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Rennertshofen

28.03.2014

„Wir müssen den Druck aufrechterhalten“

Keinen Platz mehr gab es am Donnerstagabend in der Gaststätte Dida. Die BI „Stromtrassenstopp Rennertshofen“ informierte über die geplante Stromtrasse, die mitten durch die Gemeinde verlaufen soll. Viele der Gäste sind im Anschluss der Versammlung der Bürgerinitiative beigetreten.
Bild: Stegmann

Die Bürgerinitiative in Rennertshofen hat zu einer Informationsveranstaltung gerufen. Der Ansturm war enorm, viele Gäste sind der BI beigetreten

Rennertshofen Um kurz vor halb acht war kein einziges Fleckchen mehr im Saal der Rennertshofener Gaststätte Dida frei. Die Menschen standen wie die Sardinen an den Wänden und drängten sich durch die Terrassentür. Das Interesse an der Informationsveranstaltung der neu gegründeten Bürgerinitiative (BI) „Stromtrassenstopp Rennertshofen“ am Donnerstagabend war derart groß, dass selbst die Veranstalter über den Ansturm verblüfft waren.

Dabei hat sich die Informationslage seit vier Wochen nicht verändert: Der Netzbetreiber Amprion hat die Antragstellung für die geplante Stromtrasse Süd-Ost zwischen Bad Lauchstädt bei Halle und Meitingen vorerst verschoben. Ursprünglich sollte der Antrag auf Bundesfachplanung bei der Bundesnetzagentur im März gestellt werden. Amprion begründete ihre Entscheidung damit, dass zahlreiche Hinweise, die sich bei aus den Dialogverfahren ergeben hätten, in die Planung eingearbeitet werden müssten. In einer ersten Stellungnahme hatte Ministerpräsident Horst Seehofer die Verzögerung als Planungsstopp gewertet. Doch darauf wollen sich Gegner wie Michaela Hermann aus Treidelheim, die die BI zusammen mit sieben Mitstreitern vor kurzem gegründet hat, nicht verlassen. „Wir wollen nicht, dass die Pläne in der Schublade ruhen. Wir geben erst auf, wenn sie im Aktenvernichter landen“, sagte sie entschlossen und erntete dafür den Applaus der Besucher.

In dieser Sache waren sich alle Redner und Gäste an diesem Abend einig: Die Stromtrasse darf nicht kommen. „Es hilft nur Widerstand auf breiter Front“, sagte etwa Maxheims Bürgermeister Alois Schiegg und erinnerte daran, dass zuletzt die Abstandsregelung von Windrädern durch das massive Aufbegehren von Bürgern geändert werden konnte.

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Mittlerweile haben sich über 20 Bürgerinitiativen entlang der geplanten Trasse gegründet. Dazu gehören auch Bergen, Rennertshofen und Marxheim. In Bayerdilling soll nächste Woche eine BI gegründet werden. In der Unterschriftenliste der ARGE Urdonautal, zu der die Gemeinden Bergheim, Burgheim, Dollnstein, Egweil, Nassenfels, Oberhausen, Rennertshofen und Wellheim gehören, haben sich mittlerweile 1000 Menschen eingetragen. Und sie alle denken mutmaßlich dasselbe, was Landrat Roland Weigert in der Versammlung unumwunden ausgesprochen hat: „Die Trasse dient dem Transport von Braunkohlestrom. Wir lassen uns doch nicht verarschen!“

Johann Beck vom Bund Naturschutz des Landkeises Eichstätt ging sogar noch einen Schritt weiter und vermutete, dass die Tasse nicht nur einen (fiktiven) Strom-Blackout in Süddeutschland verhindern solle, sondern der Strom darüber hinaus weiter ins Ausland nach Österreich, Italien oder Südfrankreich geschickt werden soll. „Die Stromtrasse ist völlig überdimensioniert und wurde der Politik von Interessengruppen aufgeschwatzt“, bilanzierte Beck.

Zu den Hintergründen der Strombranche in Deutschland sowie über die gesundheitlichen Auswirkungen durch Elektrosmog hat Otto Kuffer aus Mauern die Zuhörer informiert. Das Ergebnis seiner wochenlangen Recherche im Internet war wenig überraschend: Die zu erwartende Strahlenbelastung der Strommasten erhöhe die Gefahr signifikant, krank zu werden.

Protest Noch bis 15. April liegt die Unterschriftenliste der ARGE Urdonautal in den Rathäusern der teilnehmenden Gemeinden aus.

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