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Neuburg-Schrobenhausen

13.02.2018

Wie wär’s mal 40 Tage plastikfrei?

Präsentieren daheim stolz ihre Spielsachen aus Holz und Stoff: die Kinder Laurenz, Antonia und Heidi (von links).
Bild: Andreas Kufer

Familie Kufer lebt fast ohne Plastik. Die Mutter geht mit Metalldosen zum Einkaufen, die Kinder spielen mit Holz und tragen Lederschulranzen. Warum sie das tun.

40 Tage keine Süßigkeiten, 40 Tage ohne Alkohol, 40 Tage fleischlos – das sind die Klassiker in der Fastenzeit. Aber wie wäre es stattdessen mit 40 Tage plastikfrei leben? Die fünfköpfige Familie Kufer aus Pfaffenhofen macht das bereits seit viereinhalb Jahren und wurde dafür vergangenen Herbst mit dem Klimaschutzpreis ihrer Heimatstadt ausgezeichnet. Mutter Patricia will ihre Ideen nun über Volkshochschulkurse auch nach Neuburg bringen. Sie findet, die Fastenzeit ist ein guter Anlass, den Alltag ohne Plastik schon mal auszuprobieren.

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Patricia Kufer bewahrt ihre Lebensmittel nicht in Vorratsdosen aus Plastik, sondern aus Edelmetall und Glas auf – oder eben gleich in Porzellanschüsseln. Die Dosen nimmt sie auch mit zum Einkaufen. So spart sie Plastikverpackungen.
Bild: Andreas Kufer

Jeder kann sich umstellen und auf Plastik verzichten, ist sich die 37-jährige Patricia Kufer sicher. Sie selbst hat diesen Entschluss im Sommer 2013 gefasst, nachdem sie im Fernsehen eine Reportage über eine Familie gesehen hatte, die vier Wochen ohne Plastik lebte und danach viel weniger des gesundheitsgefährdenden Stoffes Bisphenol A im Blut hatte. Der Dokumentarfilm „Plastic Planet“ gab ihr den Rest. Kufer: „Da war klar, so geht’s nicht weiter!“ Ihr Mann habe am Anfang gelacht, doch dann wunderbar mitgemacht. Allerdings betreffe es ihn nicht so stark, da er normalerweise nicht einkaufen gehe. Mit den beiden Töchtern Antonia (10) und Heidi (7) musste ein Kompromiss gefunden werden. Denn Plastik weg, bedeutete natürlich auch Plastik-Spielzeug weg. Playmobilfiguren und Barbie-Puppen durften die Mädchen behalten. Sie müssen sie aber nach dem Spielen immer sorgfältig wegpacken. Die restlichen Spielsachen aus Plastik mussten die Kinder verkaufen, sie durften sich aber vom Gewinn Holzspielzeug und richtiges Porzellan für die Kinderküche kaufen. „Sie gehen damit sorgfältiger um und passen besser auf, dass nichts kaputt geht“, erzählt die Mutter. Sohn Laurenz, der vor ungefähr einem Jahr in die plastikfreie Familie hineingeboren wurde, wird mit Stoffwindeln gewickelt und nuckelt an einem Schnuller aus Naturkautschuk.

Haushaltsgegenstände aus Kunststoff hat die Familie gespendet oder zu einer Sammelstelle gebracht. Alle Vorratsdosen im Hause Kufer bestehen inzwischen aus Edelstahl oder Glas. Gemüse und Obst kauft Patricia Kufer – mit Stoffbeutel und Korb ausgerüstet – auf dem Wochenmarkt, Brot beim Bäcker. Wurst, Fleisch und Käse holt sie frisch an der Theke. Dann stellt die 37-Jährige ihre Dose auf den Tresen und der Verkäufer legt die Ware hinein. Joghurt, Reinigungsmittel und Cremes stellt sie gleich selber her. So spart sie sich die Verpackung und die ungesunden Inhaltsstoffe. „Es ist schon ein gewisser Aufwand. Aber ich finde es nicht schlimm, weil es mir Spaß macht“, sagt die Mutter von drei Kindern. Viel schrecklicher finde sie alles, was sie herausgefunden habe, seit sie sich mit dem Thema Plastik beschäftige. Kufer: „Das ist echt tragisch. Ich kann nicht mehr unbeschwert einkaufen.“

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In der Küche der Kufers gibt es eine „Korn Bar“ .
Bild: Andreas Kufer

Teurer sei ein Leben ohne Plastik nicht, sagt die 37-Jährige. Die Ausgaben verlagerten sich. So gebe sie heutzutage mehr Geld für höherwertige Lebensmittel wie Büffelmozzarella aus, dafür spare sie durch die selbstgemachten Reinigungsmittel. Außerdem überlege sie sich mittlerweile genauer, was sie wirklich braucht, erklärt Kufer. „Wir haben auf jeden Fall an Lebensqualität gewonnen!“

Die meisten Menschen seien ihrer Familie gegenüber positiv und bewundernd eingestellt, erzählt die Mutter. Manchmal müsse sie sich aber auch Kommentare anhören wie: „Ihr seid ja grüner als grün.“ Außerdem sei ihre älteste Tochter in der Schule wegen ihres Lederschulranzens geärgert worden. „Es ist nicht immer einfach, gegen den Strom zu schwimmen“, gibt die 37-Jährige zu. „Aber wenn die Mülltonne nur zu einem Drittel gefüllt ist, wenn sie geleert wird, dann macht das schon stolz!“ Müllbeutel benutzt Familie Kufer übrigens überhaupt nicht. Und was Patricia Kufer ebenfalls stolz macht: Einige ihrer Freunde fangen auch an, sich umzustellen und benutzen etwa Holz- statt Plastikbretter. Man müsse einfach loslegen, zum Beispiel jetzt in der Fastenzeit, dann wachse man in das Thema schon hinein, findet die Pfaffenhofenerin. „Mir ist bewusst, dass wir extrem sind. Jeder soll es einfach so machen, wie es für ihn praktikabel ist.“

Für den Start hat Patricia Kufer ein paar leicht umsetzbare Vorschläge: Beim Shoppen Nein zur Plastiktüte sagen, Milch und andere Getränke in der Glasflasche kaufen, zum Metzger mit der eigenen Dose gehen. „Wenn jeder auch nur eine Plastiktüte weniger verwendet, ist schon was gewonnen.“

Vhs-Kurse „Plastikfrei leben – Tipps für einen fast plastikfreien Alltag“ (2. Mai, 20 Uhr, Franziskanerstraße B 200 in Neuburg) und „Plastikfrei – Reinigungsmittel selber herstellen“ (16. Mai, 20 Uhr, Franziskanerstraße B 200 in Neuburg); Anmeldung unter 08431/9119 oder per Mail an vhsneuburg@gmx.de

www.unkraut-von-dahoam.de

Hier finden Sie Informationen zur Plastikfrei Community Pfaffenhofen inklusive Stammtisch.

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14.02.2018

Ein sehr schönes Beispiel. (edit)

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