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Naturschutz

27.07.2020

Wie steht es um die Blühflächen in Neuburg-Schrobenhausen?

Diese Blumenwiese wächst am Rande des Donaumooses auf einer Ackerfläche von Reiner Huber. Auch die Neuburger Rundschau unterstützt die Blühfläche finanziell, so wie viele weitere Paten.
Bild: Reiner Huber

Plus Vor einem Jahr trat ein besseres Naturschutzgesetz in Kraft. Es war die Reaktion auf das Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Die Bilanz nach zwölf Monaten fällt durchwachsen aus.

Schon von weitem ist das Summen der Bienen zu hören. Zu sehen sind Kornblume, Löwenmäulchen und viele andere Blüten in allen Farben des Regenbogens. Vor ziemlich genau einem Jahr bekam Bayern ein besseres Naturschutzgesetz. Am 1. August 2019 trat es in Kraft und war die Reaktion auf das Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“, das fast 1,8 Millionen Menschen unterzeichnet hatten.

Ein Punkt, der den Naturschützern wichtig war, war die Schaffung von Blühstreifen, wo Teile der Ackerflächen zeitweilig – für mindestens ein Jahr, besser für mehrere – aus der Nutzung genommen werden. Viele Landwirte nahmen den Auftrag ernst. Einer von ihnen ist Reiner Huber. Der Haupterwerbslandwirt aus Klingsmoos verwandelte 11.000 Quadratmeter seines Ackers in ein Blumenmeer. Rund 60 Paten unterstützten ihn dabei. Sie zahlten ihm 50 Euro pro 100 Quadratmeter. 7000 Quadratmeter bekamen einen Blühpaten, 4000 legte Huber auf eigene Kosten an. Dank der Patenschaften rechnete sich für den Bauern das Umwandeln der Ackerfläche, mit der er sonst durch den Anbau von Kartoffeln oder Kräutern sein Geld verdient.

Rund 20 Prozent der Paten von Landwirt Reiner Huber aus Klingsmoos haben heuer das Geld für die Blühflächen nicht überwiesen

Doch das Interesse wird weniger. War das Thema im vergangenen Jahr in aller Munde, findet es in der öffentlichen Wahrnehmung inzwischen kaum mehr statt, sagt Huber. Rund 20 Prozent seiner Paten haben in diesem Jahr das Geld für die Blühflächen nicht überwiesen. Geht das Interesse weiter zurück, wird die Blumenwiese am Rande des Donaumooses im kommenden Jahr wieder Ackerfläche. Huber wird sie dann mit Liebstöckel bepflanzen.

Wie steht es um die Blühflächen in Neuburg-Schrobenhausen?

Natürlich würde es ihn freuen, wenn der Acker weiterhin in frischen Farben erblüht. Waren es Anfang des Jahres die Margeriten, die das Feld in weiße Farbe tauchten, leuchtet es jetzt in Weiß und Blau. Ein toller Anblick, sagt Huber. Aber es müsse sich natürlich auch rechnen.

Das Geld ist das eine, die Kontakte mit den Menschen das andere. Huber zieht bisher ein positives Fazit: „Ich bin mit vielen Verbrauchern ins Gespräch gekommen. Es war interessant, ihnen die Sicht der Landwirte zu erklären und sich auszutauschen.“

Die Landwirte sind nicht alleine für mehr Naturschutz zuständig

Aber die sind nicht alleine für mehr Naturschutz zuständig, wie der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Ludwig Bayer sagt: „Was wir brauchen, ist eine Gesamtverantwortung.“ Landwirte, Kommunen und jeder einzelne Bürger, der einen Garten besitzt, muss sich in die Pflicht genommen fühlen, Blühflächen für die Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und viele andere Insekten anzulegen. Man dürfe die Verantwortung nicht alleine den Bauern unterschieben, findet Bayer. Und auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel für den Artenschutz getan hat, könne man noch einiges verbessern. Regional, aber auch überregional.

Der Artenschwund in der Kulturlandschaft ist dramatisch, darin sind sich die meisten Fachleute einig. Dem versucht Bayern bereits seit vielen Jahren durch das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) entgegenzuwirken. Seit 1988 bekommen Landwirte Ausgleichszahlungen für umweltschonende Bewirtschaftungsmaßnahmen. Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen sind es in diesem Jahr 5452 Hektar Land, das die Landwirte über die gesetzlichen Vorgaben hinaus besonders umweltschonend bewirtschaften. Seit 2017 hat die Fläche um 58 Prozent zugenommen, wie Christian Wild, der Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten, sagt: „Das zeigt das tolle Engagement unserer Bauern für den Artenschutz.“

Zu den KULAP-geförderten Flächen gehören nicht nur Blühflächen, sondern auch Altgrasstreifen oder wildtiergerechter Zwischenfruchtanbau. Aufgrund der KULAP-Auflagen ernten die Landwirte weniger. Sie haben höhere Bewirtschaftungskosten für ihre Flächen und dadurch ein verringertes Einkommen. Die gesamte Bevölkerung profitiert von dieser Art der Landwirtschaft: durch mehr Artenvielfalt, abwechslungsreiche Landschaften, Boden- und Gewässerschutz. Die Zahlungen aus dem KULAP sollen die Umweltleistungen honorieren und den entgangenen Nutzen ausgleichen, erklärt Wild. „Die Zahlen der Flächen steigen, das zeigt die große Bereitschaft der Landwirte, etwas für den Artenschutz zu tun.“

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