Ein Projekt in seiner Amtszeit als Weicheringer Bürgermeister bleibt untrennbar mit dem Namen Thomas Mack verbunden, und nach Ansicht von Beobachtern hat es ihm auch ganz maßgeblich geholfen, die Türe zum Landratsamt zu öffnen: das DHL-Paketzentrum. Ein gewaltiges Bauvorhaben, das die Gemüter seit nunmehr fünf Jahren bewegt, obwohl derzeit ein wenig Ruhe eingekehrt ist. Nach einer Reihe von Klagen von Naturschützern stehen die Signale seit einiger Zeit auf Grün, das 155.000 Quadratmeter große Gelände auf dem geplanten Firmengelände ist inzwischen kampfmittelfrei und wartet auf den nächsten Erschließungsschritt.
Das mit Abstand größte Infrastrukturprojekt der vergangenen Jahrzehnte
Nun wurde erstmals eine voraussichtliche Gesamtsumme bekannt, mit der die Deutsche Post DHL Group für das 39. Zentrum dieser in Deutschland – das achte in Bayern – rechnet: Die Rede ist von schier unglaublichen 240 Millionen Euro. Damit ist das DHL-Paketzentrum vor den Toren Weicherings das mit Abstand größte Infrastrukturprojekt des Landkreises in den vergangenen Jahrzehnten. Dabei sollen – Stand heute – rund 400 neue Voll- und Teilzeitarbeitsplätze entstehen, die dann im Drei-Schichten-Betrieb tätig sein werden.
Mack und sein Nachfolger im Bürgermeisteramt, Christian Volnhals (CSU), haben diese Zahl jetzt im Gespräch mit unserer Zeitung bekanntgegeben. Die DHL wollte sich noch nicht konkret auf eine Bausumme festlegen lassen, taxiert das Volumen laut Sonja Radojicic, der Leiterin Regionale Kommunikation Süd der DHL Group auf Nachfrage auf „einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“. Mack sieht damit noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht: „Angesichts der unsicheren Lage der Wirtschaft muss man kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass es wahrscheinlich dabei nicht bleiben wird.“ Denn bis die ersten Pakete durch das Verteilsystem auf dem zwischen zwei Waldstücken gelegenen Areal laufen, das vom östlichsten Neuburger Stadtteil Maxweiler und der Muna-Siedlung vor Weichering reicht, wird es mindestens noch bis ins Jahr 2031 dauern.
Die Kampfmittelräumung dauert noch an
Dass die Kampfmittelräumung immer noch andauert, liegt nach Ansicht des Landrates vor allem an der Nähe zur Muna. Die ehemalige Munitionsanstalt diente im Zweiten Weltkrieg als Anlage zur Lagerung und Produktion von Munition, war deshalb häufig Ziel von Bombardierungen und wurde schließlich gesprengt. „Der Aufwand für diese Aktion ist wirklich immens“, weiß der nach wie vor in Weichering wohnhafte Kreischef. Augenblicklich suchen die Sprengstoffspezialisten auf der Südseite der Bundesstraße 16 die geplante Aufforstungsfläche, die für das noch zu fällende Waldstück entstehen soll, nach im Boden schlummernden Geheimnissen ab. Im Norden habe man trotz intensiver Grabungen zwei Granaten, Fragmente einer allerdings nicht mehr scharfen Bombe, eine Handvoll Patronen sowie Splitter gefunden – „nix Besonderes“, wie Mack rekapituliert. Bei der obligatorischen archäologischen Befundung kamen Pfähle zum Vorschein, die auf eine frühe Wohnsiedlung und einen Getreidesilo hindeuteten.
Täglich werden am Paketzentrum 700 bis 800 Lkw erwartet
Im kommenden Jahr plant die DHL, die Kreisstraße ND 18 mit ihrer Anbindung zur Bundesstraße etwa um 40 Meter Richtung Süden zu verlegen, die Einfädelspuren zu erweitern und die Radien zu vergrößern, damit die rund 700 bis 800 täglich erwarteten Lkw problemlos an- und abfahren können. „Dabei wird aber keine neue Einfahrt entstehen“, bekräftigt Thomas Mack. Was allerdings unbedingt gebaut werden soll, ist ein Radweg südlich des Bahngleises zwischen Maxweiler und Weichering. Bei der damit einhergehenden Verlegung des Donauradwanderweges bilden vor allem die Bahnübergänge, deren Schranken zum Teil nicht mehr funktionieren, sowie die Alleebäume, für die der Wittelsbacher Ausgleichsfonds verantwortlich zeichnet, Hürden, die es noch zu überwinden gilt. „Die DHL hat zugesichert, das zu übernehmen“, erklärt der CSU-Politiker, und schlüpft gleich in seine neue Rolle als Landrat, wenn er schlussfolgert: „Hinsichtlich der Kosten wäre das natürlich eine Win-Win-Situation für den Landkreis und die Gemeinde.
Letztere hofft natürlich auch auf ein sattes Plus bei den Gewerbesteuereinnahmen, die bislang bei rund 500.000 Euro liegen. Derzeit befindet sich der Staatskonzern in intensiven Verhandlungen mit dem Wasserzweckverband Arnbachgruppe, dem auch Weichering angehört, ob der gewaltige Komplex an die neue gemeindliche Kläranlage angeschlossen wird, die mit sechs Millionen Euro veranschlagt ist. Eine Entscheidung darüber soll in spätestens zwei Monaten fallen. Die Verhandlungen darüber wird der neue Bürgermeister Volnhals führen, unterstützt von den von der Gemeinde beauftragten Anwälten. „Und sollte es tatsächlich mal klemmen, dann komme ich einfach dazu, damit es keine unnötigen Verzögerungen gibt“, verspricht Thomas Mack.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren