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Neuburg

19.12.2020

Wie die Stadtwerke mit eigenem Strom Neuburg versorgen wollen

Das Strommanagement wird künftig eine Kernaufgabe bei den Neuburger Stadtwerken einnehmen. Wichtige Rollen nehmen dabei (von links) Sebastian Soller, Leiter Messwesen, Werkleiter Richard Kuttenreich und Jürgen Kolbinger, Leiter Stromnetze, ein.
Bild: Archiv Stadtwerke

Plus In 40 Jahren wird Strom die führende Energieform sein. Den Weg in diese Zukunft ebnen die Neuburger Stadtwerke schon jetzt. Wie dieser Weg funktionieren soll.

Es wird das Kernthema schlechthin für die Stadtwerke sein, wenn es darum geht, Neuburg – was die Energie angeht – sicher in die Zukunft zu führen: das Strommanagement. Davon jedenfalls ist Werkleiter Richard Kuttenreich überzeugt. Schon 1010 PV-Anlagen befinden sich aktuell im Stromverteilnetz der Stadtwerke. Die erneuerbaren Energieanlagen wachsen und wachsen. Viele Neuburger (494 Anlagenbetreiber) nützen die Anlagen zum Eigenverbrauch und speisen den Rest in das Verteilnetz der Stadtwerke ein.

Was bedeutet dies nun für die Region Neuburg und den städtischen Eigenbetrieb und wie passt dieses Wachstum erneuerbarer Energien zu den Geschäftsstrategien der Stadtwerke? „Perfekt“, lautet die Antwort von Richard Kuttenreich. Denn die Stadtwerke, so deren Leiter, könnten diese Energie ökologisch und ökonomisch gewinnbringend für Neuburg einsetzen.

Neuburger Nahwärmeprojekt ist ein idealer Begleiter für die künftige Schlüsselaufgabe "Strommanagement"

Als idealer Begleiter der künftigen Schlüsselaufgabe dient die Nahwärme. Denn durch die notwendigen, hohen Investitionen in dieses wegweisende Umweltprojekt entstanden unter anderem auch Blockheizkraftwerke, „die wir sonst wohl nicht bekommen hätten“, erklärt Kuttenreich. Denn die Kraftwerke können neben Wärme auch Strom erzeugen. Ein weiterer Schlüssel für ein erfolgreiches Strommanagement sind die schon erwähnten 1010 Photovoltaikanlagen, die auf Dächern in Neuburg die Sonnenstrahlen auffangen und in Strom umwandeln.

Die Zahl der PV- oder Bürger-Solaranlagen auf Dächern in Neuburg wächst stetig. Aktuell sind es 1010.
Bild: Alexander Kaya

Kontinuierlich sind diese PV- oder Bürger-Solaranlagen, die erneuerbaren Strom erzeugen, in den vergangenen zwei Jahrzehnten gewachsen und haben die Energie-wende entscheidend mit vorangebracht. Subventioniert wurden und werden die Anlagen über die EEG-Umlage. Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz regelt damit die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz und garantiert deren Erzeugern 20 Jahre lang feste Einspeisevergütungen. Weil immer mehr erneuerbare Energieanlagen am Markt verkauft werden, gibt es diese Anlagen immer preisgünstiger.

2021 fallen die ersten neun PV-Anlagen in Neuburg aus der EEG-Förderung des Bundes heraus

Ab kommenden Jahr fallen die ersten neun Anlagen in Neuburg, die vor 20 Jahren auf den Markt gingen, aus der Förderung durch den Bund heraus. Für sie und die Besitzer der noch folgenden Anlagen würden die Stadtwerke gerne das Auffangbecken sein. „Es braucht jemanden, der ihren Strom abnimmt, den Strom bezahlt und vermarktet und wir würden uns dafür anbieten“, sagt Richard Kuttenreich. Erste Anfragen dafür seien schon eingegangen. Die Stadtwerke würden damit das bislang so erfolgreiche Bürgermodell beibehalten und einen Steuervorteil, soweit es den geben wird, mit den Besitzern teilen. Diese könnten zwar auch direkt mit Industriebetrieben verhandeln, ob diese ihren Strom abnehmen wollen. Kuttenreich vermutet aber, dass Unternehmen als Großabnehmer ihren Strom in größeren Mengeneinheiten einkaufen dürften.

Wie der Werkleiter erzählt, hat sich jetzt auch ein erster Interessent gemeldet, der privat eine größere Anlage mit 750 Kilowattstunden Anschlussleistung in Neuburg bauen will. Den erzeugten Strom sollen ihm die Stadtwerke abnehmen, um ihn zu vermarkten. „Wenn man die Anschlussleistung mit 1000 Sonnenstunden multipliziert, die es im Sommer im Schnitt bei uns gibt, dann kommt da ordentlich was zusammen“, sagt Kuttenreich.

Die aktuell 1010 PV-Anlagen in Neuburg schaffen eine Leistung von 23 Gigawattstunden

Die 1010 PV-Anlagen in Neuburg bringen nach dieser Rechnung eine Leistung von rund 23 Gigawattstunden. Mit dem theoretischen Potenzial könnten die Neuburger Stadtwerke einen großen Teil des Strombedarfs für die privaten Haushalte sicherstellen. Wie dies funktioniert, erfährt man bei einem Besuch im Leitstand der Stadtwerke bei dem Leiter des Messwesens, Sebastian Soller.

