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Fußball

28.07.2020

Alexander Egen: „Ich bin heiß auf diese neue Aufgabe“

Vom Co- zum Cheftrainer: Am Montag startete Alexander Egen mit seinen Schützlingen vom VfR Neuburg in die Vorbereitung auf die Rest-Saison. Wann diese tatsächlich starten wird, steht derzeit allerdings noch in den Sternen.
Bild: Roland Geier

Exklusiv Der neue Cheftrainer des Landesligisten VfR Neuburg, Alexander Egen, spricht über seine künftige Aufgabe sowie den aktuellen Kader, indem zwei hoffnungsvolle Talente stehen. Testspiele bleiben zunächst bis 16. August ausgesetzt.

Am Montag ist Fußball-Landesligist VfR Neuburg mit seinem neuen Cheftrainer Alexander Egen in die Vorbereitung auf die Wiederaufnahme der Saison 2019/2021 gestartet. Bereits am Samstag hätte eigentlich der erste Härtetest gegen den Regionalligisten VfB Eichstätt für die Lilaweißen auf dem Programm gestanden. Doch daraus wird nun nichts. Die Bayerische Staatskanzlei verlängerte am Dienstag die Corona-Infektionsschutzverordnung zunächst bis 16. August. Damit ist auch die erhoffte Testspiel-Freigabe im Amateurfußball-Bereich zunächst vom Tisch. Auch der angedachte Pflichtspiel-Start Anfang September wackelt damit bedenklich. Die Neuburger Rundschau hat sich mit Alexander Egen unterhalten.

Herr Egen, Testspiele sind auch weiterhin bis mindestens 16. August nicht möglich. Welche Auswirkung hat dies auf Ihre Vorbereitung mit dem VfR Neuburg?

Egen: Das ist eine sehr gute Frage. Nachdem zuletzt doch vieles darauf hingedeutet hatte, dass wir ab dem kommenden Wochenende wieder Vorbereitungspartien austragen dürfen, hat mich diese Entscheidung seitens der Staatsregierung ehrlicherweise schon etwas überrumpelt. Da es ja auch von Verbandsseite hieß, dass man den Vereinen vor dem Punktspiel-Auftakt eine Vorbereitungszeit von mindestens vier Wochen einräumen wird, ist es für mich schwer vorstellbar, dass das Ganze wie geplant startet. Aufgrund der neuen Situation werden wir uns zeitnah in unserem Trainer-Team besprechen, wie wir weiter vorgehen werden. Denn sollte der Auftakt tatsächlich nach hinten verschoben werden, macht es wohl wenig Sinn, weiterhin dreimal pro Woche das Trainingsprogramm weiter durchzuziehen. Zudem ist es natürlich sehr schade, dass damit auch unsere geplanten Testspiele gegen die beiden Regionalligisten VfB Eichstätt (Samstag) und FC Augsburg II (Mittwoch) ins Wasser fallen.

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Die erste Trainingseinheit stand am Montag auf dem Programm. Mit welchen Gefühlen sind Sie in die Vorbereitung gestartet?

Egen: Abgesehen von der Corona-Pandemie, gab es bei mir persönlich schon eine große Vorfreude. Wenn man so will, dann ist es aufgrund der langen Pause fast schon eine Vorbereitung auf eine neue Saison. Grundsätzlich hätte ich ja im Sommer 2020 ohnehin als Cheftrainer angefangen. Aufgrund der ganzen Corona-Thematik ist das jetzt eben etwas anders zustande gekommen. Das Wichtigste für mich ist: Wir dürfen endlich wieder Fußball spielen, was eine lange Zeit nicht möglich war. Speziell auf Corona bezogen: Auch wen ich jetzt keine großen Bedenken habe, achten wir natürlich schon auf gewisse Dinge wie beispielsweise das Aufteilen der Spieler auf mehrere Kabinen.

Sie haben es bereits angesprochen: Sie starten erstmals in Ihrer Karriere als Cheftrainer in eine Vorbereitung. Ist das für Sie etwas Besonderes?

