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Eichstätt

02.07.2020

Wolf tappt in Fotofalle: Was ist über das Tier bekannt?

Im Saupark bei Eichstätt hat eine Wildkamera dieses Bild eines Wolfs aufgenommen. Ob er dauerhaft bleibt, steht noch nicht fest.
Bild: privat

Plus Mehrmals ist in den vergangenen Wochen ein Wolf in der Nähe von Eichstätt von einer Wildkamera fotografiert worden.

Vor einigen Wochen sind zum ersten Mal in unserer Region Aufnahmen eines Wolfs gemacht worden. Das Tier ist vom Landesamt für Umwelt zweifelsfrei als Wolf identifiziert worden. Woher stammen die Bilder?

Reinbold: Das letzte, ganz deutliche Bild ist an einem Abend Mitte Juni im Waldgebiet Saupark entstanden. Dieses rund 25 Quadratkilometer große Gebiet befindet sich zwischen Wasserzell, Konstein und Breitenfurt. Bereits am 22. Mai wurde das Tier bei Adelschlag von einer Wildkamera aufgenommen und einen Tag später bei Breitenfurt. Die Meldungen stammen alle von Förstern. Wenn jemand noch weitere, möglicherweise ältere Aufnahmen hat, vielleicht auch aus angrenzenden Landkreisen wie Neuburg-Schrobenhausen, sollte er sich melden. Auf diese Weise kann man feststellen, wie lange der Wolf schon bei uns unterwegs ist. Nach sechs Monaten gilt er als sesshaft. Ein Wolfsrevier hat rund 250 Quadratkilometer.

Es gibt ja nun die Bilder. Sind Ihnen weitere Wolfsbeobachtungen gemeldet worden?

Wolf tappt in Fotofalle: Was ist über das Tier bekannt?

Reinbold: Ich hatte bislang rund ein Dutzend Anrufe von Waldarbeitern, Spaziergängern oder Autofahrern, die berichtet haben, dass sie einen Wolf gesehen hätten. Da bei uns frei laufende Hunde sehr selten sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich tatsächlich um einen Wolf gehandelt hat. Aber das sind natürlich keine Nachweise.

Was weiß man bisher über den Wolf?

Reinbold: Dem Aussehen nach handelt es sich um ein ein- bis zweijähriges Jungtier. Um mehr zu wissen, bräuchte man eine Genuntersuchung. Dann könnte man feststellen, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Wolf handelt oder auch, woher er stammt, etwa aus Italien oder der Lausitz. Für die Untersuchung benötigt man jedoch Haare, Speichel oder Kot. In Wolfsgebieten findet man Wolfslosung (Kot) mit Haaren und Knochen häufig auf Waldwegen. Sie dient auch der Revierabgrenzung.

Sind Sie überrascht, dass in der Region ein Wolf aufgetaucht ist?

Reinbold: Nein, überhaupt nicht. Wölfe sind zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs und legen am Tag 70 Kilometer zurück. Da kommt es zwangsweise zu Begegnungen. Ob ein Wolf sesshaft wird, entscheidet aber der Zufall. Ausschlaggebend ist, ob genügend Nahrung da ist. Und bei uns gibt es ja Rehe und Wildschweine in Hülle und Fülle, das ist ein Schlaraffenland für den Wolf. Außerdem braucht er eine Rückzugsmöglichkeit. An Menschen stört sich ein Wolf jedenfalls nicht, die ignoriert er einfach.

Doch manche Menschen denken vielleicht an den „bösen Wolf“ aus den Märchen und haben Angst, dass sie möglicherweise beim Spazierengehen einem Tier begegnen könnten. Geht vom Wolf eine reale Gefahr aus?

Reinbold: Die Gefahr, dass man im Wald von einem herabfallenden Ast getroffen wird, ist größer als die, dass man von einem Wolf angegangen wird. Menschen stehen nicht auf dem Speiseplan des Wolfs und außerdem weiß er, dass von uns keine Gefahr ausgeht. Bei einer Begegnung bleibt ein Wolf stehen, schaut, und geht dann gemütlich weiter. In Westeuropa gibt es rund 20.000 Wölfe – und die letzten 40 Jahre ist es nie zu Aggressionen gegenüber Menschen gekommen. Wer mit seinem Hund unterwegs ist, sollte ihn im Wolfsgebiet aber an die Leine nehmen. Dann sieht der Wolf in ihm keinen Konkurrenten mehr.

Woher hat dann der Wolf seinen schlechten Ruf?

Reinbold: Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein war er ein Nahrungskonkurrent. Sowohl der Mensch als auch der Wolf haben Wild gejagt. Außerdem war der Wolf in früheren Zeiten an den Geruch toter Menschen gewöhnt, zum Beispiel auf den Schlachtfeldern der Kriege.

Jägern oder Schäfern wird ein sesshafter Wolf aber wohl wenig Freude machen.

Reinbold: Ist ein Wolf in einem Gebiet sesshaft oder reißt er außergewöhnlich viele Tiere, dann handelt es sich um ein Präventionsgebiet. In einem Umkreis von 30 Kilometern, nach Ausweisung durch das Landesamt für Umwelt, gibt es dann Geld für Schutzzäune und Herdenschutzhunde. Mit einem guten Schutz können Angriffe auf Nutztiere fast vollständig verhindert werden. Die Jagd wird sich zwar in einem Wolfsgebiet verändern. Aber in Sachsen hat sich beispielsweise gezeigt, dass nicht weniger Rehe und Wildschweine erlegt werden, wenn ein Wolf da ist. Sie werden sogar noch fitter. Denn die Schwachen werden vom Wolf gefressen.

Warum ist es in Ihren Augen eine gute Nachricht, dass es in unserer Region nach 150 Jahren wieder einen Wolf gibt?

Reinbold: Zu unserer Natur gehört ein Spitzenprädator dazu, ein Tier, das am Ende der Nahrungskette steht. Die Rückkehr des Wolfs zeigt, dass unser Ökosystem fitter wird. Aber ein Wolf wird die Jagd durch unsere Jäger nicht ersetzen.

Zur Person: Willi Reinbold aus Eichstätt ist Wolfsbeauftragter für Bayern beim Landesbund für Vogelschutz (LBV). Er spricht über die Rückkehr des Wolfs in die Region und darüber, weshalb Spaziergänger keine Angst vor dem "bösen Wolf" haben müssen.

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