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Prozess in Neuburg

17.07.2020

Wieder verurteilt wegen Einbrüchen in Kindergärten und Co.

Das Schöffengericht hat zwei Männer schuldig gesprochen.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Der Neuburger Richter Christian Veh trifft auf im Saals 42 des Amtsgericht auf zwei Bekannte. Die beiden 25-jährigen Männer waren bereits 2018 zu Haftstrafen verurteilt worden.

Zwei Männer stehen vor Gericht. Der eine Recycling-Monteur, der andere Maler. Beide stammen aus dem Landkreis, beide sind Mitte 20, beiden wird nicht das erste Mal der Prozess gemacht. „Ich bin jetzt seit zweieinhalb Jahren in Neuburg“, bilanziert Christian Veh an diesem Nachmittag im Saal 42 des Neuburger Amtsgerichts. „Und Sie sind die ersten, die ich als Vorsitzender Richter des Schöffengerichts zum zweiten Mal verurteile.“

Amtsgericht Neuburg: Die Männer brachen in Kindergärten und Vereinsheime ein

Die zwei Männer sollen sich ab Sommer des vergangenen Jahres mehrmals dazu verabredet haben, gemeinsam einzubrechen. Sie streiften also durch die Stadt und durch Dörfer, stiegen durch Fenster, hebelten Türen auf, um in Kindergärten, Wohnwagen, Sportheime oder Werkstätten einzudringen. Nicht immer begingen sie die Taten in derselben Besetzung, nein, abwechselnd, auch in anderen Personen-Konstellationen, mit anderen Männern, mit einer Frau. Sie stahlen an diesen Orten nie beträchtliche Summen oder nahmen dort Dinge von großem Wert mit. Einmal waren es 30 Euro, ein anderes Mal 200 Euro, wiederum einmal kamen sie vielleicht auf etwa 500 Euro. Hinterlassen in den Sportheimen und Kindergärten dagegen haben die vermeintlichen Täter oft nur Schaden, der sich in einem Fall auf rund 20.000 Euro beläuft, so rekapituliert es jedenfalls die Staatsanwaltschaft.

Auffällig in diesem Zusammenhang sind die Männer nicht zum ersten Mal geworden. Wegen ähnlicher Delikte nämlich, die sie zwischen Ende 2016 und Mitte 2017 begangen haben sollen, verurteilte ein Schöffengericht die mittlerweile 25-Jährigen bereits 2018 jeweils zu Haftstrafen. „Sie müssen doch gescheiter werden“, bekräftigt Christian Veh mit Blick auf diese Vergangenheit. Einbrüche in Kindergärten oder Wohnwagen sollten ein Auslaufmodell sein, stellt er klar. Auch weil der Sachschaden dabei häufig höher sei als die eigentliche Beute. „Solche Straftaten sind Blödsinn.“ Denn erstens, sagt der Richter, gebe es an solchen Orten nichts zu holen. Zweitens hinterlasse man Spuren oder könne anderweitig belastet werden. Außerdem: „Das Leben ist doch viel zu schön, um es im Gefängnis zu verbringen.“

Dass es ihnen leid tue, lassen die Angeklagten über ihre Anwälte verlauten. Er habe das Geld gebraucht, wird der eine zitiert. Die Verabredungen seien spontan gewesen. Beide räumen die Vorwürfe voll und ganz ein – eine Ehrlichkeit, die das Schöffengericht schätzt. „Da waren Sie gut beraten, auszupacken“, kommentiert Christian Veh, zumal sich das Geständnis positiv auf das Urteil auswirke. Das Schöffengericht verurteilt die Männer letztlich wegen schweren Bandendiebstahls und versuchten Bandendiebstahls zu Gesamtfreiheitsstrafen von einem Jahr und zwei Monaten in einem Fall – zu einem Jahr und zehn Monaten im anderen Fall. Zuvor verständigten sich die Verfahrensbeteiligten bei Gesprächen: Die Aussicht auf Bewährung allerdings schloss sich dadurch für die jungen Männer im Vorfeld aus. „Sie sind einschlägig vorbestraft“, resümiert der Richter. „Da brauchen wir uns nicht zu unterhalten.“

Der Neuburger Richter Christian Veh richtet sich mit einem Appell an die Angeklagten

Auch kommt Christian Veh nicht umhin, einen pädagogischen Appell an die beiden Männer auf der Anklagebank zu richten, die sich nach wie vor in Strafhaft und Untersuchungshaft befinden. Im Gefängnis werde man nicht nur verwahrt, betont der Richter. Man könne hier auch etwas Sinnvolles tun, eine Lehre zum Beispiel, um eine Perspektive zu bekommen.

Dass er Zukunftspläne habe, beteuert einer der 25-Jährigen. Er wolle all dies – einen Job, den Führerschein, eine Wohnung, ja sogar eine Familie haben. Ebenso verspricht der andere, auf die „gerade Bahn“ kommen zu wollen. Auch weil er als Vater Verantwortung hat.

Zumindest einer von beiden solle endlich das Steuer herumreißen, den Absprung schaffen, findet der Neuburger Richter. Einen Tipp aber hat Christian Veh noch, bevor der die Verhandlung an diesem Nachmittag im Saal 42 beendet: Habe man einen Job, sagt er, sei man untertags aufgeräumt. „Und abends ist man dann so kaputt, dass man nachts nicht mehr einbrechen gehen kann.“

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