Egen: Ja, absolut! Bislang habe ich das ja in den vergangenen Jahren immer mal wieder wochenweise praktiziert. Dabei habe ich gemerkt, dass es genau das ist, was ich einmal unbedingt machen möchte – eben als verantwortlicher Trainer zu arbeiten. Ein großer Vorteil ist sicherlich, dass sich Coach und Mannschaft bereits in- und auswendig kennen. Lediglich meine Position hat sich nun verändert. Ich werde natürlich versuchen, meine Ideen, Vorstellungen und auch die Philosophie, die wir im Trainerteam mit meinen Assistenten Matthias Riedelsheimer und Sebastian Habermeyer haben, auf die Mannschaft bestmöglich zu übertragen. Ich freue mich jedenfalls riesig auf diese Aufgabe und bin richtiggehend heiß darauf – und ich denke, das Team ist es genauso.

Als der Verein Ende Januar offiziell bekannt gab, dass der Vertrag des mittlerweile ehemaligen Cheftrainers Christian Krzyzanowski nicht mehr verlängert wird und Sie dessen Nachfolge zur neuen Saison antreten, schlugen die Wellen in der öffentlichen Diskussionen doch ziemlich in die Höhe. Waren Sie davon überrascht?

Egen: Ich war mir damals natürlich schon bewusst, dass diese Entscheidung – wenn sie so kommen sollte – für Diskussionsstoff sorgen wird. Dass es am Ende derart hohe Wellen schlagen würde, hat mich dann aber in zahlreichen Kommentaren oder Äußerungen schon etwas überrascht. Wenn man jetzt einmal die bloßen Fakten betrachtet: Dass ein Verein nach fünf erfolgreichen Jahren zu der Erkenntnis kommt, etwas Neues machen zu wollen, dann ist das in meinen Augen durchaus legitim beziehungsweise auch schon in anderen Klubs vorgekommen. Klar war es eine sehr erfolgreiche Zeit – und der VfR würde ohne Christian nicht dastehen, wo er heute ist. Diesbezüglich gebührt ihm auch ein ganz großer Respekt. Dass das Ganze dann nicht völlig geräuschlos über die Bühne geht, damit war durchaus zu rechnen.

Einer der Haupt-Diskussionspunkte war die Konstellation Egen/Egen. Sprich: Vater Roland ist Abteilungsleiter, sein Sohn Alexander nun der neue Cheftrainer. Können Sie diese „öffentlichen Bedenken“ in gewisser Weise nachvollziehen?

Egen: Klar, für Außenstehende mag das durchaus so wirken, dass der Vater seinen Sohn unbedingt auf diese Position hieven wollte. Persönlich habe ich darauf jedoch einen ganz anderen Blickwinkel. Mein Vater war in der Vergangenheit schon immer mein härtester Kritiker. Daher weiß ich auch: Er war nie ein großer Fürsprecher davon, dass ich als Cheftrainer beim VfR Neuburg arbeite, wenn er gleichzeitig als Abteilungsleiter tätig ist. Seine Argumentation war ja immer, dass er dort aufhört, sobald ich Headcoach werde. Dass Ganze hat sich dann dahingehend verändert, dass zu diesem Zeitpunkt kein geeigneter Nachfolger zur Verfügung stand beziehungsweise der eine oder andere Verantwortliche den Klub verlassen hat. Letztlich wurde diese Entscheidung ja ohnehin nicht von ihm, sondern von einem Gremium, getroffen. Bei der Abstimmung haben sich sowohl mein Vater als auch Onkel (Walter Egen fungiert als 2. Vorsitzender, Anm. d. Red.) entsprechend rausgehalten. Ich kann nur nochmals betonen, dass unser Verhältnis auf konstruktiver Kritik basiert. Wir werden daher mit Sicherheit auch in der Lage sein, die Situation immer mit klarem Blick zu diskutieren.

