Asylsituation im Landkreis: Zahl der Geflüchteten sinkt, Probleme bleiben
Neuburg-Schrobenhausen
Weniger Geflüchtete, aber neue Herausforderungen: So entwickelt sich die Asylsituation im Landkreis
Die Menge an Asylanträgen in Deutschland ist deutlich gesunken. Wie wirkt sich das auf die Anzahl Geflüchteter im Landkreis und in Neuburg aus? Gibt es auch Schattenseiten der Entwicklung?
In der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Neuburg leben laut Landratsamt derzeit 225 Menschen.Foto: Winfried Rein
Globale Krisen haben dazu geführt, dass die Anzahl an Asylanträgen in Deutschland lange Zeit stieg und stieg. Erst seit circa zwei Jahren sinken sie langsam wieder. Einem aktuellen Bericht der EU-Kommission zufolge sind die Anträge im ersten Quartal 2026 in der Bundesrepublik nun deutlich zurückgegangen – um etwa 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wie das Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen auf Nachfrage mitteilt, sei diese Entwicklung auch im Landkreis spürbar. Die Zuweisungen durch die Regierung seien weniger geworden. Derzeit sind 1968 Migranten im Landkreis untergebracht, Ende des Jahres 2024 waren es laut einer Statistik des Landratsamts noch rund 2500 Asylbewerber und ukrainische Kriegsflüchtlinge.
Die meisten von ihnen leben nach wie vor in Neuburg, derzeit ungefähr 1000. 225 davon sind in der Gemeinschaftsunterkunft in der Nördlichen Grünauer Straße untergebracht, 250 Menschen hätten dort Platz. Der größte Teil, rund 600, sind Ukrainer, die in privaten Wohnungen untergekommen sind. Hinter Neuburg folgt Schrobenhausen. Dort leben knapp 400 Geflüchtete. Unter den kleineren Gemeinden ist Königsmoos mit 90 Geflüchteten Spitzenreiter. Der Anteil der untergebrachten Geflüchteten im Verhältnis zur Zahl der Einwohner in den Gemeinden liegt aktuell jeweils meist bei unter einem Prozent. Spitzen bilden Neuburg mit 3,6 Prozent und Schrobenhausen mit 2,2 Prozent. Der Anteil auf den gesamten Landkreis Neuburg-Schrobenhausen gesehen liegt bei knapp zwei Prozent.
Verteilung untergebrachter Asylsuchender im Kreis:
Aresing: 11
Berg im Gau: 22
Bergheim: 19
Brunnen: 18
Burgheim: 70
Ehekirchen: 38
Gachenbach: 17
Karlshuld: 52
Karlskron: 33
Königsmoos: 90
Langenmosen: 0
Neuburg: 1078
Oberhausen: 27
Rennertshofen: 36
Rohrenfels: 9
Schrobenhausen: 399
Waidhofen: 22
Weichering: 11
Unbegleitete minderjährige Ausländer: 16
Insgesamt: 1968
Geflüchtete im Landkreis Neuburg: Die angemieteten Unterkünfte sind weniger geworden
Trotz dieser Entwicklung sieht das Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen weiterhin mehrere Probleme: Dass die Asylanträge weniger werden, bedeute vor allem, dass der Zugang geringer werde: 2025 kamen zwei Busse mit Geflüchteten an, 2026 noch gar keiner. Die in den Jahren zuvor eingereisten Menschen seien allerdings zu einem überwältigenden Teil immer noch da, so die Auskunft des Landratsamts. Selbst anerkannte Asylsuchende würden weiterhin in den staatlichen Unterkünften wohnen, obwohl sie ausziehen dürften – schlicht, weil sie auf dem Mietmarkt erfolglos seien. Außerdem seien viele – insbesondere Familien mit mehreren Kindern – weiterhin auf Jobcenterleistungen angewiesen, das Erlernen der deutschen Sprache falle ihnen schwer.
