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Nachbarschaftshilfe

22.08.2008

"Wir können doch nicht alle in Heime stecken!"

Die Idee ist so einfach und doch so kompliziert: Wenn ältere Menschen Hilfe benötigen und Angehörige nicht im selben Ort leben, dann ist Nachbarschaftshilfe gefragt. Doch es muss nicht immer der direkte Nachbar sein, der gerne mal behilflich ist. Die Frage ist also: Wer braucht Hilfe und wer kann diese bieten?

Von Claudia Stegmann

Oberhausen. Die Idee ist so einfach und doch so kompliziert: Wenn ältere Menschen Hilfe benötigen und Angehörige nicht im selben Ort leben, dann ist Nachbarschaftshilfe gefragt. Doch es muss nicht immer der direkte Nachbar sein, der gerne mal beim Rasenmähen oder Einkaufen behilflich ist. Die Frage ist also: Wer braucht Hilfe und wer kann diese bieten?

In Oberhausen ist man derzeit dabei, eine "Leitstelle für die Vermittlung nachbarschaftlicher Hilfe" einzurichten. Das ist es nämlich, was hinter dem Begriff "Seniorenbüro" steckt, wie Mini Forster-Hüttlinger erklärt. Zusammen mit Barbara Meier-Böhm vom Jung und Alt-Wohnprojekt will sie sich künftig darum kümmern, älteren Menschen in der Gemeinde unter die Arme zu greifen. "Es gibt darum, Frust vorzubeugen, weil man mit bestimmten Dingen allein einfach nicht mehr fertig wird", erklärt sie das Prinzip.

Dieses Thema wird sich in den nächsten 20 Jahren noch verschärfen, nämlich dann, wenn der Großteil der Bevölkerung in Oberhausen zwischen 55 und 75 Jahren sein wird. Dann will die Gemeinde gerüstet sein und seinen Senioren soweit Unterstützung bieten, dass sie so lange wie möglich selbständig leben können. "Wir können doch schließlich nicht alle in Heime stecken!", betont Forster-Hüttlinger.

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50 000 Euro Zuschuss für das Modellprojekt

An die fünf Jahre grübelt Forster-Hüttlinger schon an der Umsetzung dieser Idee. Doch jetzt, wo das bayerische Staatsministerium Zuschüsse für Projekte dieser Art gibt, scheint zumindest die finanzielle Seite gesichert zu sein. 50 000 Euro buttert der Freistaat die nächsten zwei Jahre in das Oberhausener Projekt. Davon sollen die Miete des Seniorenbüros im Jung und Alt-Wohnprojekt, Nebenkosten wie Telefon und Internet, Schulungen, Öffentlichkeitsarbeit oder Honorare für Referenten bestritten werden.

"Mit dem Seniorenbüro wollen wir neue Strukturen für das Ehrenamt schaffen", sagt Meier-Böhm. Keiner muss sich mehr ausgenutzt oder verpflichtet fühlen, denn die Art der Hilfe und der Zeitaufwand dafür wird von dem Ehrenamtlichen selbst festgelegt. Dementsprechend verteilt das Seniorenbüro dann auch die Aufgaben. "Wir können jede Art von Hilfe brauchen, selbst wer nur eine Stunde pro Woche Zeit hat", betont Forster-Hüttlinger.

Der Vermittlungsservice an sich ist übrigens kostenlos und völlig unbürokratisch. Ein Anruf im Seniorenbüro genügt, um Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Inwiefern die Tätigkeit an sich dann entlohnt wird, ist Sache zwischen den Ehrenamtlichen und den Senioren. Grundsätzlich gilt aber, dass ehrenamtliche Arbeit immer unentgeltlich sein sollte. "Freiwillige Leistungen sind natürlich möglich, aber damit haben wir nichts zu tun", ergänzt Forster-Hüttlinger.

Rund ein Dutzend Menschen haben sich bislang schon bei ihr gemeldet und ihre Hilfe angeboten. Schwieriger ist hingegen die Rekrutierung derjenigen, die Hilfe benötigen, denn wer gibt schon gerne zu, bei gewissen Dingen nicht mehr alleine zurechtzukommen. Im Spätherbst soll deshalb eine Bürgerversammlung stattfinden, in der das Projekt den Oberhausenern vorgestellt wird. Danach hofft Forster-Hüttlinger auf Mundpropaganda.

Noch kann das Seniorenbüro keine Vermittlungsarbeit leisten. Damit wollen Mini Forster-Hüttlinger und Barbara Meier-Böhm erst beginnen, wenn sie sich mit den Ehrenamtlichen an einen Tisch gesetzt haben. Und das soll im Herbst passieren. Bis dahin kann sich aber jeder im Seniorenbüro melden, der an diesem Projekt teilnehmen möchte. Er wird in die Kartei aufgenommen und dann auch für ein erstes Kennenlernen zum runden Tisch eingeladen.

Weitere Informationen gibt Mini Forster-Hüttlinger im Seniorenbüro unter Telefon 08431/6406719 oder per E-Mail unter seniorenbuero@wohnanlage-oberhausen.de

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