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Neuburg

17.10.2018

Wie lange soll das Freibad offen sein?

Für viele Menschen gibt es im Sommer nichts Schöneres als einen Besuch im Freibad. Das Brandlbad mit seinen vielen Becken und der idyllischen Lage inmitten von Wiesen und Bäumen zieht jede Saison Gäste aus Neuburg und der Umgebung an. In diesem Jahr standen manche von ihnen vor verschlossenen Türen.
Bild: Xaver Habermeier (Archiv)

Im Werkausschuss gab es eine hitzige Debatte über die verkürzten Zeiten für den Publikumsverkehr im Brandlbad. Eventuell kündigt sich eine Kehrtwende an.

Der Sommer war schön, der Sommer war lang, der Sommer war heiß. Kurzum: Es war ein Supersommer. Ein idealer Sommer zum Baden also – wäre da nicht eine kleine Wolke, die sich am dauerblauen Himmel vor die Sonne geschoben und einen Schatten auf das Brandlbad geworfen hätte. Die Rede ist von den verkürzten Öffnungszeiten, die die Stadt für diese Saison beschlossen hatte, um Kosten zu sparen: Statt wie bisher, um 8 beziehungsweise 10 Uhr, öffnete das Freibad werktags erst um 12 Uhr; davon ausgenommen waren die Zeiten für das Frühschwimmen und die Ferienzeit. Das Unverständnis der Besucher ließ nicht lange auf sich warten, es hagelte Leserbriefe (wir berichteten), Unterschriften wurden gesammelt, nun landete das Thema erneut im Werkausschuss. Und dort ging es gleich weiter mit der Diskussion.

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Oberbürgermeister Bernhard Gmehling schickte vorweg: „Die Öffnungszeiten im Brandlbad wurden heiß diskutiert“, und ließ durchblicken, dass er mit der neuen Regelung nicht glücklich ist. Bevor im Werkausschuss weiter debattiert wurde, sollten aber erst einmal Zahlen auf den Tisch. Die lieferte Andreas Bichler, Bereichsleiter Zentrale Dienste und öffentliche Einrichtungen bei den Stadtwerken. Bevor die verkürzten Öffnungszeiten probeweise für eine Saison beschlossen wurden, rechnete die Stadt durch diese Maßnahme mit einem Einsparpotenzial im Personalbereich von rund 33000 Euro. Tatsächlich sparte die Stadt jedoch nur 27000 Euro – obwohl das Bad an insgesamt 30 Tagen kürzer offen war.

Besucher verärgert über die Öffnungszeiten im Brandlbad

Die verkürzten Öffnungszeiten sorgten für Unmut bei den Besuchern, berichtete Brandlbad-Betriebsleiter Maik Müller im Werkausschuss. „Die Leute kommen in der Früh bei 25 Grad, wollen baden und stehen vor verschlossener Türe – das machen sie zwei Mal, dann sind sie weg.“ Das habe er mehrfach erlebt. Die Besucher würden einfach abwandern in Freibäder umliegender Städte wie Eichstätt, Donauwörth oder Schrobenhausen. Das habe dem Brandlbad auch die Besucherbilanz verhagelt. Während das Freibad in Donauwörth seine Besucherzahlen um 40 Prozent von 100000 auf 140000 steigern konnte und Schrobenhausen dank des Supersommers immerhin 26 Prozent mehr Gäste begrüßte, waren es in Neuburg nur 12 Prozent mehr Besucher – gesamt immerhin rund 84000. „Hätten wir die Öffnungszeiten gleich gelassen, wären auch ins Brandl 100000 Leute gekommen.“

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An diesem Punkte platzte es aus Stadtrat Fritz Goschenhofer (CSU) – selbst überzeugter Brandlbesucher – heraus. Er habe so viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, in denen Kritik an den Öffnungszeiten geübt wurde, sogar eine Unterschriftenliste habe er dem Oberbürgermeister überreicht, dass es nun endlich an der Zeit wäre, die Regelung zurückzunehmen und den Versuch als gescheitert zu betrachten. „Das ist nicht bürgerfreundlich, wir sollten andere Einsparmöglichkeiten finden, und unseren Sparwillen nicht auf dem Rücken der Bevölkerung austragen.“

Deswegen soll am Brandlbad in Neuburg soll gespart werden

Die Gegenreden ließen nicht lange auf sich warten. Horst Winter von der SPD erinnerte das Gremium daran, warum man sich zu diesem Schritt entschlossen hatte: „Weil wir sparen wollten. Ich sehe nicht ein, es jetzt rückgängig zu machen.“ Roland Harsch von den Freien Wählern vertrat einen ähnlichen Standpunkt: „Am Anfang gab es eine Welle der Entrüstung, aber jetzt müssen wir weiter einsparen, weil wir uns die hohen Schulden der Stadtwerke auf Dauer nicht leisten können.“

Johann Habermeyer, ebenfalls Freie Wähler, sah das anders. „Das Ergebnis ist mit 27000 Euro minimal, das ist mir der Stress nicht wert. Wir müssen dickere Bretter bohren, wenn wir bei den Stadtwerken sparen wollen.“ Zuspruch erhielt er von Alfred Hornung (CSU): „Wenn wir an einer Schraube drehen wollen, dann wo ganz wo anders.“ Gmehling fasste zusammen: „Wir haben immer gesagt, dass wir am Ende evaluieren wollen, ob die erzielte Einsparung verhältnismäßig ist.“ Er selbst findet die wechselnden Öffnungszeiten „irritierend“ und schlug vor, zu den bisherigen zurückzukehren. Die Entscheidung wurde jedoch auf den nächsten Werkausschuss vertagt, weil Karola Schwarz von den Grünen der Abstimmung ihr Einverständnis verweigerte. In einem anderen Punkt war der Werkausschuss entscheidungsfreudiger: Entgegen der ersten Planung erhält das Parkhaus am Parkbad nun doch einen Aufzug, nachdem auch an diesem Punkt heftige Kritik laut wurde.

Lesen Sie hier den dazugehörigen Kommentar.

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