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Karlshuld

15.01.2020

Wut auf Wahlplakate in Karlshuld

Der Stein des Anstoßes: Das Mega-Wahlplakat der Freien Wähler am Beska-Platz vor dem Kreisel. „Es steht ganz fest und kann nicht umfallen“, sagt der Amtsinhaber Karl Seitle.
Bild: Roland Geier

Plus In Karlshuld ist der Wahlkampf voll entbrannt. Das zeigt sich auch im Schlagabtausch um politische Moral im Gemeinderat. Wer am Pranger steht und warum nicht alle politischen Gruppierungen den Ärger teilen.

Rita Schmid ist sauer, richtig sauer. Die CSU-Ortsvorsitzende ist dieser Tage nicht gut zu sprechen auf die Ratskollegen der Freien Wähler. In der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend stellte sie deren Vorsitzenden Werner Hecht zur Rede. Der Vorwurf: Der politische Gegner verstoße im Wahlkampf gegen die Moral.

Aber von vorne: In Karlshuld wird beim Urnengang am 15. März ein neuer Bürgermeister gewählt, weil Urgestein Karl Seitle (FW) nach 36 Jahren im Amt in den wohl verdienten Ruhestand geht. In der drittgrößten Landkreisgemeinde ist deshalb ein echter Wahlkampf entbrannt, zwei Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge: Michael Lederer (FW), amtierender 2. Bürgermeister, und Wolfgang Tarnick mit seinen „Die unabhängigen Karlshulder“ (DUK). Kleine Petitesse am Rande: Der 56-Jährige saß bis 2018 für die SPD im Gemeinderat, bevor er bei den Genossen austrat. Momentan ist er fraktionslos, mit seiner Wählergemeinschaft möchte der Malermeister durchstarten und ins Rathaus einziehen. Die SPD dagegen wird in Karlshuld nicht einmal mehr mit einer Liste antreten. „Ich sehe die ganze Aufregung locker“, sagt Wolfgang Tarnick, obwohl er zugibt: „Wenn ich in Grasheim nicht den Platz beim Nachbarn hätte, hätte ich dort für meine Plakate gar keinen Platz bekommen. Doch am Ende werden nicht Plakate gewählt, sondern Personen. Man muss in den Wahlveranstaltungen gut und sympathisch rüberkommen.“

In Karlshuld hat nicht jede Partei einen Bürgermeister-Kandidaten aufgestellt

Einen Bürgermeisterkandidaten hat auch die CSU nicht aufgestellt. Doch Rita Schmid geht es ums Prinzip. Die Freien Wähler hätten sich zwar an die Regeln gehalten, aber unterschwellig eben doch nicht. „Wir hatten in der Weihnachtssitzung ausgemacht, wir plakatieren erst nach Heilig-Drei-König. Und ich mache da keinen Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Flächen. Und wer stellt zwischen Weihnachten und Heilig-Drei-König ein Bürgermeisterplakat auf?“, fragt sie. Und nicht genug, just am 7. Januar um null Uhr eins hätten die Freien Wähler ein Megagerüst am Beska-Platz aufgestellt, um ihre Kandidaten ins rechte Licht zu rücken. „Wir sind ja nur drei Parteien“, meint die CSU-Ortsvorsitzende, „und dann stelle ich mich halt nicht so breit da rein, dass kein Dritter mehr hinpasst. Mir geht es ums Prinzip und das Miteinander. Das ist kein fairer, kollegialer Umgang. In drei Monaten müssen wir schließlich wieder alle miteinander Politik für Karlshuld machen“, findet sie.

Wut auf Wahlplakate in Karlshuld
Die Karlshulder CSU setzt unter anderem auf Bauzäune, dieses Plakat steht in der Hauptstraße.
Bild: Norbert Eibel

Noch-Amtsinhaber Karl Seitle sagt: „Wir sind uns keiner Schuld bewusst.“ Seine Freien Wähler hätten dasselbe Plakat aufgestellt wie 2014. Die Gemeinde Karlshuld habe keine Plakatierungsverordnung, deshalb sei im Gemeinderat folgender Beschluss gefasst worden: Bäume und Straßenlampen seien tabu, der Beska-Platz dagegen sei für Großplakate freigegeben.

Findig ist Malermeister Wolfgang Tarnick. Für seine DUK-Wahlwerbung hat er Privathäuser eingerüstet.
Bild: Norbert Eibel

Rita Schmid hat sich dennoch geärgert, als sie zum ersten Mal am Kreisel vorbeigekommen ist und dort in die Konterfeis der politischen Mitbewerber blicken musste. Wolfgang Tarnick dagegen hat gleich reagiert, als er bemerkte, dass die Konkurrenz nicht kleckern, sondern klotzen würde. Er sei vorbereitet gewesen, „denn vor sechs Jahren haben die Freien Wähler es genauso gemacht. Wie ich in der Früh die Bauzäune am Beska-Platz gesehen habe, bin ich gleich hin und hab’ mir noch einen Platz gesichert. Als Bürgermeisterkandidat wollte ich natürlich am Kreisel stehen und nicht 50 Meter dahinter.“

Mancher in Karlshuld findet die ganze Aufregung für „ein bisserl überflüssig“

FW-Kandidat Michael Lederer findet die ganze Aufregung für „ein bisserl überflüssig, denn es ist das gleiche Plakat wie bei der letzten Kommunalwahl. Und die Erlaubnis, am Beska-Platz aufzustellen, ist wieder im Gemeinderat durchgegangen und daran haben wir uns gehalten.“ Wenn andere Fraktionen der Ansicht seien, dies sei zu groß geraten, dann halte er dagegen: „Wir haben uns auf nur zwei Standorte konzentriert, am Kreisel und am Maibaum im Grasheim.“ Die Vorgabe, auf öffentlichen Flächen nicht vor dem 7. Januar zu plakatieren, habe man ebenfalls eingehalten. Das Weihnachtsplakat mit Wünschen zu den Festtagen sei auf privatem Grund gestanden, „und zwar vom 23. bis 28. Dezember. Wir haben uns genau an das gehalten, was ausgemacht war.“ Das sieht auch Parteikollege Karl Seitle so und assistiert: „Und Weihnachtswünsche machen halt nur an Weihnachten Sinn.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar "Karlshulder Ballermann" von Norbert Eibel.

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