Nach Ihrer Rückkehr zum VfR Neuburg in der Winterpause der Saison 2014/2015 vom TSV Rain hatten Sie in den darauffolgenden Jahren mehrfach die Möglichkeit, einen anderen Verein als Cheftrainer zu übernehmen. Warum haben Sie diese Gelegenheiten ausgeschlagen und sind stattdessen den Lilaweißen treu geblieben?

Egen: Ich war in der Tat in den vergangenen Jahren mehrfach unmittelbar davor, eines dieser Angebote anzunehmen. Was letztlich immer dagegen stand: Einen Verein mit den Ambitionen, die der VfR bereits seinerzeit hatte, in der Region zu finden, ist sicherlich nicht einfach. Und ich war schon immer jemand, der zum einen erfolgreich sein, aber gleichzeitig auch auf einem gewissen Niveau arbeiten möchte. Und genau das habe ich beim VfR Neuburg, der ja zudem auch mein Heimatverein ist, immer gesehen. Am Ende hat dann stets auch mein Herz ein Stück weit mitentschieden.

Sie treten Ihren ersten Cheftrainer-Posten gleich in der Landesliga an. Wäre es möglicherweise nicht besser gewesen, zuerst in einer „unteren“ Klasse Erfahrungen zu sammeln?

Egen: Diese Sichtweise kann ich durchaus nachvollziehen. Stimmen wie „Geh doch mal weg vom VfR. Du kannst ja danach wieder zurückkommen“ gab es auch immer wieder. Auf der anderen Seite denke ich aber schon, dass ich durch meine höherklassigen Erfahrungen – sei es als Spieler oder auch zuletzt als Co-Trainer – danach streben kann und darf, einen möglichst hochklassigen Verein zu trainieren. Mir ist freilich schon bewusst, dass – auch aufgrund der Begleitumstände – in diesen Ligen noch mehr Druck als sonst herrscht und das Ganze auch schiefgehen kann. Aber diese Gefahr besteht ja letztlich auch in der A- oder Kreisklasse. Im Grunde ist es wie bei einem Beruf, den man neu ergreift: Da zeigt sich auch erst im Nachhinein, ob die Entscheidung richtig war.

Zusammen mit Ihrem Trainerteam wollen Sie Ihre Philosophie auf die Mannschaft übertragen. Wie soll diese genau aussehen?

Egen: Die Grundphilosophie ist eigentlich recht einfach zu beschreiben: Ich möchte offensiven und attraktiven Fußball spielen lassen. Wir wollen – schon auch mit einem gewissen Risiko – mutig und aggressiv nach vorne verteidigen. So etwas kann sicher auch einmal nach hinten losgehen. Aber im Endeffekt sollte sich der Gegner immer nach uns richten – und wir nicht nach ihm!

An Ihrer Seite werden künftig Matthias Riedelsheimer und Sebastian Habermeyer als spielende Co-Trainer fungieren. Warum ist Ihre Wahl auf dieses Duo gefallen?

Egen: Nun, es ist ja kein Geheimnis, dass ich kurz davor stand, zur neuen Saison den TSV Burgheim als Trainer zu übernehmen. In diesem Fall hätte mich „Matze“ (Matthias Riedelsheimer) als Assistent begleitet. Als sich die Situation dann geändert hat, war es naheliegend, dass er diesen Posten nun beim VfR übernimmt. Nach einem kurzen Gespräch haben wir uns entschlossen, auch unseren Kapitän Sebastian Habermeyer, der innerhalb des Teams ein hohes Ansehen genießt, dazuzunehmen. Nachdem wir fußballerisch ohnehin auf einer Wellenlänge beziehungsweise auch in der Lage sind, uns immer offen und ehrlich die Meinung zu sagen, bin ich mit dieser Konstellation absolut zufrieden und glücklich. Es bietet uns als Trainerteam wesentlich mehr Handlungsspielraum.

