Die Exportwirtschaft spielt in Oberbayern weiter eine enorm wichtige Rolle - und dabei besonders in Ingolstadt. 18 Prozent der oberbayerischen Bruttowertschöpfung hängen direkt oder indirekt von Warenexporten ab, teilt die IHK für München und Oberbayern mit. Damit hängen in Oberbayern 524.000 Arbeitsplätze sowie Steuereinnahmen in Höhe von 6,6 Milliarden Euro an der Exportwirtschaft, heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Prognos-Studie im Auftrag des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK).
Keine Stadt in Bayern ist so stark vom Export abhängig wie Ingolstadt
Die Studie ermittelt erstmals die direkte und indirekte volkswirtschaftliche Relevanz des Warenexports bis auf Landkreisebene: Mit 47 Prozent regionaler Exportwertschöpfung steht die Stadt Ingolstadt sowohl in Oberbayern als auch in ganz Bayern an erster Stelle. Die starke Dominanz des Kraftwagenbaus sowie umfangreiche Vorleistungen aus anderen Branchen der Region führen dazu, dass im Jahr 2024 rund 60.000 Beschätigte in Bereichen tätig waren, die stark auf den Export ausgerichtet sind.
Erst mit größerem Abstand zu Ingolstadt folgen der Kreis Altötting (26 Prozent) sowie die Landkreise Traunstein und Weilheim-Schongau (jeweils 22 Prozent). Am unteren Ende der Skala liegt der Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit einer Exportrelevanz von lediglich sieben Prozent. Hier waren 2024 nur rund 3000 Beschäftigte in exportbezogenen Tätigkeiten tätig.
Stark industrialisierte Standorte wie Ingolstadt sind intensiv in hochspezialisierte internationale Wertschöpfungsketten eingebunden. Zugleich sind sie einem überdurchschnittlichen Anpassungsdruck ausgesetzt. Dies gilt vor allem für automobilgeprägte Regionen, in denen die Umstellung auf elektrische Antriebe, softwarebasierte Fahrzeugarchitekturen und neue Fertigungstechnologien zentrale Anforderungen darstellen, heißt es in der Studie. Auch in den elektronik- und elektrotechniknahen Teilbranchen kommt der Fähigkeit zur schnellen technologischen Erneuerung - etwa im Bereich Leistungselektronik oder digital vernetzter Produktionsprozesse - eine Schlüsselrolle zu. „Die Zukunftsaussichten dieser Zentren sind solide bis gut, allerdings unmittelbar an das Gelingen der industriellen Transformation geknüpft“, schreiben die Wissenschaftler.
Kraftfahrzeugbau ist die wichtigste bayerische Exportbranche
Für die Analyse betrachtet die Prognos-Studie nicht nur die Wertschöpfung durch industrielle Fertigung und Zulieferer, sondern auch Dienstleistungen wie Softwareentwicklung, Engineering, Logistik und Forschung.
Die wichtigsten oberbayerischen Exportbranchen bleiben der Kraftfahrzeugbau, gefolgt von Maschinenbau, Elektronik und Chemieindustrie. Allerdings verlieren die Auto- und Chemiesparte zuletzt relativ an Bedeutung, während Maschinenbau und Elektronik stärker zulegen, heißt es in einer Mitteilung der IHK.
„Die Ergebnisse zeigen sehr klar, wie stark Oberbayern vom Export profitiert. Gleichzeitig gilt: Wo Regionen besonders exportabhängig sind, sind sie auch besonders verwundbar. Das gilt aktuell augenfällig für die von der Autoindustrie geprägten Wirtschaftsräume“, betont Manfred Gößl, Hauptgschäftsführer der IHL für München und Oberbayern. Er fordert: „Die Unternehmen brauchen bessere Standortbedingungen, um dauerhaft im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Dafür müssen Bürokratie- und Produktionskosten sinken. Zugleich müssen sich die Rahmenbedingungen für Bildung, Forschung und Forschungstransfer, Wachstumsfinanzierung und Genehmigungstempo an den besten Regionen der Welt ausrichten.“ (AZ)
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