Mit staunenden Augen, gespannter Stille und am Ende lautem Kinderlachen haben rund 600 Kindergarten und Schulkinder in diesen Tagen die Fadenspieler erlebt. Acht Vorstellungen in nur drei Tagen spielte das sechsköpfige Ensemble des Neuburger Marionettentheaters vor voll besetzten Reihen – eine körperliche wie auch stimmliche Höchstleistung für die ehrenamtlichen Puppenspieler.
Seit mittlerweile 15 Jahren gibt es die Schulspieltage der Fadenspieler – mit großem Erfolg
Seit gut 15 Jahren gibt es die beliebten Schulspieltage, und auch diesmal zeigte sich wieder, wie sehr sich dieses Format bewährt hat. Gespielt wurde die neu inszenierte Fassung von „Des Kaisers neue Kleider“. Zwischen Kosmetikaudienzen und dem Frönen der eigenen Schönheit dreht sich alles um einen Kaiser, der nur eines im Sinn hat: der prächtigste Herrscher der Welt zu sein. Und kauft sich kurzerhand, trotz knapper Kassen alle schönen Stoffe des Landes auf, sodass dem Kasperle, gespielt von Klemens Wesolowski, der seinem Gretel einen roten Kleiderstoff besorgen möchte, nur Rupfen- und Sackstoffe bleiben.
„Sapralot Kirschkompott!“ – das geht doch nicht. Da schmiedet Kasperle kurzerhand eine kluge List, um den eitlen Herrscher von seinem fanatischen Schönheitskult abzubringen. Aber, wird es dem Kasperle gelingen, den Kaiser mit der herrlichen Föhnfrisur wieder zur Besinnung zu rufen? Was zunächst verspielt und märchenhaft daherkommt, trifft plötzlich erstaunlich direkt ins Heute. Es geht um Eitelkeit, Schönheitswahn und darum, warum Menschen lieber schweigen, als offen die Wahrheit auszusprechen. Erst ein Kind spricht mutig aus, was alle längst sehen. Gerade diese Botschaft machte das Stück für viele der kleinen Zuschauer besonders greifbar.
Neuburger Fadenspieler schaffen wieder diese besondere Atmosphäre bei ihren Auftritten
Liebevoll gestaltete Kulissen, fein abgestimmte Musik und die detailreichen Marionetten sorgten für jene besondere Atmosphäre, für die die Fadenspieler seit Jahrzehnten bekannt sind. Die Rolle des Kaisers übernahm Edeltraud Schubert mit sichtbarer Spielfreude. Schubert, die das Stück adaptiert hat, ist auch Regisseurin des Stücks. Unterstützt wurde sie von Luise Ilchmann, Stilla Bauch, Hedwig Titze und Paul Keller. Für die Technik sorgte Ralph Pauli. Wer die Aufführungen verpasst hat, bekommt noch einmal Gelegenheit: „Des Kaisers neue Kleider“ wird am 13. und 14. Juni jeweils um 16 Uhr im Theater der Fadenspieler in der Amalienstraße 8 in der Neuburger Altstadt gezeigt. Wer jedoch nicht bis Juni warten möchte, hat bereits im Mai die Möglichkeit zum Besuch im selben Theater: „Die kleine Raupe“ ist am 16. und 17. Mai jeweils um 16 Uhr zu sehen.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren