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09.10.2008

"Wir sind schon stolz"

Gerolfing Irgendwie ist hier alles so normal. Hier hängen keine Banner mit einem lächelnden Horst Seehofer, es wehen keine weiß-blauen CSU-Fahnen. Gerolfing - die Heimatstadt des zukünftigen Ministerpräsidenten von Bayern - liegt am Mittwochmorgen im Nebel.

Von Barbara Feneberg und Clara Fiedler

Hier also wohnt Horst Seehofer. Das Pfarrdorf mit 4000 Einwohner ist der Rückzugsort des 59-Jährigen seit mehr als 20 Jahren. Hier ist er im Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr, Mitglied im Trachtenverein und bei den Fischern. Und wenn Horst Seehofer mal ein paar Tage zu Hause ist, dann radelt er zwischen Feldern oder geht mit seinem Hund spazieren.

"Wir sind schon stolz, dass einer von uns Gerolfingern jetzt Ministerpräsident wird." Martin Würzburger ist der Inhaber des kleinen Edekaladens an der Hauptstraße und wiederholt nur, was schon so viele Gerolfinger beim Einkaufen mit ihm ausführlich besprochen haben. Gleich nachdem Seehofer als alleiniger Kandidat am Dienstag feststand, hat ihn der Nachbar angerufen. "Das ist schon eine wichtige Sache für uns. Den Seehofer kennt doch hier jeder", sagt der gelernte Bäcker zwischen Kühltheke und Tiefkühltruhe. Auch Ehefrau Karin Seehofer komme schließlich zum Einkaufen in den kleinen Laden. "Das sind ganz normale Leut'", resümiert Würzburger. Stefan Stark stimmt ihm zu. "Der kann im Bierzelt gut mit den Menschen und wirds schon machen." Stark lebt zwar erst seit Kurzem im Ort, ist aber Festzeltbetreiber. In vielen seiner Bierzelte hat er den Seehofer schon sprechen gehört. "Das ist doch eine feine Sache für uns und die ganze Boom-Region", sagt der 31-Jährige.

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Der Sohn spielt hier erfolgreich Tennis, die Tochter reitet

Ein Stück weiter die Straße runter geht es in Richtung Sportverein. Hinter dem Eichenwaldstadion des FC Gerolfing 1930 e.V. sieht man nur noch Felder. Morgens ist hier kein Mensch, im Vereinsheim kostet das Pils 2,40 Euro, hier trifft sich der Vereinsvorstand, dem auch Horst Seehofer angehört. Viele Jahre war er Wirtschaftsbeirat des Vereins, sein Sohn spielt hier erfolgreich Tennis, die Tochter reitet.

Auf dem Weg zurück zur Kirche, Zentrum des katholischen Gerolfing, kommt man am Hof von Walter Scherp vorbei. 77 Jahre ist er, in Gerolfing geboren und niemals weggegangen. Genauso wie der Bauer von gegenüber: Eduard Zech. Beide kennen sie den Horst, derzeit gibt es kein anderes Thema. Der Schwiegersohn des einen ist Seehofers direkter Nachbar. "Des is' einer, der übersieht einen net", sagt Eduard Zech. Immer hätte ihn der Seehofer gegrüßt, gefragt, wie es ihm gehe und ein paar Worte mit ihm gewechselt. "Ich hab immer g'sagt, wir bräuchten so einen großen Arbeiter wie ihn", erzählt er. "Aber der Seehofer hat immer g'witzelt, er kann doch bloß reden als Politiker."

Und während die beiden Landwirte ins Philosophieren kommen, fallen ihnen immer mehr Anekdoten über den Minister ein. Sie erzählen von den Bodyguards, die in drei großen, dunklen Autos durch Gerolfing fahren, seitdem Seehofer in Berlin ist. Und von den Fremden, die nach Gerolfing kommen und die Seehofer-Villa suchen. "Dabei wohnt der doch ganz bescheiden", sagt Zech.

Tatsächlich gibt es ein paar Neugierige vor dem Seehofer-Haus. "Ich wollt' nur mal schauen, wie der so wohnt", sagt eine Spaziergängerin. Aber sie traut sich gar nicht recht bis zum Gartenzaun. Daheim ist auch keiner - wahrscheinlich alle in München. Aber bald, wenn der Gerolfinger Horst Seehofer nach Hause kommt, soll ihm ein Empfang bereitet werden. Hans-Jürgen Binner, Ortsvorsitzender der CSU Ingolstadt-West hat schon Pläne - genau wie Martin Würzburger vom Edekaladen. Er will vielleicht etwas Besonderes backen, für den Horst: "Vielleicht das CSU-Zeichen aus Brotteig"?

Alles über Seehofer und die Entscheidungen der CSU unter

www.neuburger-rundschau.de

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