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Neuburg
22.06.2022

Gietlhausen sieht rot: Kirschernte in Neuburg

Zur Kirschenernte hat sich Manuela Kreller (links) Tochter Julia, die Oma und Hund Jerry als Verstärkung geholt. Im Kirschendorf Gietlhausen wird jetzt fleißig gepflückt.
Foto: Winfried Rein

Die Früchte sind kleiner, aber wieder massenhaft gewachsen. Mehrere Familien halten die Tradition im Neuburger Kirschendorf hoch. Heuer kostet das Kilo 4,50 Euro.

Gietlhausen sieht rot – die Kirschernte ist angelaufen. In der Juni-Hitze ist das Pflücken kein Vergnügen, deshalb steigen die Fleißigen schon um sechs Uhr früh auf die Leiter. Die Kirschbauern erwarten eine mittlere Ernte.

Im Grün der Baumkronen leuchten die süßen Früchte von Weitem. Aber die Kirschen fallen heuer kleiner aus. „Es fehlt das Wasser“, weiß Jürgen Weingärtner. Die kurzen Gewitterregen im Mai seien bei Weitem nicht ausreichend gewesen, der kurze Schauer an diesem Mittwoch schon gar nicht. Die gesamte Landwirtschaft klagt über die anhaltende Trockenheit.

Das Kilo Gietlhausener Kirschen kostet heuer 4,50 Euro

2021 sind die Früchte im permanenten Wechselwetter aufgeplatzt, 2020 hat sie der Spätfrost dahingerafft. Heuer hat die Vegetation gepasst, aber die Niederschläge fehlen. „Macht nichts“, sagt Manuela Kreller, „dafür schmecken die Kirschen außerordentlich gut.“ Familie Kreller pflückt bereits fleißig, Oma und Opa aus Wolkertshofen sind zur Verstärkung angerückt.

Als Verkaufspreis hat man sich mit Nachbar Ernst Reng auf 4,50 Euro pro Kilo geeinigt. Der Stadtwerke-Techniker hat wieder drei Wochen „Kirschen-Urlaub“ genommen. Während der Ernte ist die Verkaufshütte an der Einfahrt nach Gietlhausen besetzt, auch Selbstpflücker können sich frische Kirschen holen. Dass sie heuer keine Rekordgröße erreichen, ist Ernst Reng fast egal: Er führt den Kirschgarten im Sinne der Vorfahren weiter und nimmt die Natur, wie sie ist.

Stammkunden kommen weiterhin gern in den Neuburger Stadtteil Gietlhausen. Ein Blick auf die schöne Landschaft und ein paar Kirschen mitnehmen – das hat schon was. Es laufen sogar wieder Bestellungen von fünf bis zehn Kilo Kirschen ein zum Einkochen von Marmelade. Daran beteiligt sich auch die junge Generation.

Beim Pflücken lässt die Motivation ein bisschen nach. Deshalb bleiben auch etliche Früchte in den Bäumen hängen, oder die aufwendige Pflege wird ganz aufgegeben. Für Luise Geller kommt das nicht infrage. „Seit meiner Grundschulzeit muss ich zum Pflücken ausrücken“, erzählt die 63-jährige Gietlhausenerin. Und sie führt die Tradition bis heute weiter.

Die Bäume hängen voll mit süßen Früchten. Die Kirschen fallen diesmal etwas kleiner als sonst aus.
Foto: Winfried Rein

Die dunkelroten und gelbfleischigen Kirschen sind in der Hitze rasch gereift, die großen Herzkirschen werden bald folgen. Stare und andere Vögel picken die schönsten Exemplare von den Baumspitzen. Die Plantagenbesitzer lassen sie gewähren, die Zeiten der Vogelvergrämung – etwa mit Karbidschlägen – sind vorbei.

Die Kirschen fallen in diesem Jahr kleiner aus als sonst

Anton Schäffler, Gartenbau-Fachberater in den 1950er- und 1960er-Jahren, hatte ein Faible für das Kirschendorf im Neuburger Norden. Unter seiner Anleitung vergrößerten die Bauern ihre Plantagen. Wenn sie im April erblühen oder im Winter Skilangläufer ihre Spuren durch die Gärten ziehen, dann zeigt sich der Ort wieder als „Perle unter den Stadtteilen“. Aber die Kirschbäume werden weniger.

Kirschen gepflückt wird jetzt in ganz Deutschland. In Anbaugebieten wie am Bodensee oder in der Fränkischen Schweiz spielt die Obsternte eine wichtige Rolle. Nach der eher schwachen Ernte von etwa 27.000 Tonnen Süßkirschen im Vorjahr setzen die deutschen Obstbauern heuer auf wesentlich bessere Erträge. Die meisten Kirschplantagen gibt es in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen.

Die süßen Sommerfrüchte sind gesund und helfen mit ihren Inhaltsstoffen angeblich gegen Entzündungen, Gicht, Bluthochdruck und freie Radikale.

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