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Fußball

15.02.2021

Alexander Käs: „Ich habe diese Entscheidung ganz bewusst getroffen“

Verbringt aufgrund des momentanen Lockdowns die meiste Zeit am Schreibtisch beziehungsweise Laptop: Alexander Käs, DFB-Stützpunktkoordinator für Westbayern.
Bild: Dirk Sing

Plus Seit 15. August ist Alexander Käs als hauptberuflicher DFB-Stützpunktkoordinator für Westbayern tätig. Nach der anfänglichen Doppelbelastung mit dem Trainer-Job beim TSV Rain kann sich der 28-Jährige nun voll auf seine neue Aufgabe konzentrieren.

Seit dem 15. August 2020 hat sich das (sportliche) Leben von Alexander Käs ziemlich verändert. An diesem Tag trat der 28-Jährige seine Stelle als hauptberuflicher DFB-Stützpunktkoordinator für Westbayern an. Nachdem Käs zunächst noch bis Ende Oktober in einer „Doppelfunktion“ tätig war (bis dahin übte er noch seine Trainer-Tätigkeit beim Regionalligisten TSV Rain aus), kann sich der Burgheimer nun voll und ganz auf seine neue Aufgabe konzentrieren. Allerdings: Aufgrund der Corona-Krise und des derzeitigen Lockdowns sind auch ihm in vielen Bereichen die Hände gebunden. ImInterview mit der Neuburger Rundschau spricht Käs über seinen neuen Job und momentanen Alltag.

Herr Käs, wie ist Ihnen denn mittlerweile die Umstellung vom Trainingsplatz zum Schreibtisch gelungen?

Käs: In der aktuellen Situation ist es in der Tat vor allem eine Schreibtisch-Tätigkeit. Natürlich bringt dieser neue Job grundsätzlich mehr administrative Aufgaben mit sich, als es bei einem Trainer der Fall ist. Normalerweise ist man aber schon auch viel unterwegs – sei es beim Stützpunkt-Training, bei Spiel-Beobachtungen oder mit Auswahlteams. Als ich Mitte August beim Deutschen Fußball-Bund angefangen habe, hatte ich ja bis Ende Oktober mit meiner gleichzeitigen Trainer-Tätigkeit beim TSV Rain noch eine Doppel-Belastung. Während dieser Zeit war ich eigentlich jeden Tag auf dem Fußballplatz, da ich beiden Aufgaben gerecht werden wollte. Da war dann auch die eine oder andere Nachtschicht dabei (lacht). Als schließlich Ende Oktober/Anfang November der zweite Lockdown kam und wir nicht mehr auf die Plätze durften, war die plötzliche Umstellung schon ziemlich groß. Natürlich ist momentan eine ganz spezielle Situation – aber mit dieser muss ja schließlich jeder zurechtkommen.

Als Sie im vergangenen Jahr die Möglichkeit erhielten, hauptamtlich zum DFB als Stützpunkt-Koordinator für Westbayern zu wechseln: Mussten Sie lange überlegen?

Käs: Wer mich kennt, der weiß, dass es eigentlich immer mein Ziel war, eines Tages hauptberuflich im Fußball-Bereich zu arbeiten. Von dem her war diese Möglichkeit natürlich von Anfang an sehr interessant – zumal ich die Strukturen durch meine vorherige Tätigkeit als DFB-Stützpunkt-Trainer in Rain bereits kannte. Ebenso wie meinen Vorgänger Oskar Kretzinger. Daher wusste ich, dass das ein richtig cooler Job ist, bei dem ich zudem in meiner Heimat arbeiten beziehungsweise dort etwas verändern kann. Auf der anderen Seite war es aber auch so, dass die Geschichte beim TSV Rain sehr gut gelaufen ist. Leider ist es durch die Corona-Pandemie etwas untergegangen, was wir dort erreicht haben. Unter dem Strich war jedoch die Entscheidung „Pro DFB“ dann schon relativ klar.

Können Sie einmal Ihren Aufgabenbereich als DFB-Stützpunkt-Koordinator grob skizzieren?

Käs: Es ist gar nicht so einfach, das Ganze kurz zu beschreiben, da es doch sehr vielschichtig ist. Wenn man es jedoch kurz auf den Punkt bringen möchte: Letztlich bin ich zuständig für die Umsetzung des Talent-Förderprogramms des DFB in der Region Westbayern. In meiner Region gibt es aktuell 16 DFB-Stützpunkte mit rund 60 Trainern. Hier geht es in erster Linie sowohl um die Spieler- als auch ein Stück weit um die Trainer-Entwicklung.

Das Thema Corona ist freilich in der Gesellschaft nach wie vor allgegenwärtig. Inwieweit schränkt Sie der momentane Lockdown in Ihrer „normalen“ täglichen Arbeit ein? Dass Sie derzeit viel Zeit an Ihrem Schreibtisch verbringen, haben Sie ja bereits beschrieben...

Käs: Die Einschränkungen beziehungsweise Veränderungen, die diese Krise mit sich bringt, sind definitiv sehr groß. Allein schon, was den Trainingsbetrieb an den Stützpunkten oder bei unseren regionalen Auswahl-Maßnahmen betrifft, mussten wir alles schließen. Dementsprechend ist das jetzt schon eine immense Umstellung. Normalerweise bin ich, wie schon beschrieben, viel unterwegs – sei es bei Trainings, Spielen, Vereinen oder Trainer-Gesprächen. Da wir von Verbandsseite angewiesen wurden, die Kontakte auf ein Minimum zu beschränken, findet aktuell nahezu alles in Video-Konferenzen beziehungsweise am Schreibtisch statt. Um nochmals auf den Trainingsbetrieb zurückzukommen: Wir bieten den Mädchen und Jungs hier schon die eine oder andere Video-Trainingsmöglichkeit an. Aber im Endeffekt ist es natürlich schon etwas anderes als ein gezieltes Training auf dem Platz.

Sie haben es gerade angesprochen: In diesen Monaten findet nahezu alles online statt – sei es Meetings, Schulungen, Fortbildungen oder auch Trainings. Können Sie sich vorstellen, dass es zumindest einen Teil davon auch „nach Corona“ in dieser Art und Weise geben wird?

Käs: Ich denke schon auch, dass einiges davon bleiben wird. Ich hatte beispielsweise vor knapp einer Woche eine Online-Fortbildung mit meinen Trainern, bei der rund 80 Leute teilgenommen haben. Oder wenn ich mit einem Übungsleiter in Sonthofen kommunizieren möchte, dann muss ich nicht extra ins Allgäu fahren, sondern kann das alternativ über einen Video-Call machen. Das ist natürlich schon ein Vorteil. Dennoch glaube ich, dass mittlerweile in Sachen Video-Konferenzen eine gewisse Müdigkeit bei den Menschen eingetreten ist und sich daher jeder darauf freut, wenn es endlich wieder „normal“ losgeht. Unabhängig davon kann in meinen Augen ein Online-Meeting die reguläre Arbeit beziehungsweise das Training auf dem Fußballplatz nicht ersetzen. Ein Spieler wird sich auf dem Rasen immer besser entwickeln wie bei einem Video-Training. Auch kann man bei einem persönlichen Gespräch deutlich mehr rüberbringen, als wenn man sich online trifft.

Um nochmals beim Thema „Online“ zu bleiben: Viele Kinder und Jugendliche sind allein schon durch das Home Schooling vermehrt damit befasst. Hinzu kommt, dass aufgrund der aktuell nicht vorhandenen Sport-Möglichkeiten beispielsweise das Zocken an der PlayStation stark zugenommen hat. Viele Klubs zeigen sich besorgt, dadurch auf Dauer unzählige „Kids“ für den Vereinsfußball zu verlieren. Teilen Sie diese Sorge?

Käs: Absolut. Daher wäre es auch extrem wichtig, bei etwaigen Lockerungen den Nachwuchssport – immer vorausgesetzt, das Ganze ist verantwortbar beziehungsweise mit den entsprechenden Hygiene-Konzepten versehen – weit nach vorne zu schieben. Dabei geht es bei den Kindern und Jugendlichen in erster Linie überhaupt nicht um den Wettkampfsport, sondern vielmehr um die sozialen Kontakte und damit auch das Vermeiden von psychischen Spätfolgen. Wir versuchen dem Ganzen dadurch entgegenzuwirken, dass wir derzeit unseren Mädels und Jungs jeden Montag eine Online-Einheit anbieten, was im Grunde das normale Stützpunkttraining zumindest etwas ersetzt. Zudem haben wir gemeinsam mit unserem ostbayerischen Stützpunkt am Dienstag und Donnerstag nochmals jeweils eine Einheit, um mit den Spielern in Kontakt zu bleiben. Grundsätzlich schätze ich die Gefahr, Nachwuchsspieler zu verlieren, im Breitensport-Bereich – also bei den kleineren Vereinen – deutlich größer ein als bei uns auf der Leistungssport-Ebene.

Vorsichtig gerechnet, gehen dem Sport durch die beiden Lockdowns rund zehn Monate Training verloren. Haben Sie die Befürchtung, dass sich dies langfristig auf die Entwicklung der Nachwuchskicker negativ auswirken wird?

Käs: Wenn man so will, dann ist das quasi – von der Ausfallzeit her – für jeden Spieler so etwas wie ein Kreuzbandriss. Aber klar, letztlich muss man hier schon auch etwas differenzieren. Aktuell befinden wir uns ja in der Winterphase, in der in der Regel bis auf ein paar Hallenturniere ohnehin nicht viel passiert. Wenn das Ganze jetzt aber noch eine Zeit lang anhalten sollte, sehe ich in der Tat einige Probleme auf uns zukommen – gerade was die motorische und technische Entwicklung der Spieler betrifft. Man hat bereits während des ersten Lockdowns diesbezüglich gewisse Unterschiede festgestellt. Da gab es Spieler, die entweder aus dem eigenen Antrieb heraus oder durch die Unterstützung der Eltern mehr gemacht haben als andere. Wobei man natürlich auch betonen muss, dass viele Kids beispielsweise räumlich überhaupt nicht diese Möglichkeit dazu haben. Von dem her betrachte ich dieses Thema definitiv mit einer gewissen Sorge.

Wie Sie in unserem Gespräch bereits geschildert haben, hat sich Ihre Arbeit als DFB-Stützpunktkoordinator im Vergleich zum Trainer-Job, den Sie bislang ausgeübt haben, doch deutlich verändert. Mal Hand auf’s Herz: Gab es in den zurückliegenden Wochen und Monaten trotz Winterpause und Lockdown schon Momente, in denen Sie die „feste“ Arbeit mit einer Mannschaft vermisst haben?

Käs: Nun, nachdem ich in den vergangenen Jahren stets mit Vereinsteams gearbeitet habe, ist es schon eine große Umstellung. Natürlich habe ich mich auch gerade in der Phase, in der aufgrund des Lockdowns sehr wenig los war, schon des Öfteren mal an mein letztes Engagement beim TSV Rain zurückerinnert – zumal es eine sehr schöne und erfolgreiche Zeit war. Aber rein nüchtern betrachtet, muss man ja letztlich schauen: Was steckt genau hinter einer Entscheidung beziehungsweise wie sieht die eigene Zukunft aus. Deshalb bin ich auch niemand, der der Vergangenheit nachtrauert. Ich habe die Entscheidung, zum DFB zu wechseln, ganz bewusst getroffen, bin damit auch völlig zufrieden und fühle mich in meiner neuen Aufgabe sehr wohl.

Wenn Sie zum Abschluss in Sachen Karriere-Planung nach vorne blicken: Sehen Sie sich in der Zukunft eher wieder als Vereinstrainer oder doch in der Verbandsarbeit?

Käs: Das ist eine Frage, über die ich mir zum jetzigen Zeitpunkt ehrlicherweise überhaupt keine Gedanken mache. Wie gesagt, ich habe diese Stelle aus voller Überzeugung angetreten. Allerdings bin ich dort aufgrund der Corona-Krise ja noch gar nicht richtig angekommen. Bislang war es noch nicht einmal möglich, meine sämtlichen Stützpunkte anzufahren. Von daher gibt es für solche Gedankenspiele überhaupt keinen Anlass, zumal Entwicklungen im Nachwuchsbereich ohnehin mittel- beziehungsweise langfristiger Natur sind.

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