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Neuburg

01.10.2020

Wie ein Kalender die Neuburger Stadtgeschichte erzählt

Diese Aufnahme ziert das Titelblatt des Neuburger Sayle-Kalenders..
Bild: Stadtarchiv Neuburg, Bestand Sayle

Plus Das Stadtarchiv präsentiert seinen ersten Jahreskalender. Er besteht aus Aufnahmen aus dem Bestand der Neuburger Fotografenfamilie Sayle. Was den Kalender besonders macht.

Ein kleiner Junge in einem Seifenkistenwagen an einer Kreuzung in der Neuburger Innenstadt ist das Gesicht für den April 2021. Verschmitzt lächelt der Bub mit seiner großen Rennfahrerbrille auf der Stirn in die Kamera. Das Lenkrad seines Gefährts lässt er dabei nicht aus der Hand. Die Momentaufnahme aus dem Jahr 1949 stammt aus dem Bilderbestand der Neuburger Fotografendynastie Sayle. Zum ersten Mal veröffentlicht das Stadtarchiv einen Jahreskalender, der aus Sayle-Bildern besteht.

Ein halbes Jahr lang durchforstete Stadtarchivar Patrick Wiesenbacher mit seinem Team die umfangreiche Sammlung. Wiesenbacher war es wichtig, dass jedes der zwölf Monatsmotive sowie das Titelbild eine Geschichte erzählen. Die Geschichte des kleinen Rennfahrers sei, dass erst durch die US-amerikanischen Soldaten die selbst gebauten und antriebslosen Kinderfahrzeuge in Neuburg und Umgebung populär wurden, weiß Wiesenbacher. Jede Aufnahme ist mit Jahreszahl und prägnanten Bildinformationen versehen. Auf dem letzten Bogen des Spiralkalenders sind nochmals alle Bilder mit kurzen Beschreibungen abgedruckt. Außerdem wird dort die Familiengeschichte der Neuburger Fotografen skizziert.

Sayle-Bilder sind für alle Neuburger

Mit dem Kalender will Wiesenbacher die Sayle-Bilder allen Neuburgern näherbringen. Die Stadt konnte den Bilderschatz der Fotografendynastie für ihr Archiv sichern und damit ein Stück des 20. Jahrhunderts für die Zukunft bewahren. Die Glasnegativplatten zeichnen sich durch eine besondere Langlebigkeit aus, betont der Stadtarchivar. Dennoch werden sie bereits Schritt für Schritt digitalisiert. Bisher entstanden zwei Ausstellungen aus dem Bestand. Zuletzt die Ausstellung „Wirtschaftswunderjahre“, die wegen der Corona-Pandemie früher schließen musste. Eine dritte Bilderausstellung zu Sport oder Industrie sei geplant. Aber auch der Kalender könnte sich etablieren, schildert Wiesenbacher die Pläne für den Fundus. „Es gibt noch so viele Geschichten zu erzählen“, schwärmt er. Vorerst wurden 300 Kalender gedruckt, bei Bedarf könne aber jederzeit nachgedruckt werden, versichert der Stadtarchivar.

Neuburgs OB Gmehling ist begeistert

Oberbürgermeister Bernhard Gmehling ist von dem Kalender begeistert. Bereits das Titelbild überzeugt ihn: „Fantastischer Reisebus!“ Der Kalender sei für junge und ältere Bürger interessant. Dank der Sayle-Bilder werde ein Blick in eine Zeit ermöglicht, die in der Stadtgeschichte sonst oft zu kurz kommt, sagt der Oberbürgermeister. Aufgrund der Veröffentlichung des Sayle-Kalenders verzichtet der Rathauschef in diesem Jahr auf die Herausgabe seines eigenen Kalenders – der „Neuburger Kalender“.

Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (links) und Stadtarchivar Patrick Wiesenbacher zeigen den Kalender mit Bildern aus dem Sayle-Fundus.
Bild: Andreas Dengler

Aufnahmen wie die des jungen Seifenkistenfahrers machen den neuen Sayle-Kalender aus. Nur wenige Schritte entfernt, wo das Bild von dem kleinen Jungen und seinem Seifenkistenwagen entstand, war das Fotoatelier Sayle. Drei Generationen verschrieben sich der Fotografie: Max Sayle begann zur Jahrhundertwende mit dem Fotografieren. Das Interesse an der modernen Technik vererbte er seinem Sohn Julius und seinem Enkel Max Julius. Julius Sayle machte die Leidenschaft zum Beruf und eröffnete 1927 ein Fotoatelier, das später Sohn Max Julius übernahm. Im Jahr 2000 wurde das eingesessene Fotogeschäft offiziell aufgelöst. Der Kalender ist ab Donnerstag, 1. Oktober, in der Tourist-Information, in der Buchhandlung Rupprecht und in der Bücherstube erhältlich.

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