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Maya-Kalender

20.12.2012

Wir sind dann mal weg

21. Dezember, ein Datum mit Prophezeihungswert. Foto: dpa

Für morgen ist der Weltuntergang vorhergesagt. Wer glaubt daran? Kann man sich vorbereiten? Und was muss heute vorsorglich noch erledigt werden? Die NR hat sich umgehört

„Am 30. Mai ist der Weltuntergang“ sang das Golgowski-Quartett schon im Jahr 1954 und landete damit zielgenau ganz oben in der Hitparade. Weniger treffsicher erwies sich allerdings die angekündigte Prophezeiung, denn jener 30. Mai ist seither exakt 58 Mal ins Land gegangen – und den Planeten Erde gibt es immer noch.

Die beschwingte Schlagerbotschaft des fidelen Quartetts ist freilich nur eine von ganz vielen Ankündigungen verschiedener Apokalypsen und wahrscheinlich die am wenigsten ernst gemeinte. Denn die Chronik der verpassten Weltuntergänge ist ellenlang. Internationale Hellsehervereinigungen, religiöse Gruppierungen rund um den Globus, selbst ernannte Hohepriester, der Astrologe Nostradamus und so manch andere haben durch viele Jahrhunderte das Ende dieser Welt geweissagt – sei es im festen Glauben daran, oder ganz einfach um sich ins Licht der Aufmerksamkeit zu rücken.

Morgen ist es nun wieder einmal so weit: Der 21. Dezember kursiert seit Langem als das Datum, an dem unser aller Ende bevorsteht. Angeblich sollen die Maya es errechnet und in ihrem Kalender festgehalten haben. Wissenschaftler distanzieren sich zwar davon – möglicherweise habe man sich vertan –, jedoch gibt es nicht wenige Menschen, die ein Untergangsszenario ernsthaft zu fürchten scheinen. Das Internet jedenfalls ist voll von entsprechenden Äußerungen.

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Wie nun hält man es in Neuburg? Ist der Katastrophenschutz gerüstet, falls sich die Erde plötzlich auftut? Reicht der mobile Hochwasserwall aus, um eine Tsunami-Welle aufzuhalten, sollte diese die Donau entlangrollen? Stehen die Abfangjäger bereit, wenn ein Meteorit hernieder stürzt? Oder gibt es andere Vorsorge-Möglichkeiten? Und was ist heute unbedingt noch zu tun, wenn morgen die Welt untergeht?

Überlebensberater Johannes Warth findet, es ist Einstellungssache, mit dem Weltuntergang richtig umzugehen. „Ich mach’s wie mit allen Katastrophen: Ich ignoriere sie einfach, dann finden sie gar nicht statt. Außerdem bin ich Christ und kein Maya und unterliege somit nicht deren Gesetzmäßigkeiten.“ Und wem er mit dieser Anschauung noch nicht weitergeholfen hat, für den hat er folgenden Rat parat: „Fahren Sie unbedingt nach Oberschwaben, denn dort findet immer alles zehn Jahre später statt. Und außerdem ist dort die Welt noch in Ordnung.“

Moderator Klaus Benz winkt ab: „Das ist nun schon der dritte Weltuntergang, den ich erlebe, und überhaupt wäre für mich der einzige Weltuntergang, wenn es den Weihnachtsmarkt auf dem Schrannenplatz nicht mehr gäbe.“ Sein Tipp: „Heute noch einen Satz ins Abendgebet einzufügen, dann kann morgen gar nichts passieren“.

Stadtrat Fritz Goschenhofer („Bunker-Goschi“) war 1978 der erste Selbstschutzberater der Stadt. Für ihn besteht keine Notwendigkeit, sein derzeitiges Krankenbett von den Kliniken St. Elisabeth etwa in den Schutzraum unter dem Fürstgarten-Parkplatz schieben zu lassen. „Ich werde den morgigen Tag genauso fröhlich beginnen und beenden wie alle Tage und werde an Heiligabend mit den Schwestern im Krankenhaus ein Lied singen.“

Wenn alles morgen tatsächlich ein Ende hat, möchten sicher viele Menschen nicht alleine in den Himmel auffahren, sondern vereint im heiligen Bund der Ehe. Wer vor dem Weltuntergang also noch schnell seine Zweisamkeit besiegeln lassen möchte, der wird erfahren, dass auch in den Tagen danach schon Termine gebucht sind. Offensichtlich also glauben die Neuburger dem Maya-Kalender nicht. „Wir haben heute zwei, morgen vier Hochzeiten“, sagt Standesbeamter Markus Riedlberger. Die Paare haben sich bei ihm aber nicht etwa deshalb angemeldet, weil sie das Ende der Welt herannahen sehen. Am heutigen Donnerstag liegt es vielmehr am Datum und seiner schönen Schreibweise: 20.12.2012. Und morgen? „Die Leute wollen einfach nur heiraten, mit dem Weltuntergang hat das, glaub’ ich, nichts zu tun“, sagt Riedlberger.

„Wenn morgen die Welt untergeht, dann is’ eh ois wurscht“, sagt einer, der sich mit Katastrophen auskennt. Für den Fall der Fälle empfiehlt Volker Gebert vom Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt, einen Ballon zu besteigen. „Weg vom Boden! Vielleicht kann man so überleben“, schätzt er augenzwinkernd. Der Haken dabei: Die Katastrophenschutzbehörden haben gar keine Ballons vorrätig! Dennoch stehen sie bereit und wollen alles Bekämpfen, was sich am Freitag ereignen könnte. Und wenn gar nichts passiert? „Dann müssen wir überlegen, ob wir für den Haushalt 2013 nicht doch Geld zum Kauf von Ballons einstellen“, so Gebert.

Die Flucht nach oben scheint im Fall des Falles gar nicht so verkehrt. Denn falls Gefahr von dort drohen sollte, dann war sie zumindest gestern noch nicht zu erkennen. „Wir sehen auf unserem Radar keinerlei Anomalien, können natürlich auch nicht so weit ins Weltall blicken“, sagt augenzwinkernd Kommodore Oberst Andreas Pfeiffer vom Jagdgeschwader 74. Die Alarmrotte, die den gesamten süddeutschen Luftraum überwacht und in wenigen Minuten in der Luft ist, muss der Kommodore nicht extra für den Gefahrenfall sensibilisieren. „Die Jungs sind ja immer bereit.“ Heute steht für den Oberst der Geschwaderappell auf dem Programm, bei dem er auch einen Ausblick auf die Aufgaben im kommenden Jahr geben wird. Dass der umsonst sein könnte, daran verschwendet Andreas Pfeiffer keinerlei Gedanken. „Und wenn’s so wäre, dann spielt’s sowieso keine Rolle.“

Auch Oberbürgermeister Bernhard Gmehling hat so seine ernsthaften Zweifel, dass der morgige Tag dem Untergang der Erde geweiht sein wird. „Es ist ja schon so oft ’was prophezeit worden und nie war was dran.“ Er denkt deshalb nicht an den ewigen Frieden, der ihn laut Maya morgen erwartet. „Ich freue mich vielmehr auf den Weihnachtsfrieden und ein, zwei wirklich ruhige Wochen.“

Und übrigens: Falls wir tatsächlich am morgigen Freitag den Weltuntergang verpassen, dann gibt es – laut Prophezeiung – eine weitere Gelegenheit im Jahr 2076. Der christliche Theologe Bede der Ehrwürdige nennt dieses Datum, und etliche Sekten schließen sich ihm an.

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