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Birdland

20.05.2019

Zwischen federleicht und experimentell

Ließ die Töne nur so durch den Raum fliegen: Gitarrist Wawau Adler, hier mit Joel Locher am Bass im Birdland Jazzclub.
Bild: Elke Böcker

Wawau Adler und Marian Petrescu brachten den Jazzclub beinahe zum Kochen

Eintauchen, abtauchen, auftauchen, durchstarten, wegfliegen - mit Marian Petrescu und Wawau Adler wäre das am Freitagabend im Neuburger Birdland durchaus möglich gewesen – ganz ohne technische Fluggeräte. Unter dem vielversprechenden Titel „From Django to Oscar“ setzten die beiden Vollblutmusiker eine bemerkenswerte Markierung in der Interpretation einiger berühmter Vorgänger.

Unterstützt von einem empathischen Guido May am Schlagzeug und dem unverzichtbaren, fantasievollen Joel Locher am Bass – Adler spielt schon rund zwei Jahrzehnte mit ihm zusammen – brachten der Pianist Petrescu und der Gitarrist Adler den Club beinah zum Kochen. Sie ließen die Töne durch den Raum fliegen und katapultierten sich und ihre begeisterten Gäste von einer Idee in die nächste. Dabei adaptierten, interpretierten und zitierten sie Titel von Django Reinhardt, Herbie Hancock, Benny Golson oder Oscar Petersen. Marian Petrescu kokettierte und verzauberte gekonnt mit seiner klassischen Ausbildung und wurde dabei dem Andenken an den kanadischen Klaviergiganten Oscar Petersen vollauf gerecht.

Wawau Adler bereicherte den Gig auf den Spuren Django Reinhardts durch gleichermaßen tiefsinnigen wie vitalen Gipsy-Sound. Die beiden Ausnahmemusiker tauschten unmittelbar nachvollziehbar ihre musikalischen Geschichten und Ideen aus, ließen dabei sich und auch Guido May und Joel Locher genügend Raum für ganz persönliche Interpretationen und solistische Ausflüge.

So entstand eine dichte Atmosphäre voller pulsierender Intensität – irgendwo zwischen federleicht und experimentell. Bekannte Jazz-Standards wie der filigrane Django-Klassiker „Nuages“, Art Blakeys Hardbop-Zünder „Moanin“, der durch Sarah Vaughn bekannt gewordene Jazz-Standard „Tenderly“ oder Edvard Griegs schon von Django Reinhardt atemberaubend adaptierter „Dance Norvegian“ erhielten in der Neu-Interpretation der starken Formation eine ganz neue, moderne, zugleich stets traditionsverbundene Aussagekraft. Die vier Musiker, die gerade erst eine zweiwöchige Tour begonnen haben und sich dabei schon nach einer langjährigen Zusammenarbeit anhörten, hatten dabei mindestens soviel Spaß wie ihre restlos begeisterten Gäste.

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