuburg von Beginn an bei einem großangelegten Monitoring beobachtet. Die Frage, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts immer wie gestellt wird, lautet: „Wie sehen diese Erfolge genau aus? Wo genau kann man sie nachweisen und in Zahlen fassen?“ Neben den für die Wissenschaft erhobenen Fakten möchte das Aueninstitut Neuburg die Schönheit der renaturierten Aue auch für alle sichtbar machen.

Seit 2010 fließt der Ottheinrichbach auf acht Kilometern parallel zur Donau durch den Auwald

Eine besonders auffällige Maßnahme ist ein neues Gewässer. Seit 2010 fließt der Ottheinrichbach auf acht Kilometern parallel zur Donau durch den Auwald. Primärer Grund für die Anlage des Ottheinrichbachs war seine Funktion als „Umgehungsgewässer“. Mit ihm sollte die Durchgängigkeit der Staustufe Bergheim gewährleistet und eine Wanderung von Fischen und anderen aquatischen Organismen stromaufwärts möglich gemacht werden. Aus ökologischer Sicht erfüllt er aber noch eine weitere wichtige Aufgabe: Er bringt bei einem mittleren Abfluss von 2,5 Kubikmetern pro Sekunde Wasser in den Auwald und trägt durch Versickerung auch zur Erhöhung der Grundwasserspiegel bei. Der Ottheinrichbach wurde zu etwa der Hälfte seiner Lauflänge künstlich angelegt, die restlichen Kilometer fließt er im Gewässerbett des Zeller Kanals und der Alten Donau. Die Anlage seines Bettes erfolgte in Form eines Trapezprofils, welches in Teilen mit Kies belegt wurde, da die Donau und ihre Nebenflüsse natürlicherweise kiesgeprägte, schnell fließende Gewässer sind, in denen sich rheophile, also strömungsliebende Fischarten wie Nase und Barbe heimisch fühlen.

Diesen Habitatbedingungen sollte bei der Anlage des Ottheinrichbachs Rechnung getragen werden. Relativ enge Bereiche und Kurven im Gewässer sorgten von Beginn an für schnelles Fließen, aber auch für Erosion an den sogenannten Prallhängen. In diesen Bereichen wird, besonders bei höheren Wasserständen, Material erodiert und entweder in schwächer strömenden Bereichen wieder abgelagert oder in die Donau eingetragen. Diese Prozesse sind Ausdruck der fluvialen Morphodynamik, deren Wiederherstellung ein Ziel der Renaturierungsmaßnahme war. Getreu dem Motto „In der Natur hängt alles mit allem zusammen!“ sind die Prall- oder Steilhänge aber nicht allein um ihrer selbst willen da – sie bieten Nistbereiche, zum Beispiel für den Eisvogel und die Uferschwalbe, die in solchen für Räuber unzugänglichen Bereichen ihre Nisthöhlen bauen.

Die Anlage des Ottheinrichbachs im Neuburger Auwald ist ein voller Erfolg für die Natur

An den entsprechenden Stellen muss man im Auwald selten sehr lange warten, um ein Exemplar dieser Arten zu Gesicht zu bekommen! Für die Forscherinnen und Forscher des Aueninstituts ist klar: Die Anlage des Ottheinrichbachs ist ein voller Erfolg für die Natur. Neben der Funktion als Fischaufstiegsanlage sind durch seine Dynamik auch neue Habitate für selten gewordene Arten entstanden, denn steile Prallhänge, wie sie Eisvogel und Uferschwalbe brauchen, sind an den versteinten Ufern der Donau schon längst nicht mehr zu finden.

Der Auwald:


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