Newsticker

Rekord bei Corona-Zahlen: 14.714 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung in Oberhausen: So sieht das Konzept aus

Oberhausen

30.09.2020

Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung in Oberhausen: So sieht das Konzept aus

Bei der Abbildung handelt es sich um einen ersten vorläufigen Entwurf.
Bild: Stiftung Sankt Johannes

Plus In Oberhausen soll ein Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung entstehen. In der Bevölkerung regt sich Widerstand. Die Stiftung Sankt Johannes stellte das Projekt am Mittwoch der Presse vor und räumte mit einigen Gerüchten auf.

Den Verantwortlichen war eine gewisse Anspannung anzumerken, als sie am Mittwochnachmittag die Vertreter der Presse im Kaffeehaus Oberhausen empfingen. Eingeladen hatte die Stiftung Sankt Johannes, um ausführlich über das geplante Wohnheim für Menschen mit Behinderung zu informieren. Fridolin Gößl und Mini Forster-Hüttlinger waren ausdrücklich nicht in ihrer Funktion als erster Bürgermeister beziehungsweise zweite Bürgermeisterin vertreten, sondern als Sprecher der Fraktionen im Gemeinderat.

Grund dafür sind gesetzliche Vorgaben im Bürgerentscheidverfahren, welches von den Initiatoren Mitte August eingereicht wurde, um das geplante Gewerbegebiet an der Sinninger Straße und damit auch das Wohnheimprojekt zu verhindern. In diesem laufenden Verfahren sind die Vertreter der Gemeinde zu Neutralität und Parität verpflichtet.

In Oberbayern fehlen Plätze für Menschen mit geistiger Behinderung

Als Sprecher der Fraktionen im Gemeinderat begrüßte Fridolin Gößl die Anwesenden und wies noch einmal auf den Stand der Planungen hin. Bereits vor zwei Jahren sei die Stiftung St. Johannes auf die Gemeinde zugekommen, um sich nach möglichen Grundstücken zu erkundigen. Dem war eine Anfrage des Bezirks Oberbayern vorausgegangen, da im gesamten Bezirk Betreuungsplätze für Menschen mit Behinderung im intensiv-pädagogischen Bereich fehlen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Neben dem Grundstück für das Wohnheim sind noch drei weitere Flächen für Gewerbe vorgesehen. Eine Anfrage liegt der Gemeinde bereits vor. „Man darf nicht vergessen, dass die Erschließung solcher Flächen aktuell mindestens zwei Jahre Vorlauf benötigt“, sagte Fridolin Gößl.

Viel Zeit, wenn man sich als Gewerbe ansiedeln möchte oder mit einem bestehenden Betrieb expandieren will. Die bestehenden Flächen sind mit bebaubaren Flächen zwischen 3000 und 5600 Quadratmetern für kleinteiliges Gewerbe vorgesehen. Die Sorge, beispielsweise ein Logistikriese könnte sich dort ansiedeln, ist unbegründet.

Grundstück in Oberhausen wäre optimal für die Pläne der Stiftung

Robert Freiberger, Geschäftsführer der Stiftung Sankt Johannes, die ihren Sitz in Marxheim hat, übernahm nach den einführenden Worten von Gößl das Wort. In der Gemeinde Oberhausen sei man auf sehr viel Offenheit für dieses Projekt gestoßen. „Das Grundstück an der Sinninger Straße wäre für uns optimal. Es hätte die entsprechende Größe von etwa 6500 Quadratmetern und wäre auch im Sinne der Inklusion nah genug am Ort“, sagte Freiberger. Dabei liegt die Betonung auf „wäre“, denn das Grundstück, das seit 2006 im Besitz der Gemeinde ist, wurde von der Stiftung noch nicht erworben. „Aus bauchrechtlicher Sicht könnte das Projekt jetzt realisiert werden“, erklärte Freiberger.

