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Wellheim

21.05.2018

Wo aus vielen Kulturen eine Gemeinschaft werden soll

Kaffeestunde in der Integrationsstätte: Wedase aus Eritrea röstet Kaffeebohnen. Projektleiterin Gabriele Eid schnuppert den intensiven Duft.

Seit einigen Wochen läuft in Wellheim ein Integrationsprojekt für geflüchtete Familien. Welche Hilfe Migranten dort erhalten und an was es noch fehlt.

„Wege entstehen beim Gehen. Zeit, um Fremdes vertraut zu machen. Familien im Blick. Integration stärken.“ So steht es auf einem schlichten Zettel an einem Fenster des ehemaligen Gasthofes „Franken Jura“ am Marktplatz in Wellheim. Diese vier Schlagworte stehen quasi für das Programm des seit einigen Wochen laufenden Integrationsprojekts der Katholischen Kindertagesstätte Sankt Andreas.

Vor einigen Monaten hatte Gabriele Eid, die Leiterin der Kindertagesstätte, von dem Integrationsangebot des bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration gehört. „Das wäre doch was für Wellheim“, sagte sie mit Blick auf die rund 60 Migranten, die zum größten Teil aus Ost- und Westafrika, aber auch aus Syrien und Afghanistan stammen, um sie besser in den Ort zu integrieren. Gabriele Eid zur Seite stehen ihre zwei Mitarbeiterinnen Lena Hölzl und Monika Klein sowie die Gemeindereferentin Brigitte Roidl von der Pfarrei Wellheim und die evangelische Religionslehrerin Ursula Wawra, die beide auch im Flüchtlingshelferkreis aktiv sind. Gemeinsam entwickelten sie das Projekt und entwarfen ein Programm, das auch noch nach dem Ende der Förderung, die bis Mai 2019 läuft, Bestand hat. Denn bis dahin soll etwas installiert worden sein, das auch ohne Fördergelder weiterläuft.

Ein Blick in die bei der Antragstellung aufgeführten Projektinhalte verdeutlicht, dass als oberstes Ziel die Integration der Migrantenfamilien angestrebt wird, basierend auf Austausch, auf gegenseitiger Achtung und Vertrauen. Um Beziehungen aufzubauen, sind gemeinsame Unternehmungen geplant, wie etwa Wanderungen in der neuen Heimat, Vereinstreffen oder Sportangebote. Offene Elterntreffs zum Thema Bildungs- und Erziehungssystem könnten einen Rahmen finden in der Kita, der Grundschule, dem Pfarrheim und dem ehemaligen Gastraum und sich speziellen Problemen widmen wie Tagesablauf, Erziehungsprinzipien, Spielverhalten und Essgewohnheiten, aber auch Umgang mit Krankheiten, Verhalten im Straßenverkehr, zahnärztliche Prophylaxe, Schulsystem usw. Weitere Ideen zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts wären zum Beispiel gemeinsames Kochen, Spielenachmittage, Buchlesungen in deutscher oder fremdländischer Sprache und gemeinsames Musizieren. Ganz wichtig wären auch zum Beispiel, dass eine Wohnungsbörse eingerichtet wird, um denjenigen unter die Arme zu greifen, die Arbeit finden und dann selbst für ihre Wohnung aufkommen müssen. Seit einigen Wochen finden nun jeden Mittwoch ab 16.30 Uhr im ehemaligen Gastraum des Wirtshauses Zusammenkünfte statt, um die Migranten mit den Wellheimern zusammenzubringen.

Gemeinsam haben das Führungsteam mit dem Helferkreis und den Flüchtlingen den Raum hergerichtet. Die Treffen sind völlig zwanglos. Heute sind etwa 20 Personen da, darunter auch ein paar Mitglieder des Helferkreises. Die Erwachsenen unterhalten sich angeregt, eine Frau aus Eritrea bereitet nach der Art, wie sie es von ihrer alten Heimat gewohnt ist, Kaffee zu: Grüne Bohnen werden zuerst geröstet, dann gemahlen und sorgfältig aufgebrüht. Der herrliche Duft des frischen Kaffees vermischt sich mit dem eines frisch gebackenen Kuchens. Der erste Schluck wird zum Geschmackserlebnis, denn eine feine Ingwernote kitzelt den Gaumen. Auch Pfarrer Georg Guggemos ist begeistert und reicht eine Platte mit frischem Popcorn herum. Er lobt die Integrationsfähigkeit der Kindertagesstätte und des Projekts. Die Kinder freuen sich, dass Monika Klein heute Luftballons mitgebracht hat, aus denen sie lustige Tiere und Fantasiegebilde formt. Hin und wieder platzt der Knall eines Ballons in die Unterhaltungen. Ein Kind beschäftigt sich intensiv mit einem Bilderbuch, die ganz Kleinen spielen mit ihren Müttern.

Es gab auch schon ein Treffen, an dem Osterdeko gebastelt wurde. Auch die sprachliche Förderung der Kinder und die Unterstützung bei Hausaufgaben sind angelaufen. „Die Kinder lernen sehr schnell, viele unterhalten sich bereits auf Deutsch und nicht mehr in ihrer Muttersprache“, erzählen Brigitte Roidl und Ursula Wawra. Trotzdem sei es gut, dass die Kinder zweisprachig aufwachsen, damit sie ihre Identität nicht verlieren. Auch um die berufliche Zukunft, vor allem der zum Teil alleinerziehenden Mütter, sorgen sich die beiden. In dem Raum gibt es auch einen PC-Arbeitsplatz, wo zum Beispiel Bewerbungsschreiben verfasst werden können.

Damit die Begegnungsstätte das wird, was die Planungen versprechen, braucht es aber noch mehr Unterstützer. „Es ist schwierig, über den Helferkreis hinaus Leute zur Mitarbeit zu motivieren“, sagt Brigitte Roidl. „Vielleicht ist es eine Schwellenangst“, vermutet Gabriele Eid. „Um sie zu überwinden, laden wir jeden ein, mal bei uns vorbeizuschauen und sich zu informieren. Man gibt nicht nur, man bekommt auch sehr viel Dankbarkeit und Freundschaft zurück“, betonen die beiden unisono.

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