Im Vorfeld hatte es viel Wirbel gegeben um die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Ara-Hotel im Nordosten Ingolstadts. Die Bürgerinnen und Bürger, die in der Nähe wohnen, wollten die Asylbewerber in ihrer unmittelbaren Umgebung nicht haben. Insbesondere, als die Ingolstädter am Tag der offenen Tür, den die Regierung von Oberbayern im Mai vergangenen Jahres auf dem Grundstück veranstaltete, erfuhren, dass dort keine Familien, sondern ausschließlich Männer untergebracht werden sollten - und zwar solche, die besondere Voraussetzungen erfüllten: Männer, die aufgrund psychischer oder physischer Einschränkungen unbedingt ein Einzelzimmer benötigen, weil sie in einer klassischen Gemeinschaftsunterkunft nicht zurechtkommen. Daraufhin nahmen die Sorgen und Ängste in der Nachbarschaft noch zu. Was denken die Anwohner jetzt? Haben sich ihre Bedenken bestätigt?
„Man weiß nicht, was diese Männer alles erlebt haben“, äußerte eine Frau damals beim Tag der offenen Tür mit sorgenvollem Gesicht. Wie sie sagte, befürchte sie, dass nun „psychisch Kranke“ in die Unterkunft einziehen würden, die vielleicht gefährlich seien. Die Vertreter der Regierung von Oberbayern versuchten die Menschen zu beruhigen und versicherten, dass von den Asylbewerbern keine Gefahr ausgehen werde. Es handle sich lediglich um Geflüchtete, die zum Beispiel durch die Unterbringung in einer Massenunterkunft retraumatisiert werden könnten, die einen „besonderen Schutzbedarf“ haben und Ruhe brauchen. So ganz glauben wollten die Ingolstädter das nicht. Sie blieben skeptisch.
Die Flüchtlingsunterkunft im Ara-Hotel in Ingolstadt ist weniger ausgelastet als erwartet
Im Sommer kamen dann die ersten Männer im einstigen Hotel in der Schollstraße an. Die Regierung hatte von Anfang an gesagt, dass die Unterkunft nicht sofort komplett, sondern nach und nach belegt werde. Immer wenn Bedarf sei und ein Arzt die Notwendigkeit attestiert. Inzwischen leben dort laut der Regierung von Oberbayern 31 Männer. Circa 20 davon stammen aus der Ukraine, die übrigen kommen aus dem Iran, dem Jemen, der Russischen Föderation, Sierra Leone, Tansania, der Türkei und Uganda. Die Unterkunft bietet Platz für 112 Geflüchtete. Sie verfügt auf vier Stockwerken über 96 Einzelzimmer, zwei Zweibettzimmer, zwei Dreibettzimmer und ein Sechsbettzimmer. Es gibt Gemeinschaftsräume, eine Küche und einen Waschraum.
Wohnhäuser liegen nicht in unmittelbarer Nachbarschaft des ehemaligen Ara-Hotels. Direkt daneben, ist eine Spielothek, auf der anderen Seite ein leerstehendes Gebäude, dahinter ein Erotikmarkt und eine Autovermietung. Hört man sich bei den Menschen im 200 bis 300 Meter entfernten Wohngebiet um, sagen alle Befragten dasselbe: Man bekomme von den Geflüchteten überhaupt nichts mit. Manche fragen sich, ob überhaupt schon jemand eingezogen ist. Sie geben zu, ihre Bedenken haben sich bislang nicht bestätigt. Und in der Tat: Geht man am Grundstück vorbei, wirkt es fast verlassen. Einer der Anwohner meint, es sei ja schön, dass die Zahl der Asylbewerber zurückgehe, aber er frage sich, warum das Gebäude überhaupt angemietet worden sei - und gleich für 15 Jahre -, wenn nun so wenige Personen dort wohnten. Die Miete werde schließlich von Steuergeldern bezahlt.
So sieht es in der neuen Gemeinschaftsunterkunft in Ingolstadt aus
In der Flüchtlingsunterkunft im Ingolstädter Nordosten gibt es keine Störungen
Dass es um die Unterkunft ruhig geworden ist, bestätigt auch die Regierung von Oberbayern. Wie ein Sprecher mitteilt, verlaufe der Betrieb der Einrichtung störungsfrei. Beschwerden aus der Nachbarschaft liegen nicht vor. Und auch bei der Stadt Ingolstadt sind einer Sprecherin zufolge keine Beschwerden bekannt, ebensowenig bei der Vorsitzenden des Bezirksausschusses Nordost, die sich um die Belange der dort lebenden Bürger kümmert.
Der Mietvertrag über das Gebäude in der Schollstraße läuft bis 2040. Wie hoch die Miete genau ist, wollte die Regierung nicht angeben, nur, dass sie sich auf „orts- und marktüblichem Niveau“ bewege. Der Mietpreis in Ingolstadt variiert, beläuft sich aber für eine Wohnung im Schnitt auf 13 bis 14 Euro pro Quadratmeter. Warum das einstige Hotel so spärlich bewohnt ist, erklärt ein Regierungssprecher so: Im Gegensatz zu anderen Unterkünften sei das Objekt der Unterbringung von vulnerablen Personen vorbehalten. Deshalb sei es nicht Ziel, das Gebäude jederzeit möglichst voll zu belegen, sondern „den berechtigten Bedarfen besonders Schutzbedürftiger Rechnung zu tragen“. Insoweit hänge die Belegung auch von der Entwicklung des generellen Zugangsgeschehens ab. Diese sei für die Unterbringungsbehörden wenig kalkulierbar und aktuell gegenüber den Vorjahren deutlich rückläufig. Man strebe allerdings durchaus an, die Auslastung des Objekts in der Schollstraße weiter zu erhöhen.
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