Insgesamt sollen vier miteinander verbundene Gebäude auf dem Gelände entstehen, jeweils zweistöckig und mit flachen Dächern. „Wir bauen da keinen riesigen Klotz“, betont der Geschäftsführer. 24 Menschen mit primär geistiger Behinderung sollen dort ein Zuhause finden. Menschen, die von Geburt an in allen Lebensbereichen auf Unterstützung angewiesen sind. Die Wohnbereiche würden, so Freiberger, Richtung Süden, Westen und Osten ausgerichtet werden. Im Norden, also dem Teil, der der Wohnbebauung am nächsten ist, werden Verwaltungs- und Personalräume untergebracht sowie ein Mitarbeiterparkplatz. „Wir achten sowohl architektonisch wie auch planerisch darauf, dass sich das Gebäude in die Umgebung einfügt.“ Eine Lärmbelastung für Anwohner oder gar eine Gefahr könne er ausschließen, sagte Freiberger. „Da wird ganz normal gelebt.“

Geschäftsführer der Stiftung räumt mit Gerüchten auf

Da es sich um eine beschützende Einrichtung handelt, werden die Bewohner die Einrichtung nicht ohne Betreuung verlassen. Als die Öffentlichkeit in das Verfahren um das Gewerbegebiet und das Wohnheim einbezogen wurde – übrigens fristgerecht und ohne vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein – waren schnell Gerüchte und teilweise unhaltbare Argumente gegen einen Bau im Umlauf. „Besonders bedauerlich finden wir die Tatsache, dass nie mit uns, dem Träger, gesprochen wurde“, so Freiberger. Fragen und Unsicherheiten bei solchen Themen seien normal und nicht ungewöhnlich. „Ein Bürgerentscheid gegen eine unserer Einrichtung ist für uns aber ein absolutes Novum.“

Daher war der Geschäftsführer an diesem Mittwochnachmittag auch bemüht, mit einigen Gerüchten aufzuräumen. „Nein, es wird keine hohe Mauer um die Einrichtung gezogen.“ „Bei uns werden keine Straftäter untergebracht, sondern Menschen, die von Geburt an eine geistige Behinderung haben und daher pflegebedürftig sind.“

Bürgerentscheid in Oberhausen ist ein Novum für Sankt Johannes

Neben den Gegebenheiten vor Ort macht noch ein weiterer Faktor den Standort für die Stiftung St. Johannes interessant. Der Träger betreibt in Burgheim-Straß eine Einrichtung mit Großküche. So könnten die Bewohner in Oberhausen leicht von dort mitversorgt werden.

Am 6. Dezember entscheiden die Bürgerinnen und Bürger in Oberhausen über die Zukunft der Fläche. Wer dafür ist, die Erschließung des Grundstücks an der Sinninger Straße zu stoppen, spricht sich automatisch auch gegen das Wohnheim aus. „Wir haben noch keinen Plan B, wenn wir die Abstimmung im Dezember verlieren“, sagte Freiberger. „Das würde uns auf jeden Fall um Jahre zurückwerfen.“

Stiftung hofft auf Bürgerinnen und Bürger aus Oberhausen

Er hoffe, dass die Oberhausener ein Herz für Menschen mit Behinderung zeigen werden und dem Projekt eine Chance geben. Die Fraktionen im Gemeinderat stehen geschlossen hinter dem Projekt. „Wir werden Wahlkampf machen“, kündigte Mini Forster-Hüttlinger an. Sie sei in Oberhausen geboren und immer stolz gewesen auf die Bürgerinnen und Bürger, die in vielen Bereichen Offenheit und Zusammenhalt bewiesen haben. „Ich hoffe, dass das auch so bleibt“, sagt sie.

Vonseiten der Stiftung wolle man jetzt vor allem aufklären und Fragen der Bürger beantworten. „Wer sich informieren möchte, kann bei uns anrufen, darf gerne vorbei kommen und sich ein Bild von unseren Einrichtungen machen“, sagt Freiberger. Auch Infoveranstaltungen und -schreiben sind geplant. „Wir wollen Transparenz und Vertrauen schaffen.“

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren