Newsticker
Zahl der Neuinfektionen steigt im Vergleich zur Vorwoche leicht an
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Wo in der Region ein Dorfladen entstehen soll

Versorgung

29.01.2019

Wo in der Region ein Dorfladen entstehen soll

Einen solch regen Betrieb wie in diesem Dorfladen in Oberndorf im Nachbarlandkreis Donau-Ries wünscht sich auch die Gemeinde Königsmoos. Der erste Schritt zum Dorfladen in Klingsmoos ist getan.
Bild: Helmut Bissinger (Archiv)

Sie setzen auf regionale Produkte und bieten einen sozialen Treffpunkt im Ortszentrum. Beispiele zeigen, das Konzept kann funktionieren, birgt aber Risiken.

Die Pläne klingen vielversprechend: Auf 180 Quadratmetern wird es regionale Produkte, frisches Obst und Gemüse sowie alles, was man zum Leben braucht, geben. Auch eine Poststelle und ein Geldautomat sollen Platz finden. Und das mitten in Klingsmoos. Im Zuge der Dorferneuerung soll dort an der Pöttmeser Straße ein Dorfladen entstehen, sozusagen ein gesellschaftlicher Treffpunkt für das sechs Kilometer lange Straßendorf. Beispiele aus der Region zeigen, dass das Konzept funktionieren, aber auch scheitern kann.

Bis die ersten Semmeln in den Regalen in Klingsmoos liegen könnten, dauert es aber ohnehin noch. Schließlich steht auf dem Grundstück noch nicht einmal das Gebäude, in das der Laden einziehen soll. Rund 450.000 Euro müsste die Gemeinde in die Hand nehmen, um die Räumlichkeiten für den Dorfladen bereitzustellen. Dabei kann Königsmoos auf eine Förderung des Amts für ländliche Entwicklung von mindestens 150.000 Euro hoffen. Zwölf Jahre muss der Dorfladen dann laufen, sonst müsste die Gemeinde die Förderung anteilsmäßig wieder zurückzahlen.

Dorfladen Klingsmoos: In den ersten Jahren droht ein Verlustgeschäft

Um das Projekt auf den Weg zu bringen, befassten sich die Gemeinderäte mit dem Konzept und luden dafür Unternehmensberater Wolfgang Gröll nach Königsmoos ein. Seit 20 Jahren begleitet er Dorfläden und weiß daher aus Erfahrung, warum sie so beliebt sind: „Wichtig sind die Regionalität der Produkte, integrierte Cafés als sozialer Aspekt und das ehrliche Vermeiden von unnötigen Verpackungen.“

Restlos überzeugt schienen längst nicht alle Räte zu sein – zumal der Dorfladen-Experte frühestens im dritten oder vierten Jahr eine schwarze Null prognostizierte. Die potenziellen Verluste der ersten Jahre seien jedoch in der folgenden Rechnung schon einberechnet: Damit sich der Dorfladen in Klingsmoos finanziert, müssten rund 150 Kunden pro Tag für etwa acht Euro einkaufen. Gemeinderat Bernd Felbermaier (CSU) gab zu bedenken, dass in Klingsmoos viele Berufspendler leben, die oft bereits auf dem Nachhauseweg von der Arbeit ihre Einkäufe erledigen. Laut Gröll sei das ebenfalls schon bedacht: „Es kann sein, dass dafür andere von außerhalb in den Dorfladen kommen, das Phänomen beobachten wir immer wieder.“ Und auch Bürgermeister Heinrich Seißler (FW) betonte: „Wir haben schon konservativ gerechnet.“

Bevölkerung muss Dorfladen in Klingsmoos wollen

In einem Punkt waren sich am Ende alle Gemeinderäte einig: Es muss ein klares Signal aus der Bevölkerung kommen. Das heißt: Es müssen sich viele Anteilseigner finden, die gemeinsam mindestens 50.000 Euro Kapital zusammen bekommen. Der Mindestbetrag für eine Beteiligung liegt bei 250 Euro. „Wir gehen ein Risiko ein und ich habe große Zweifel. Sollte der Wert unter den 50.000 liegen, müssen wir zwingend noch einmal im Gemeinderat darüber entscheiden“, forderte beispielsweise Gemeinderat Stefan Fäustlin von der Bürgergemeinschaft.

Dass Dorfläden auch genau daran scheitern können, zeigt das Beispiel Rohrenfels. Der anfänglichen Euphorie folgte bald die Enttäuschung: Insgesamt 80.000 Euro hätten Anteilseigner zusammenbringen sollen, um den Laden auf solide Beine zu stellen. Am Ende lag der Wert deutlich darunter, das Konzept liegt seitdem auf Eis.

Dorfladen Klingsmoos: Noch heuer soll der Bau beginnen

Doch die Region hat auch positive Beispiele: Der Dorfladen in Oberndorf im Nachbarlandkreis Donau-Ries feiert am Wochenende sein einjähriges Bestehen – und kommt in der Bevölkerung gut an, sagt Bürgermeister Hubert Eberle: „Er wird stark frequentiert. Dort gibt es auch ein Mittagsangebot, für das ein benachbartes Unternehmen Essensmarken ausgibt. Wir sind sehr zufrieden.“ Auch in Oberndorf hat sich die Gemeinde zu Beginn klare Regeln gesetzt: „Wir wollten eine gewisse Akzeptanz aus der Bevölkerung und haben diese an der Zahl der verschiedenen Anteilseigner und einer Summe von 75.000 Euro festgemacht. Beide Zahlen konnten wir deutlich übertreffen.“ Nun, erklärt Eberle, müsse nur noch die Wirtschaftlichkeit passen.

Die Gemeinderäte in Königsmoos brachten das Projekt indes auf den Weg. Vorausgesetzt, dass der Dorfladen gefördert, eine Unternehmergesellschaft (UG) gegründet und das Bürgerkapital erreicht wird, stimmte das Gremium einstimmig dafür, das Gebäude in Klingsmoos zu errichten und an die UG zu vermieten. Im nächsten Schritt müssen der Arbeitskreis Dorfladen und Mitglieder der Dorferneuerung Klingsmoos eben diese UG gründen, die letztlich den Dorfladen betreibt. Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein, wünscht sich Bürgermeister Seißler.

Veranstaltung: Am 15. Februar um 19 Uhr findet eine Infoveranstaltung zum Dorfladen im Sportheim des SV Klingsmoos statt. Am 8. März folgt die Gründungsveranstaltung der UG, ebenfalls um 19 Uhr im Sportheim.

Lesen Sie dazu den Kommentar "Dem Dorfladen in Klingsmoos eine Chance geben" von Fabian Kluge.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren