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Kindertheater

05.02.2015

Wünsche werden wahr

Nachdem Britta ihrer Großmutter Tee gebracht hat, holt sie aus einer glitzernden Handtasche eine Handvoll Federn, mit denen sie eine außergewöhnliche Performance aufführt.
Bild: Julia Lange

Klexs Theater spielt „Die Puppe Mirabell“. Das zauberhafte Märchen regte die kleinen Zuschauer zum Schmunzeln an und zeigte, wie wichtig es ist, an seine eigenen Träume zu glauben, damit diese auch in Erfüllung gehen

Langsam gehen die Lichter im Zuschauerraum aus. In der Luft liegt Spannung und die Mädchen und Buben im Publikum rutschen voller Aufregung auf den Sitzen hin und her. Als es schließlich losgeht und die Bühne stimmungsvoll von den Scheinwerfern angestrahlt wird, ist im gesamten Raum die erwartungsvolle Vorfreude spürbar.

So zu erleben gestern im Neuburger Stadttheater, als das Klexs Theater, ein Kinder- und Jugendtheater mit fester Spielstätte in Augsburg, dort gastierte. Es hatte für die kleinen Zuschauer Astrid Lindgrens „Die Puppe Mirabell“ mitgebracht. Regisseur Peter Ondraczek hat aus der ursprünglichen Geschichte der schwedischen Autorin in Bearbeitung durch Gabriele Beier eine einfühlsame Inszenierung geschaffen, die mit Tanz und Live-Musik aufgepeppt wurde.

Mit viel Charme wurde das Märchen erzählt, das sich um das Mädchen Britta dreht. Sein größter Wunsch ist es, eine Puppe zu besitzen. Seine Großmutter verdient mit Blumenverkauf zu wenig Geld, um Britta eine zu kaufen. Eines Tages schenkt ihr ein merkwürdiger Herr ein Samenkorn. Sie steckt es in einen Blumentopf und gießt das zarte Pflänzchen täglich. Ganz überrascht stellt sie eines Tages fest, dass aus dem einstigen Körnchen eine Puppe gewachsen ist. Sie hört auf den Namen Mirabell und ist etwas Besonderes, weil sie, wenn sie mit dem Britta alleine ist, zu sprechen beginnt.

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Immer wieder erfüllt freudiges Kinderlachen den Theatersaal, was an den vielen lustigen Pointen und absurden Situationen liegt. Als der seltsame Mann Britta verschiedene Geschenke vorstellt, sind sich die Kinder über die lustigen Ideen des Herren einig: Wer würde sich schon über eine überdimensionale Mausnase oder einen alten Wurm freuen?

Vom ersten Moment an, als sich die Scheinwerfer auf das aufwendig gestaltete Bühnenbild richten, ist der Zuschauer in dessen Bann gezogen. Es ist mit vielen liebevoll ausgesuchten Details versehen. Dazu gehört eine glitzernde Handtasche, in der Britta Federn aufbewahrt, mit denen sie hinter dem Rücken ihrer Großmutter eine ausgefallene Performance aufführt. Dabei macht sie aus dem leidigen Thema Wäscheaufhängen eine amüsante Show. Sie tanzt mit den Klamotten, führt einen Stierkampf vor und zum krönenden Abschluss landet ein Kleidungsstück sogar auf dem Kopf ihrer Oma.

Zum Ohrenschmaus wird die gut ausgesuchte Live-Musik, die die Mädchen und Buben verzaubert. Sie ist sehr minimalistisch – indes nicht weniger effektvoll. Immer wieder sind die Melodie einer romantischen Spieluhr im Hintergrund sowie die stimmungsvollen Klänge eines Glockenspiels zu hören. Auch das Klarinettenspiel der beiden Darstellerinnen sowie ihr Gesang, überzeugen bei aller Schlichtheit auf ganzer Linie.

Die simplen, aber gut durchdachten Details und Regieeinfälle, mit denen das Klexs Theater die Inszenierung aufpeppt, begeistern die kleinen Zuschauer: Plötzlich holt die Oma ein großes, grünes Paket für Britta hervor. Als das Mädchen das Geschenk auspackt, ist man ob der liebevollen Überraschung der Oma ganz gerührt. Sie hat, als ihre Enkelin schon geschlafen hat, Kleider und Bettwäsche für die Puppe genäht. Welche – frühere – Puppenmama kann Brittas Freude da nicht nachvollziehen?

Allerdings kommt der herrische Charakter der Puppe, wie er in Astrid Lindgrens Geschichte deutlich beschrieben wird, im Schauspiel kaum zur Geltung. Lediglich als Mirabell Britta immer wieder unterbricht und ihre Wünsche äußert, blitzt das Wesen der Puppe – so wie Astrid Lindgren sie sich vorgestellt hat – ein wenig auf.

Am Ende wird es zunehmend unruhig im Theatersaal. Das liegt wohl auch an den Längen, die das Stück mitunter aufweist. Vor allem der Anfang des Stückes, bis Britta das Samenkorn erhält, zieht sich doch sehr hin. Vom Alltag des Mädchens, nachdem sie Mirabell geschenkt bekommen hat, erfährt man leider nichts. Beim Heimgehen schwingt allerdings die insgesamt zauberhafte Stimmung der Geschichte noch nach, sowie auch die Botschaft an die kleinen Zuschauer, dass man nur fest genug an seine Träume glauben muss, damit sie auch eines Tages in Erfüllung gehen. Eine Hoffnung, die auch manchem Erwachsenen guttun würde ...

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