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27.06.2008

"Wir wollen die Mauer wieder aufbauen"

Schon Thomas Gottschalk konnten sie seinerzeit um den Finger wickeln, indem sie ihm weiß machen wollten, dass Buntstifte am Geschmack erkennbar sind. Jetzt starten sie einen Angriff auf die heiligen Hallen des Bayerischen Landtags: Die Macher des Satiremagazins "Titanic" haben eine Partei gegründet, mit der sie die bayerische Politik aufmischen wollen.

"Die Partei" heißt sie kurz und bündig und will - so das ernst gemeinte Ziel - in den Bayerischen Landtag Einzug halten. Die dagegen sicherlich nicht in allen Punkten ernst gemeinten Forderungen versucht Bernd Sandner aus Weichering für den Stimmkreis Ingolstadt-Neuburg an den Mann zu bringen. Eine Aufgabe, die an der EM-Euphorie scheitern könnte.

Herr Sandner, hat sich Roberto Blanco schon bei Ihnen bedankt, dass sie ihn zum ersten schwarzen Bundespräsidenten ernennen wollen?

Bernd Sandner: Bislang gab es noch keinen Kontakt, das ist nur eine Forderung unsererseits.

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Also weiß er noch gar nichts von seinem Glück?

Sandner: Nein, wir haben diese Forderung zwar schon auf einem Plakat, aber bislang gab es weder eine positive noch negative Rückmeldung.

Bis 30. Juni müssen Sie 2000 Unterschriften in Oberbayern sammeln, um bei der Landtagswahl im Herbst mitmischen zu dürfen. Wie sieht die Bilanz bis dato aus?

Sandner: Das ist schwierig zu sagen, weil wir alle noch sammeln. Derzeit sind es aber an die 800 Unterschriften.

Das wird knapp, oder?

Sandner: Die Fußball-EM bremst, denn beim Public Viewing kann man furchtbar schlecht sammeln. Zehn Unterschriften - mehr geht da nicht. Die Leute wollen bei solchen Anlässen nicht diskutieren, die wollen Fußball schauen. Es sind zwar viele Leute auf einem Fleck, aber es ist sehr mühsam, hier Unterschriften zu sammeln.

Wie reagieren die Leute darauf, dass es jetzt eine neue Partei gibt?

Sandner: Einige kennen das Programm, weil sie auch die "Titanic" kennen, und wissen deshalb, dass manche Punkte satirisch gemeint sind. Andere sind entsetzt, weil sie gar nicht verstehen, was wir überhaupt wollen.

Was wollen Sie denn?

Sandner: Die große Mehrheit unserer Partei ist gegen die Abschaffung des Rauchverbots - wobei ich selbst Nichtraucher bin. Aber ich stelle mich in diesem Punkt in den Dienst der Partei. Ein weiterer Punkt: die Wahlkampfkostenerstattung an die Bürger zurückgeben. Und in der Hauptsache die CSU unter 25 Prozent drücken.

Sollten Sie in den Bayerischen Landtag gewählt werden: Was blüht uns dann?

Sandner: Es wird auf jeden Fall in der Politik ganz neue Themen geben. Die Etablierten müssen sich dann warm anziehen, weil wir wirklich auf den Bürger zugehen und nicht nur Lobbyismus betreiben. Allerdings sind wir auch ein kleines bisschen realistisch: Es wird wohl schwierig werden, allein in Oberbayern die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen.

Sie sagen der CSU, der SPD und der PDS den Kampf an. Mit welcher Partei würden Sie eine Koalition eingehen?

Sandner: Wenn es um die Machterhaltung geht, mit jeder. Ziel ist es aber, auf Dauer alle Parteien überflüssig zu machen, weil wir rechts und links neben uns keine andere Parteien haben wollen.

Das sind große Ziele.

Sandner: Ja, schließlich planen wir auch langfristig. Wir haben über 600 Mitglieder in Bayern, das weiß nur keiner. Kleine Parteien wie Die Grünen und FDP haben in Bayern auch nicht so viele Mitglieder, das sind auch nur ein paar Hundert.

Was sagen Sie all denjenigen, die sie als unseriöse Spaßpartei abtun?

Sandner: Es ist immer die Frage, wie politische Ziele zu realisieren sind. Die anderen fordern auch viel und halten nichts. Politik ist in dieser Hinsicht einfach ein schmutziges Geschäft. Wir wollen auch ein Sammelbecken für Protest- und Nichtwähler sein, die einfach die Schnauze voll haben.

Satirischer Spaß oder bitterer Ernst: Was trifft eher auf Sie zu?

Sandner: Politik soll schon Spaß machen. Aber ich persönlich bin mit den etablierten Parteien sehr unzufrieden und will das auch mit unpopulären Forderungen ausdrücken.

Auf welchen Punkt Ihres Parteiprogramms sind Sie besonders stolz?

Sandner: Unser Hauptziel ist, die Mauer wieder aufzubauen - nicht, weil wir die Ostdeutschen nicht mögen, sondern weil wir dort eine Sonderbewirtschaftungszone mit anderen Steuern und Rechtsgrundlagen errichten wollen, um dort die von Kohl versprochenen "blühenden Landschaften" zu bekommen. Mit dem Bau der Mauer schaffen wir auch unglaublich viele Arbeitsplätze, denn das wird ja doch ein größeres Bauwerk. Schließlich muss sie recht hoch werden, denn mit uns gibt es keinen Schießbefehl mehr.

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