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Fasching

12.01.2015

Zwischen Himmel und Hölle

Funkenmariechen Selina Bolleininger flog förmlich durch den Saal.
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Funkenmariechen Selina Bolleininger flog förmlich durch den Saal.

Der Engel Aloisius, Teufel und Engel, Feuer und Eis: Im 60. Jahr ihres Bestehens setzen die Neuburger Burgfunken auf starke Kontraste – und einer räumt erstmals seinen Posten

Die Geschichte vom Engel Aloisius geht so: Den Bahnhofs-Dienstmann mit der Nummer 172 trifft der Schlag, weil er einen Auftrag zu hastig erledigt. Mit viel Mühe verfrachten die Engel den Münchner Alois Hingerl in den Himmel. Statt Bier und „Schmaizla“ bekommt er Manna und von Petrus eine Harfe zum Frohlocken, was Aloisius gar nicht schmeckt. Er tut das, was der Ur-Münchner in solchen Fällen tut: Er grantelt. „Hosianna zefix!“ Am Ende soll er als himmlischer Gesandter der Staatsregierung göttliche Ratschläge übermitteln. Seinen Auftrag vergisst er. Es geht in alter Gewohnheit ins Hofbräuhaus. Dort sitzt er bis heute und die Regierung wartet weiter auf göttliche Eingebung, schreibt Ludwig Thoma vor etwas mehr als einem Jahrhundert.

Was die Geschichte vom grantelnden Engel mit dem Neuburger Fasching zu tun hat? Grundsätzlich nicht viel. Engel Aloisius sitzt weiter im Hofbräuhaus, während die Burgfunken im ausverkauften Kolpingsaal den Krönungsball feiern. Doch dann steht der Aloisius (alias Tom Hettler) mitten im Saal, als hätte ihn Petrus höchstpersönlich nach Neuburg geschickt. Zwei Dinge werden klar. Einmal, dass der Elferrat seinen Auftritt mit dem kauzigen Humor eines grantelnden Thoma umgesetzt hat – und dass den Alois und die Faschingsgesellschaft schlussendlich doch etwas verbindet: die Tradition einer nicht enden wollenden Geschichte und das Bild einer Stadt, das Aloisius unten in München, die Burgfunken in Neuburg seit Jahrzehnten prägen.

60 Jahre ist es bei den Burgfunken her. Rechts an der Wand des Kolpingsaals laufen die Bilder von 1955 bis 2014 in Endlosschleife über den Beamer. Piraten, Orientalen, Funkenmariechen im Spagat. Prinzen mit und ohne Schnauzer, Prinzessinnen mit und ohne Föhnfrisur. Wie die Mode der Zeit eben war.

Und wie sieht 2015 aus? Die Jubiläums-Prinzenpaare tragen weder Schnauzer noch Föhnfrisur. Joshua I. und Anne I., weil sie als Kinderprinzenpaar zu jung dafür sind. Stefan I. und Vivien I., weil es wahrscheinlich nicht zu ihnen passt. Der alte Ritter von der Hutzeldörre, Bundestagsabgeordneter Reinhard Brandl, gibt den Posten weiter an Fred Biber, auf den einige Besucher schon gesetzt haben. „Weil er einfach immer mit dabei ist“, sagen die Leute. Und weil’s ein „sympathischer Mensch“ ist, sagen sie auch. Bibers Freunde stimmen „Fred vom Jupiter“ an, als die Garde den neuen Ritter zur Bühne führt. Brandl bedankt sich für den Posten. Das sei der erste in seinem Leben, von dem er „abdanken muss“. Er stellt seinen Nachfolger in der Laudatio vor: „Ich hab ihn gegoogelt – und nur Schrott gefunden“, sagt er über den Kfz-Sachverständigen Fred Biber.

Wenn der Ritterschlag der Höhepunkt ist, sind die Tanzgruppen die Seele des Krönungsballs. So, wie für den Engel Aloisius das Bier. Kleiner Hofstaat, großer Hofstaat, die Prinzenpaare, das Funkenmariechen Selina Bolleininger. Mit jedem Formationstanz, mit jeder Hebefigur zeigen die Burgfunken, dass sie selbst nach 60 Jahren nicht altersmüde sind, wie es nicht wenigen Faschingsvereinen in Bayern geht.

Die Jüngsten, die Piccolos, stapfen als Zwerge durch den Saal. Die Garde- und Showtänzer choreographieren den ewigen Tanz von „Feuer und Eis“ und von „Himmel und Hölle“ – Mottos des Abends. Sunshines, Marschgarde, der tanzende Elferrat: Sie alle zeigen, dass die Burgfunken für ihre Sache brennen. Die Mottos kommen beim Publikum an. Von der Arbeit der Trainer zeugt die tadellose Inszenierung. Die Hofmarschalle Nico Zitzelsberger und Michael Wittmann moderieren angenehm kurzweilig. Die vier Musketiere werden nach 30 Jahren Abwesenheit zurückbeordert. Die Stuttgarter Rössle bringen Schokolade zum Jubiläum ihres befreundeten Vereins. OB Bernhard Gmehling übergibt Prinz Stefan den Schlüssel der Stadt.

Alle zufrieden? „Ich hab nur Gutes über den Abend gehört“, sagt Präsident Harald Zitzelsberger am Tag danach. Keine Widersprüche, der Saisonstart läuft rund. Und Aloisius? Der sitzt weiter im Hofbräuhaus und erinnert im Neuburger Fasching daran, dass der Himmel manchmal näher ist, als man glaubt.

bei den Burgfunken geht im Januar weiter. Am 18. Januar feiern die Senioren ab 14.30 Uhr im Kolpinghaus. Am 24. Januar findet das Kindergardetreffen ab 14 Uhr in der Parkhalle statt. Ab 20 Uhr tanzen alle bei der „Hall of Music“. Am 25. Januar folgt das „Große Gardetreffen“ ab 14 Uhr in der Parkhalle. Die CD mit den Bildern aus 60 Jahren Burgfunken verkauft der Verein für zehn Euro bei Photo Porst (Weinstraße 121).

I Mehr Bilder vom Krönungsball gíbt es unter www.neuburger-rundschau.de.

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