Neuburg setzt auf Image-Film: Beamter Sedlak wird Kino-Star der Stadtverwaltung
Neuburg
Die Rolle seines Lebens: Wie es ein Neuburger Beamter auf die große Leinwand schafft
Seit fast 30 Jahren arbeitet Michael Sedlak in der Stadtverwaltung Neuburg. Jetzt spielt er in einem Kino-Spot eine tragende Rolle. Wie es dazu kam und was er mit der Figur gemeinsam hat.
Michael Sedlak spielt die Rolle seines Beamtenlebens: Gekonnt und schön muffig spielt er das Klischee des grantigen Beamten. Foto: Stadt Neuburg/ Barbara Wild
Streng gescheitelt ist sein Haar, Pollunder und Krawatte ist in erdigem Farbton gehalten, die Brille ist ein goldfarben gefasstes Modell aus den 80ern. Sein Arbeitsplatz ist die Registratur der Stadtverwaltung. Dort schlägt sein Herz im Takt der Schreibmaschine. Ab und an, wenn es die Aktenlage erfordert, lässt er den Stempel auf das Papier schlagen. Seine Miene verzieht er kaum. Lächeln? Dafür ist kein Spielraum. Nur die Nase, die rümpft er gekonnt – und hat damit die Lacher auf seiner Seite.
Neuburger Beamter verkörpert sein eigenes Klischee: Michael Sedlak zeigt Sinn für Humor
„Gestalter statt Verwalter“, so heißt der 1,33 Minuten lange Clip, der mit dieser Szene beginnt. Thema: Die Stadt Neuburg wirbt für sich als Arbeitgeber, zeigt die Bandbreite der Tätigkeitsfelder, wenn man „für die Stadt“ arbeitet. Die Schauspieler sind größtenteils keine Profis, sondern Angestellte aus dem Rathaus. Und so kam Michael Sedlalk, 46 Jahre, seit fast 30 Jahren Beamter aus Leidenschaft und Mitarbeiter im Personalwesen, zu einer Filmrolle.
Zugegeben, es sind nur zehn Sekunden, die er auf der großen Leinwand zu sehen ist. Doch es sind die wesentlichen Momente, in denen seine Darstellung die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich ziehen muss. Michael Sedlak verkörpert in diesem professionell gedrehten Image-Film das Klischee des Verwalters und zeigt Sinn für Humor. „Als ich gefragt wurde, ob ich mir diese Rolle vorstellen kann habe ich gesagt: Mei, das kann ich schon machen.“ Und er spielt die Rolle perfekt.
Zehn Sekunden war sein Auftritt - die Rolle seines Beamtenlebens
Für die Aufnahmen hat sich das Kamerateam in die Registratur der Stadt begeben. Der fiktive Arbeitsplatz wurde mit einer alten Schreibmaschine bestückt. Lampe, Bierkrug und Stempelkarussell wurden herbeiholt. Auch ein altes Röhrenradio bekam einen prominenten Platz. Alles, was das Klischee eines „verstaubten, immer grantigen Beamten“ noch szenisch untermauert, wurde zusammengesammelt. „Die Brille hatte keine Gläser, damit es nicht spiegel“, verrät Sedlak.
Michael Sedlak spielt im neuen Image-Film der Stadt Neuburg die Hauptrolle - und begeistert damit das Neuburger Kinopublikum. Foto: Barbara Wild
Im wahren Leben, trägt Michael Sedlak gerne Streifenpullis. Seine Haare frisiert er eben wie sie fallen. Die Brille ist ein moderneres Modell in Schwarz. Neben seinem Computer steht allerdings tatsächlich ein Stempelkarussell. „Gestempelt wird in der Verwaltung ja wirklich“, sagt er. Und lachen – das tut der Lichtenauer, der sein ganzes Arbeitsleben bei der Stadt Neuburg verbracht hat, eigentlich sehr viel. „Es war auch gar nicht so einfach, bei den Filmaufnahmen nicht zu lachen“, sagt er. Wer zu ihm ins helle, freundlich eingerichtete Büro kommt, der muss wahrlich nicht fürchten „abgestempelt“ zu werden. Er sei gerne Beamter, schätze den Bürgerkontakt. „Vor allem, gibt es in so einer Verwaltung für jeden Typ Mensch den richtigen Platz.“
Schauspielerei war ihm bisher fremd. Wie aufwändig das Filmset, die Aufnahmen und die Regie sein würden, war ihm nicht klar. Über eine Stunde habe es gedauert, bis die Aufnahmen im Kasten waren. „Das ist schon ein Riesenaufwand, vor allem, bis das Licht stimmt“, erzählt er.
Mit einem frechen Image Film will die Stadt Neuburg für sich als Arbeitgeber werben und spielt damit mit Klischees zum Thema "Beamter". Foto: Filmausschnitt
Eigentlich will er aus seiner „wohl ersten und einzigen Filmrolle“ keine große Sache machen. Doch stolz darauf ist er schon. Den Zeitungsartikel, der erschienen ist, als der Film im Oktober in die Kinos kam, hängt gerahmt an einer Seitenwand seines Büros. Und auch die Reaktionen aus seinem Umfeld waren durchweg positiv und viele haben ihn auf seinen Auftritt angesprochen. „Es kam gut an“, sagt er. „Jetzt wäre es schön, der Film erreicht sein Ziel: mehr Bewerbungen.“
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