Lassen Sie uns noch einen Blick auf den Kader werfen. Mit Michael Denz (TSV Wasserburg), Dominik Schröder (FC Ingolstadt II), Ralf Schröder und Abdel Abou-Khalil (beide TSV Rain) haben vier Leistungsträger den Verein mittlerweile verlassen. Wie schwer wiegen diese Abgänge?

Egen: Die wiegen natürlich schon schwer. Gleichzeitig haben wir jedoch mit Marcel Mehl (eigener Nachwuchs) und Nico von Swiontek-Brzezinski (U19/ASV Neumarkt) zwei Jugendspieler dazubekommen, sie sehr hoffnungsvolle Talente sind. Dazu kommt Ray Bishop von der TSG Untermaxfeld zurück, womit wir im Kader momentan eine Position kleiner besetzt sind – was in meinen Augen absolut im Rahmen ist. Unsere Aufgabe wird es sein, diese Abgänge im Kollektiv so gut wie möglich aufzufangen. Diesbezüglich wird es auch für den einen oder anderen Spieler eine Chance sein, aus dem Schatten herauszutreten, sich entsprechend zu zeigen und die nächsten Schritte zu machen. Ich habe jedenfalls vollstes Vertrauen in alle Jungs.

Der bislang prominenteste Neuzugang ist Rückkehrer Ray Bishop. Was erwarten Sie speziell von ihm?

Egen: Nun, was seinen Fitness-Zustand betrifft: Während seiner ersten Zeit beim VfR war er wahrscheinlich noch nie so fit wie jetzt. Was ich von ihm erwarte? Eigentlich gar nicht so viel. Ich möchte ganz einfach, dass er Fußball spielt, sich voll reinhaut und dabei das macht, was er kann. Ray hat unfassbare Fähigkeiten. Wenn er diese tatsächlich einmal ausschöpft, zählt er für mich zweifelsohne zu den besten fünf Landesliga-Kickern. Ich selbst habe jedenfalls noch nie mit jemand zusammengespielt, der eine derartige Dynamik und einen Trick-Reichtum im Eins-gegen-Eins wie er hat. Das ist schon faszinierend.

Wird der Kader demnach in dieser Zusammenstellung bleiben oder blickt man sich doch noch nach der einen oder anderen Verstärkung um?

Egen: In dieser Woche kommt noch der eine oder andere Testspieler ins Training, um sich dort zu präsentieren. Es kann beispielsweise sein, dass sich auf der Torhüter-Position noch etwas tut, da Maxi Oswald beruflich in München tätig ist. Da muss man mal schauen, wie sich das entwickelt. Ansonsten halten wir weiterhin die Augen und Ohren offen. Letztlich muss es ja immer spielerisch, menschlich und auch finanziell passen.

Die Tabelle der Landesliga Südwest weist den VfR Neuburg auf Platz zwei aus. Mit welcher Zielsetzung nehmen Sie die (mögliche) Saison-Fortsetzung in Angriff?

Egen: Das ist ein schwieriges Thema. Von außen wurde immer viel in Sachen Bayernliga-Aufstieg geredet. Grundsätzlich gibt der Verein nicht das Ziel Bayernliga aus. Es wurde immer offen kommuniziert, dass wir uns gegenüber der Vorsaison, als Rang vier herausgesprungen ist, nicht verschlechtern wollen. Sollte am Ende tatsächlich der Bayernliga-Aufstieg, würden wir diesen logischerweise mitnehmen – aber es ist kein Muss! Auch wenn es abgedroschen klingt: Wir werden von Spiel zu Spiel schauen und dann sehen, was unter dem Strich herauskommt. Etwas anderes bleibt uns ja auch gar nicht übrig. In diesen unsicheren Corona-Zeiten weiß man nicht, ob überhaupt bis zum Saisonende gespielt werden kann oder das Ganze beispielsweise schon nach drei Partien komplett abgebrochen wird. Von dem her tun wir gut daran, gar nicht erst zu weit in die Zukunft zu blicken.

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