In der Schlatzentrale bei den Stadtwerken hat Sebastian Soller rechts, hier mit Werkleiter Richard Kuttenreich, auf den kleinen und großen Bildschirmen den Überblick, wo und wie der Strom in Neuburg gerade fließt.
Bild: Manfred Rinke

Er und sein Expertenteam rüsteten in den vergangenen fünf Jahren die derzeit 187 Trafostationen in der Stadt technisch so aus, dass in seinem Leitstand verfolgt werden kann, wie viel Strom wo in der Stadt gebraucht wird. Das „Wo“ bilden die einzelnen Trafostationen ab, die allesamt für ein gewisses Quartier in Neuburg stehen. Das können Stadtteile sein wie Hessellohe oder Maxweiler, oder gewisse Bereiche in der Innenstadt. Auf seinen großen Monitoren an der Wand erhält Sebastian Soller die Informationen über den aktuellen Stromverbrauch in den einzelnen Quartieren alle 15 Minuten, sieht ganz genau, wo genügend Strom vorhanden ist oder wo welcher gebraucht wird.

Die Voraussetzungen sind gut, dass Neuburg den in der Stadt produzierten Strom in nicht allzu ferner Zukunft selbst vermarkten kann

Mit den Voraussetzungen – den bestehenden Blockheizkraftwerken und der wachsenden Zahl an PV-Anlagen – sieht Werkleiter Kuttenreich die Stadt auf einem guten Weg, in nicht allzu ferner Zukunft den in Neuburg produzierten Strom selbst zu vermarkten. Experten wie Sebastian Soller werden dann darüber wachen, dass der Strom dorthin geliefert wird, wo er gebraucht und eingespart werden kann, wo er gerade nicht benötigt wird.

„Mit der Leistung der PV-Anlagen im Sommer und der perfekten Ergänzung durch die Blockheizkraftwerke wäre schon jetzt, rein theoretisch, genügend Strom vorhanden, um Neuburg damit ganzjährig autark versorgen zu können“ erzählt Kuttenreich. Weil aber noch leistungsfähige und bezahlbare Stromspeicher für den im Sommer zu viel produzierten Sonnenstrom fehlen, wird noch einige Jahre lang fehlender Strom zugekauft werden müssen.

Während die fossilen Stromerzeuger durch die steigende CO2-Besteuerung immer stärker für die Folgen für die Umwelt bezahlen müssten, so Kuttenreich, würden die Erzeuger „gesunder erneuerbarer regionaler Energie“ immer mehr belohnt. Die Stadtwerke sieht er für die „Kernaufgabe Strommanagement“ mit der weiter steigenden Zahl an PV-Anlagen sowie der Ergänzung durch die Nahwärme und ihrer dazugehörigen, auch Strom erzeugenden Blockheizkraftwerke jedenfalls bestens aufgestellt.

Wissenswertes rund um den in Neuburg produzierten Strom

  • Stromverteilnetz der Stadtwerke: Im Stromverteilnetz der Stadtwerke mit einer Gesamtlänge von 647 Kilometer werden im Jahr 250 Gigawattstunden (eine Gigawattstunde sind eine Milliarde Wattstunden oder eine Million Kilowattstunden) bewegt. Die privaten Haushalte der Stadt verbrauchen davon 42 Gigawattstunden Strom. Den Rest verbrauchen die Industrie und das Gewerbe in Neuburg.
  • Trafostationen Die Gesamtstrommenge wird über 187 Trafostationen in die einzelnen Ortsteile oder Quartiere verteilt. In einer Transformatorenstation, auch Umspannstation, Netzstation, Ortsnetzstation oder kurz Trafostation genannt, wird die elektrische Energie aus dem Mittelspannungsnetz mit einer elektrischen Spannung von 10.000 bis 36.000 Volt auf die in Niederspannungsnetzen (Ortsnetzen) verwendeten 400/230 Volt zur allgemeinen Versorgung umgewandelt.
  • Photovoltaikanlangen Zeitgleich werden in den aktuell 1010 Photovoltaikanlagen in Neuburg, ausgehend von 1000 Sonnenstunden im Jahr, über 23 Gigawattstunden Strom produziert. Im Weiteren können durch die Kraftwerke der Stadtwerke, neben der Nahwärme, über 17 Gigawattstunden Strom generiert werden. Private Kraftwärmekopplungsaggregate liefern zudem vier Gigawattstunden Strom. Von den insgesamt 1010 Photovoltaik (PV)-Anlagen bewegen sich fast 700 in der Leistungsklasse bis zehn Kilowatt-Peak, die größten in der von über einem Megawatt-Peak. Kilowatt-Peak (kWp) ist ein besonderes Maß, das ausschließlich zur Messung der Leistung von Photovoltaik--Anlagen verwendet wird. Normalerweise wird elektrische Leistung nämlich in Watt gemessen, wobei 1000 Watt ein Kilowatt ergeben. Pro Kilowatt-Peak installierter Solarleistung kann mit einer Stromerzeugung zwischen 800 und 1200 Kilowattstunden Solarstrom im Jahr gerechnet werden. Bei einer 10 kWp-PV-Anlage (etwa 65 Quadratmeter Flächenbedarf) schwankt die jährliche Solarstromernte somit zwischen 8000 und 12000 kWh).

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