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Starkbierfest

26.03.2018

„Wir ham ja nix“ – zum Derblecken

Ihren vorerst letzten Auftritt hatten jetzt in Rohrenfels der Wurm-Schorsch und die Waller-Jutta.
Bild: Annemarie Meilinger

Warum der Wurm-Schorsch und die Waller-Jutta in Rohrenfels alle Jahre den gleichen Jammer-Tenor anklingen lassen und warum es nicht schwer ist, über die Rohrenfelser Gemeinderäte zu lästern

Starkbierfeste schießen derzeit aus dem Boden wie Schwammerl im Mai. Doch in Rohrenfels kann man auf eine lange Tradition zurückblicken. Seit 23 Jahren feiert man das Starkbier, das dort aber schon lang nicht mehr gebraut wird. Nicht mal eine Wirtschaft ist vorhanden, in dem es ausgeschenkt werden könnte. Deshalb muss wieder einmal die Feuerwehrhalle zur Bierschwemme umfunktioniert und der Gerstensaft von auswärts herangeschafft werden. Die Blasmusik sorgt für die Stimmung und am Ende wird traditionell der am Seil hängende Schinken geschätzt.

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„Wir ham ja nix“ – das ist der alljährlich wiederkehrende Jammer-Tenor in Rohrenfels, der aus der Vorführung vom Lästerpärchen Wurm-Schorsch und Waller-Jutta herauszuhören ist. Deshalb sind die beiden als Wallfahrer unterwegs, um für ein „modernes, blühendes, aufstrebendes Dorf mit einer fantastischen Zukunft“ zu bitten. Man hätte ja gern wenigstens einen Dorfladen gehabt, doch das scheiterte an fehlender Begeisterung der Rohrenfelser, weshalb die Anteilscheine nicht gekauft wurden. Dann gibt’s halt keinen Dorfladen. Und dass man den Laden auch über die Dorferneuerung finanziell anschieben hätte können, wurde wohl vom Gemeinderat verschnarcht.

Auch sonst ist anscheinend nicht viel los in Rohrenfels, weil man ja sowieso dauernd mit dem Auto wegfahren muss – zum Einkaufen, zum Schifahren oder zum Feuerwehreinsatz – wenn mal wieder Fehlalarm beim Küchen Kempfle ist. Deshalb wundern sich der Wurm-Schorsch und die Waller-Jutta, dass der Reporter von der Zeitung überhaupt jemand angetroffen hat, um nachzufragen, wie das Rekordergebnis bei der Bundestagswahl zustande gekommen sein könnte. 20 Prozent AfD – und wenn man fragt, hat sie keiner gewählt. Da will der Wurm-Schorsch im Feuerwehrhaus einfach mal durchzählen – oder „jeder Fünfte hebt mal die Hand, die rechte“. Er lässt es aber doch bleiben und packt noch ein paar Geschichten aus: ein Osterfeuer, das schon am Karfreitag brennt, ein kurioser Skiunfall, eine Grenzstreiterei und eine Ausgleichsfläche, die mit Apfelbäumen bepflanzt wurde, statt der von der Unteren Naturschutzbehörde geforderten Stieleichen, die der Eichenprozessionsspinner gleich wieder aufgefressen hätte. Es war der vorerst letzte Auftritt des Lästerpärchens. Die beiden wollen den Grantlerplatz nach zehn Jahren „für Jüngere frei machen“. Wenn man dem Wurm-Schorsch glauben will, ist das gar nicht so schwer in Rohrenfels, denn: „Unsere Gemeinderäte kann man nicht derblecken, die muss man nur nachahmen.“

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