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Langenmosen

03.04.2021

Wie ein Wiesenbrütergebiet bei Langenmosen den Großen Brachvogel retten soll

Die Öffentlichkeit für Wiesenbrüter sensibilisieren will Landrat Peter von der Grün mit der neuen Infotafel im Wiesenbrütergebiet in Langenmosen.
Foto: Andrea Hammerl

Plus Die Bestände des Großen Brachvogels gehen in der Region dramatisch zurück. Spezielle Maßnahmen im Wiesenbrütergebiet bei Langenmosen sollen die Vögel schützen.

Im Hintergrund ist das unverkennbare Trillern des Großen Brachvogels zu hören, als Landrat Peter von der Grün doch noch zum Werkzeug greift und die letzten Schrauben an der eben aufgestellten Infotafel im Wiesenbrütergebiet Langenmosen festzieht. Eigentlich hatte er sich ja gefreut, dass die Tafel bereits steht, als er ankommt, denn er sei „handwerklich nicht so geschickt“, wie er gut gelaunt einräumt. Ein Termin an der frischen Luft, mitten in der Natur und ganz ohne Corona ist sehr nach seinem Geschmack. Die Tafel soll die Bevölkerung mit ins Boot holen, über Wiesenbrüter informieren und die Projekte vorstellen, die deren Bruterfolg verbessern sollen.

Wiesenbrütergebiet bei Langenmosen soll Bestand des Großen Brachvogels schützen

Denn die Bestände gehen dramatisch zurück, wie Siegfried Geißler, Chef der Unteren Naturschutzbehörde, ausführt. „Sieben bis acht Jungvögel sind jedes Jahr erforderlich, um den Bestand des Großen Brachvogels zu erhalten“, erklärt er. Tatsächlich war es in den vergangenen Jahren meist nur ein einziger – wenn überhaupt. Grund dafür sind Fressfeinde wie Füchse, Rabenvögel, Storch, Marder, aber auch die Überalterung des Bestandes, denn ältere Hennen legen öfter kleinere oder taube Eier, zudem wird die Schale immer dünner, je älter das Tier. „Wir sind am Scheidepunkt – entweder wir schaffen es jetzt, oder die jungen Leute von heute hören in 20 Jahren keinen Triller mehr“, betont Geißler.

Sein Mitarbeiter Jan Tenner, Fachkraft für Naturschutz, erläutert als Projektbetreuer die Maßnahmen im Wiesenbrütergebiet, das insgesamt 1200 Hektar bei Langenmosen, Lichtenheim und Sandizell umfasst. Vogelschutz ist arbeitsintensiv. Mit Hilfe von Gelegeschutzzäunen, die sofort errichtet werden, sobald ehrenamtliche Wiesenbrüterbetreuer ein Gelege entdeckt haben, werden Nesträuber ferngehalten. Bei Langenmosen wird seit fünf Jahren ein Großzaun eingesetzt, der eine handtuchförmige Fläche von fünf Hektar umschließt und während der ganzen Brutsaison im Gelände verbleibt. Er dient dem Kükenschutz bei hoher Prädatorendichte (Prädatoren sind Räuber).

Die kreisrunden, etwa 25 Meter im Durchmesser großen Gelegeschutzzäune müssen dagegen zeitnah entfernt werden, sobald die Küken geschlüpft sind, denn sonst könnten die Zäune selbst zur Gefahr für herumlaufende Küken werden. Um den Schlüpfzeitpunkt möglichst genau vorhersagen zu können, werden die Eier im Wasserbad vermessen, der Auftrieb verrät auf ein bis zwei Tage genau, wann es soweit sein wird.

Landwirtschaft spielt große Rolle beim Wiesenbrüterschutz

Sobald sie geschlüpft sind, erhalten die kleinen Nestflüchter einen ein bis zwei Gramm schweren Radiosender, den sie fortan zwischen den Flügelansätzen auf dem Rücken tragen. Mit Hilfe der Radiotelemetrie wird ihr Aufenthaltsort täglich bestimmt und an die Beteiligten weitergegeben. So können beispielsweise Mahdtermine mit den Landwirten vereinbart werden, um zu vermeiden, dass Küken beim Mähen getötet werden.

Andreas und Anton Stemmer aus Sandizell sowie Christian Pögl (mit seinen beiden Söhnen) aus Dirschhofen sind heuer für ihr besonderes Engagement im Wiesenbrüterschutz ausgezeichnet worden und erhielten ein Geschenk von Landrat Peter von der Grün.
Foto: Andrea Hammerl

Die Landwirtschaft spielt eine große Rolle beim Wiesenbrüterschutz. Daher zeichnet die UNB alljährlich engagierte Landwirte aus. Das sind heuer Anton und Andreas Stemmer aus Sandizell sowie Christian Pögl aus Dirschhofen. Familie Stemmer arbeitet eng mit Axel del Mestre, Naturschutzwächter und Kiebitzbeauftragter aus dem Landkreis Aichach-Friedberg, zusammen. Er geht die Äcker und Wiesen ab und markiert die Gelege mit Stangen, so dass die Nester bei der Feldarbeit großzügig umfahren werden können.

Kiebitze sind äußerst standorttreu, erzählt Anton Stemmer, auch die Jungtiere kämen zurück und brüteten dort, wo sie selbst geschlüpft waren – jedenfalls solange, wie das erfolgreich funktioniert. „Nach drei Fehlversuchen wechseln sie den Standort“, weiß er. Sein Acker, auf dem heuer Silomais angebaut wird, behagt den Kiebitzen offenbar, denn aus vier Brutpaaren im vergangenen Jahr sind heuer sechs geworden. Pögl weiß noch nicht, wie viele Kiebitze aktuell bei ihm brüten, im Vorjahr freute er sich über zwei Gelege in einer Blühfläche.

„Ohne Landwirtschaft geht es nicht“, betont von der Grün, „dass der Mehraufwand vergütet werden muss, ist für mich ganz klar“. Der Landrat hofft sehr, dass der Negativtrend noch umzukehren ist. 1985 gab es 85 Brutpaare des Großen Brachvogels, 2015 nur noch 25, derzeit sind es geschätzt circa 20.

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