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Königsmoos

24.08.2020

Willi Schmid: Die 99 würde er am liebsten auf den Kopf stellen

Geistig und körperlich erstaunlich fit ist Willibald Schmid. Der Landwirt und jahrzehntelang engagierte Kommunalpolitiker der CSU Königsmoos wird heute 99 Jahre alt. 
Bild: Andrea Hammerl

Plus Willibald Schmid aus Achhäuser ist derzeit der älteste Bürger aus Königsmoos. Heute feiert er Geburtstag.

Willibald Schmid ist ein Phänomen. Der älteste Bürger der Gemeinde Königsmoos wird heute 99 Jahre alt – auch keine Königsmooserin ist älter als er. Aufrecht und ohne Stock bewegt er sich flink in seiner Wohnung, die Brille setzt er nur zum Lesen auf. „Draußen, bei gutem Licht, kann ich auch noch ohne Brille lesen“, stellt er klar. Auch in seine geliebte Werkstatt geht er immer noch gelegentlich zum Schleifen von Kreissägenblättern, Kettensägen, Heckenscheren, Hobelmessern, Spiralbohrern oder Fräsern. Die 99 würde er am liebsten auf den Kopf stellen. „Ich bin 66“, sagt er und der Schalk blitzt ihm aus den Augen. „Das ist eine komische Sache: Keiner glaubt mir, dass ich 99 bin, aber es nimmt mir auch keiner ab, dass 66 stimmt.“

Ein fescher Matrose war Willibald Schmid in jungen Jahren.
Bild: Andrea Hammerl

Vier Kinder hat der Jubilar gemeinsam mit seiner vor sechs Jahren verstorbenen Frau Ida großgezogen, die sieben Enkel bescherten ihm bis heute elf Urenkel. Die Schar der Gratulanten wird also groß sein auf dem landwirtschaftlichen Anwesen in Achhäuser, auf dem Schmid mit sechs Brüdern und zwei Schwestern aufwuchs und heute noch lebt, liebevoll betreut von Tochter Ida Felbermaier.

Willibald Schmid aus Königsmoos war ehrenamtlich sehr aktiv

Sein Leben lang hat Willi Schmid als Landwirt hart gearbeitet und trotz der vielen Arbeit auf seinem Vollerwerbsbetrieb in Achhäuser Zeit für zahlreiche Ehrenämter gefunden. Besonders verdient gemacht hat sich das CSU-Urgestein um die Gemeinde Königsmoos, die es ohne ihn wohl nicht gäbe – vielleicht nicht einmal den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Denn Ludwigsmoos und Klingsmoos sollten Langenmosen zugeschlagen werden und somit dem Altlandkreis Schrobenhausen, der einem Landkreis Pfaffenhofen hätte angegliedert werden sollen. Neuburg wäre nach jenen Plänen zu Eichstätt gekommen, ebenso wie Stengelheim sowie Unter- und Obermaxfeld. Dagegen wehrte sich Schmid, der Anfang der 1970er Jahre zur Zeit der Gebietsreform Gemeinderat in Dinkelshausen, stellvertretender CSU-Kreisvorsitzender und Vorsitzender des Donaumoos-Wasserverbands III, zuständig für das Gebiet südlich der Ach, war.

„Das war sehr schwierig damals“, erinnert er sich, „weil der obere Teil zu Schrobenhausen, der untere zu Neuburg gehörte.“ Also machte sich der engagierte Kommunalpolitiker, der 34 Jahre im Gemeinderat tätig war, davon jeweils sechs Jahre als zweiter und dritter Bürgermeister, sowie 24 Jahre im Kreistag, davon sechs im Altlandkreis Neuburg, auf den Weg zum Regierungsdirektor nach München. Mit Erfolg: Die Moosgemeinden wurden nicht auf zwei Landkreise aufgeteilt, sondern zur Einheitsgemeinde Königsmoos zusammengebunden. Der verstorbene Altlandrat Richard Keßler, damals Landtagsabgeordneter, hat Schmid später einmal erzählt, dass jener Regierungsdirektor ihn gefragt habe: „Wer ist dieser Willi Schmid, der mich überredet hat? Ein Landratsamtsmitarbeiter oder Rechtsanwalt?“

Willibald Schmid war Mitbegründer der JU in Ludwigsmoos

Landwirt Schmid war 1955 Mitbegründer der Jungen Union Ludwigsmoos und fünf Jahre später Gründungsmitglied der CSU Ludwigsmoos-Dinkelshausen (heute Königsmoos), 30 Jahre Kirchenpfleger und zwölf Jahre Pfarrgemeinderat in St. Maximilian Ludwigsmoos, 36 Jahre lang Vertreter der Molkereigenossenschaft Neuburg, 23 Jahre Vertreter der Viehmarktgenossenschaft Schwaben, 25 Jahre aktiver Feuerwehrmann und Schöffe am Landgericht Augsburg – um nur einige Ehrenämter zu nennen. 2002 wurde er für sein herausragendes bürgerschaftliches Engagement mit der Bundesverdienstmedaille geehrt. Hinzu kommen weitere 24 Auszeichnungen, darunter das Eiserne Kreuz Erster Klasse.

Nicht Rauchen, wenig Alkohol und viel Arbeit sind Willibald Schmids Erfolgsgeheimnis für ein langes, gesundes Leben. Noch heute arbeitet er stundenweise in seiner Werkstatt.
Bild: Andrea Hammerl

Willi Schmid steckt voller Geschichten, auch aus dem Zweiten Weltkrieg, als er in technischer Laufbahn bei der Marine diente und 1944 nach dem Hitler-Attentat als „politisch unzuverlässig“ vom Obermaschinisten (entspricht dem Oberfeldwebel) zum Matrosen degradiert wurde. Hintergrund war, so erzählt er, dass sein Vater zuhause in Neuburg unangenehm aufgefallen war, weil er darum gebeten hatte, ihm wenigstens einen der sieben Söhne als Hilfe in der Landwirtschaft zu lassen. Dass Willi Schmid U-Boot-Dienst, später die Arbeit im „Todeskommando“, dem Marinesprengkommando, und die Zeit in polnischer, später britischer Gefangenschaft überlebt hat, führt er auf mehr als Glück zurück. „Da reicht auch ein Schutzengel nicht, da muss der Herrgott seine Hand über mich gehalten haben“, sagt der tiefgläubige 99-Jährige, der vergangenen Herbst noch einmal nach Altötting gefahren ist. „Aus Dankbarkeit“, wie er sagt, „weil Maria immer hilft, wenn man in Not ist.“

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