In manchen Gemeinden klappt es aber auch, dass die Migranten Wohnungen auf dem Mietmarkt finden. In Karlskron und Rohrenfels konnten laut Statistik des Landratsamts zum Beispiel alle anerkannten Asylsuchende eine Wohnung finden.
Anerkannte Migranten im Landkreis seit 2015:
Aresing: 30 (in gemieteten Wohnungen: 25)
Berg im Gau: 23 (in gemieteten Wohnungen: 0)
Bergheim: 31 (in gemieteten Wohnungen: 26)
Brunnen: 13 (in gemieteten Wohnungen: 0)
Burgheim: 85 (in gemieteten Wohnungen: 54)
Ehekirchen: 36 (in gemieteten Wohnungen: 22)
Gachenbach: 3 (in gemieteten Wohnungen: 3)
Karlshuld: 61 (in gemieteten Wohnungen: 35)
Karlskron: 41 (in gemieteten Wohnungen: 41)
Königsmoos: 76 (in gemieteten Wohnungen: 28)
Langenmosen: 13 (in gemieteten Wohnungen: 13)
Neuburg: 1441 (in gemieteten Wohnungen: 1230)
Oberhausen: 57 (in gemieteten Wohnungen: 51)
Rennertshofen: 72 (in gemieteten Wohnungen: 53)
Rohrenfels: 16 (in gemieteten Wohnungen: 16)
Schrobenhausen: 513 (in gemieteten Wohnungen: 326)
Waidhofen: 15 (in gemieteten Wohnungen: 15)
Weichering: 24 (in gemieteten Wohnungen: 16)
Insgesamt: 2550 (in gemieteten Wohnungen: 1954)
Die Hauptherkunftsländer anerkannter Geflüchteter sind Ukraine, Afghanistan und Syrien.
Der Neuburger Verein Asylsuchende sind Mitbürger sieht die Entwicklung skeptisch
Während die sinkenden Asylantragszahlen und die steigende Zahl an Abschiebungen viele für positiv halten, kennen andere auch die Schattenseiten dieser Politik. Eine von ihnen ist Bettina Häring, Stadträtin in Neuburg und Vorsitzende des Vereins Asylsuchende sind Mitbürger. Der Verein besteht seit 2013 und engagiert sich seitdem in der Unterstützung von Geflüchteten in Neuburg. Aktuell gibt es 80 Mitglieder, aber nur sieben oder acht seien wirklich aktiv. Das Engagement des Vereins und auch der Bedarf an Hilfe unter den Geflüchteten vor Ort sei trotz sinkender Zahlen nicht weniger geworden, sagt die Vorsitzende. „Wir freuen uns über jeden, der mitmachen will.“ Der Verein unterstütze vor allem Familien, die schon länger in Neuburg leben und Menschen, die in der Gemeinschaftsunterkunft wohnen.
Diese Tüten - 100 Stück - hat der Verein Asylsuchende sind Mitbürger zu Ostern gepackt.Foto: Bettina Häring
Häring sieht die Maßnahmen der Regierung und das zunehmende „Flüchtlings-Bashing“ in der Gesellschaft, wie sie es nennt, kritisch, findet die Entwicklung „fürchterlich“. „Ich habe tolle Menschen mit schlimmen Schicksalen kennengelernt“, erzählt die Neuburgerin von ihren Erfahrungen aus dem Verein. Doch „wer abgeschoben wird, ist plötzlich nicht mehr da“, sagt sie.
Man könne sich nicht einmal verabschieden. Dabei seien mit einigen Freundschaften geknüpft worden. „Das ist dann recht schlimm.“ Dass Integrationskurse gekürzt werden sollen, findet Häring fatal. „Die sind so wichtig!“ Ihr Verein werde sich aber nicht von seinem Engagement abhalten lassen, auch wenn immer öfter Gegenwind zu spüren sei, im Sinne von „Die Flüchtlinge brauchen doch nichts“. Im Gegenteil, Häring scheint unermüdlich: „Je größer die Vorurteile, desto mehr sind wir bemüht, dagegen anzukämpfen.“
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