Wie übergibt man einen Landkreis? Wie führt man den Amtsnachfolger im Rathaus ein? Das geschieht in der Region offensichtlich sehr unterschiedlich. Und lässt dann doch einige Rückschlüsse zu, mit welcher Haltung die Chefs in Rathäusern und Landratsamt aus dem Amt scheiden. In Neuburg etwa hat Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) per Dienstanordnung angewiesen, wie die Mitarbeiter seiner Verwaltung mit seinem Nachfolger Gerhard Schoder (Grüne) dienstliche Inhalte besprechen dürfen.
Zweimal sollen sich Gmehling und sein Nachfolger Schoder bisher zu einem Übergabegespräch getroffen haben. Dabei und auch bei den Gesprächen mit dem Vorzimmer und der Pressestelle ging es wohl vor allem um Organisatorisches wie Termine, IT-Themen und den Ablauf der konstituierenden Sitzung am 12. Mai. Interna zu Personalfragen, anstehenden Projekten, wichtigen Gesprächspartnern oder Bürgeranfragen sollen bisher nicht Thema gewesen sein.
Dienstanweisung im Neuburger Rathaus: Kontakt und Gespräche nur mit Erlaubnis von OB Gmehling
Die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern der Stadt und Schoder hat Gmehling am 13. April explizit in einer Dienstanweisung geregelt. Darin heißt es: „Alle dienstlichen Gespräche und Kontakte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt mit Herrn Stadtrat Gerhard Schoder finden nur nach vorheriger Zustimmung des Unterzeichneten (OB Gmehling) statt.“ Diese Anweisung habe er „aus gegebenem Anlass“ erteilt, sagt Gmehling auf Nachfrage dieser Zeitung. Was das war, wolle er nicht öffentlich kommunizieren. Dennoch sei er der klaren Auffassung, dass die Dienstgeschäfte bis 30. April ausschließlich über seinen Schreibtisch laufen. Vorab sei es nicht vorgesehen, dass der neue OB mehr Befugnisse habe, als ihm als Stadtrat zustehen. „Außer es geht über mich“, so Gmehling, der am 24. April offiziell mit Festakt im Kongregationssaal verabschiedet wird. Innenminister Joachim Herrmann hat sich angekündigt.
Übergabe im Landratsamt: Peter von der Grün plant eine Stunde Zeit für seinen Nachfolger ein
Auch im Landratsamt wird der neue Kreischef Thomas Mack wohl erst ab 1. Mai wirklichen Einblick bekommen. Zwar war er seit einer Wahl am 8. März sehr oft im Landratsamt. Dort tauschte er sich aber vor allem mit den Mitarbeitern im Vorzimmer, der Pressestelle und dem Kämmerer Norbert Hornauer aus. Mit dem noch amtierenden Landrat Peter von der Grün (FDP) hat er hingegen kaum gesprochen. Zwar gab es ein „Übergabegespräch“, doch dafür konnte von der Grün in dieser Woche lediglich eine Stunde einplanen. Ob sieben Jahre Amtszeit und anstehende Megathemen wie Kreiskrankenhaus, Finanzen, Personalfragen und mehr in 60 Minuten gepasst haben, ist aus dem vertraulichen Gespräch nicht zu erfahren.
Thomas Mack für sich hat es mit der Art der Übergabe in seiner eigenen Gemeinde anders gehalten. Er habe seinen Nachfolger Christian Volnhals nicht nur in seinem Rathaus und in den kommunalen Einrichtungen den Mitarbeitern vorgestellt. Auch bei noch angesetzten Terminen mit dem staatlichen Bauamt, dem Landratsamt oder mit Bürgern sei Volnhals größtenteils dabei gewesen. Er wolle Türöffner sein und es seinem Nachfolger leicht machen, schnell und gut informiert in die Geschäfte zu starten, beschreibt Mack sein Credo.
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