Newsticker
EU-Staaten erwägen neue Reiseauflagen in der Corona-Krise
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Wie sich Corona und Klima auf die Ernte auswirken

Adelshausen

16.05.2020

Wie sich Corona und Klima auf die Ernte auswirken

Landwirt Florian Raba aus Adelshausen auf einem seiner Spargelfelder.
Bild: Manfred Dittenhofer

Plus Die Krise macht vor der Landwirtschaft nicht Halt. Welche Erfahrungen ein Adelshausener Spargelbauer mit Erntehelfern hat und warum aus Kartoffeln keine Pommes werden.

Der Regen ist vorbei, die Sonne scheint schon wieder – ideale Bedingungen auf den Spargelfeldern von Florian Raba. Zumindest für die Ernte. Dass es insgesamt zu trocken ist, darauf kommt der Landwirt später noch zu sprechen. Der Spargel- und Kartoffelbauer aus Adelshausen ist zur Zeit mit der Ernte der edlen Stangen beschäftigt. Sie läuft in der Region momentan auf Hochtouren. Bis aber der Erntemotor in Schwung kam, durchlebte der Landwirt einige schlaflose Nächte.

Normalerweise hat er jedes Jahr acht bis zehn rumänische Spargelstecher auf seinem Hof, die bei der Ernte helfen. Es ist immer dieselbe Gruppe. In diesem Jahr aber waren die Grenzen dicht. Also halfen Familienmitglieder und Freunde. Allerdings sei damit nur der größte Engpass überwunden gewesen, wie sich Raba erinnert. „Wir hatten wirklich viele Hilfsangebote. Taxifahrer aus München und Ingolstadt, Frauen, die normalerweise in der Gastronomie arbeiten, ja sogar Zeitarbeitsfirmen, die ihre Mitarbeiter vermitteln wollten. Die riefen alle direkt bei uns an und fragten, ob sie auf dem Hof und bei der Ernte helfen können.“

Landwirt aus Adelshausen spricht über die Spargelernte

Raba probierte auch viele dieser Helfer aus. Doch meist war schon nach einigen Tagen Schluss. „Es ist eine schwere Arbeit, vergleichbar mit der Arbeit auf dem Bau. Dafür brauchen wir junge, kräftige Männer.“ Dann aber meldeten sich einige seiner Rumänen, als Saisonarbeiter wieder einreisen durften. Nun wird kräftig geerntet.

Florian Raba vermarktet den Großteil seines Spargels direkt – im hofeigenen Laden, auf Märkten und in mehreren Ständen vor Supermärkten, Metzgereien und an Verkehrsknotenpunkten. Und das funktioniere ganz gut, erzählt Raba. „Viele Menschen kochen wieder mehr zu Hause und dafür brauchen sie auch Spargel.“

Corona-Krise bereitet dem Landwirt große Sorgen

Die Kartoffeln, die Raba im Frühjahr gesetzt hat, wachsen und gedeihen. Ob der Markt dafür im Herbst dann aber vorhanden sein wird, weiß niemand. Diese und weitere Ungewissheiten erlebt Florian Raba andauernd. Kommen Helfer, die mitarbeiten dürfen? Ist ein Markt für sein Produkt nach der Ernte noch vorhanden? Gibt es genügend Niederschläge? Wie wird die Kartoffelernte ausfallen? Wie ist die Preisentwicklung? Dies alles hänge von so vielen Faktoren ab. Auch davon, ob die Grenzen bis dahin wieder offen seien. „Es ist eine schwierige Situation, an der alle Landwirte zu knabbern haben.“ Die Preise für Schweinefleisch waren schon vor Corona im Keller, die Rindfleischpreise verfallen, weil die Grenzen geschlossen sind.

Momentan gebe es wegen der Corona-Krise keinen Markt für Kartoffeln, die zu Pommes verarbeitet werden, wie Kreisobmann Ludwig Bayer berichtet. „Die gehen normalerweise in die Gastronomie, in Verkaufsstände und auf Feste.“ 50.000 Tonnen dieser Kartoffeln wandern nun in die Stärkeproduktion. Das bedeute Einkommenseinbußen von rund 70 Prozent je Doppelzentner. Vor allem größere Sonderkulturbetriebe hätten zu Beginn der Erntezeit Probleme gehabt, Arbeitskräfte zu bekommen. Seit die Bundesregierung aber Regelungen für die Saisonarbeitskräfte beschlossen habe, habe sich die Situation normalisiert, so Bayer. Dasselbe hofft er für die Erdbeerplantagen-Besitzer. Diese Frucht sei nicht so sehr von der Gastronomie abhängig, sondern gehe vermehrt in den Einzelhandel und dann zum Endverbraucher. Dazu gebe es viele Felder, auf denen der Endverbraucher selbst pflücken könne.

Regionale Produkte sind trotz Corona gefragt

Die Entspannung in der Landwirtschaft gelte aber lediglich für die Ernte selbst, so Ludwig Bayer. Beim Absatz schaue es schon anders aus, so Bayer. „Einbußen gibt es überall. Schaut man auf die Kartoffel, so sind vor allem die Produkte in Richtung Gastronomie betroffen.“ Um die Verbraucher an die heimischen Produkte zu erinnern, hat der Bauernverband die Kampagne „#EssenAusBayern“ ins Leben gerufen, in der regionale Produkte angepriesen werden. Viele Landwirte betreiben Hofläden, die diese regionalen Produkte anbieten. Sie sind auf Wochenmärkten und mit Verkaufsständen an den Feldern vertreten. Dies soll durch die Internetkampagne in den Fokus der Verbraucher gerückt werden. „Wir diskutieren über Klimaschutz und karren gleichzeitig Lebensmittel um den halben Globus.“ Dass dem Abholzen von Regenwald für Palmölplantagen und für die Viehzucht nicht mehr Einhalt geboten wird, ärgert Bayer. „Das sind nur zwei Beispiele. Da erwarte ich viel mehr Engagement von unseren deutschen und europäischen Politikern.“ Von denen ist Bayer enttäuscht, denn während zum Beispiel der Zuckerrübenanbau in Deutschland reglementiert werde, interessiere der Raubbau für den Zuckerrohranbau in Südamerika niemanden.

Trockenheit erschwert den Anbau auch in Neuburg-Schrobenhausen

Neben den Widrigkeiten durch die Pandemie aber bereitet den Landwirten ein ganz anderes Problem globalen Ausmaßes große Sorgen. Sollte dies der fünfte trockene Sommer in Folge werden, schaut es düster aus. Denn die Wasservorräte wurden in den vergangenen Jahren nie mehr richtig aufgefüllt. Und heuer begann das Vegetationsjahr mit einem trockenen April. Und auch im Mai hat es bisher bei Weitem nicht genug geregnet. „Die Böden sind staubtrocken. Weder in den oberen und mittleren, noch in den unteren Schichten ist genügend Feuchtigkeit enthalten.“ Das Bewässern sei nicht so einfach und lohne nur für Marktfrüchte und Kartoffeln. „Sollte ein Bauer sein Getreide bewässern müssen, landet er im Minus.“

Und die richtige Katastrophe drohe unseren Wäldern, prognostiziert Bayer. „Den Bäumen geht es schlecht. Vor allem die Nadelbäume sind inzwischen so geschwächt, da wird der Borkenkäfer leichtes Spiel haben.“

Lesen Sie mehr dazu:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren