Eishockey

04.02.2014

Applaus von allen Seiten

Eishockey-Fans aus ganz Deutschland fühlten mit dem durch den Norovirus stark dezimierten ERC Ingolstadt. Unser Bild zeigt ERC-Fans in Ingolstadt.
Bild: Xaver Habermeier

Viel Zuspruch für couragierten Auftritt des ERC Ingolstadt, der in München stark dezimiert durch den Norovirus nur 13 Spieler aufbieten konnte

Ingolstadt So schnell wendet sich das Blatt. Vor zwei Wochen hatten die Profis des ERC Ingolstadt noch die eigenen Fans gegen sich. Jetzt steht plötzlich ganz Eishockey-Deutschland hinter ihnen. Weil sich nach der „Noro-Attacke“ der verbliebene Rest tapfer dem übermächtigen Gegner Red Bull München stellte und bis zur Schlusssirene einen aussichtslosen Kampf führte, bekamen die Ingolstädter schon vor und während der 0:5-Niederlage am Sonntag Sympathiebekundungen aus sämtlichen Fan-Lagern.

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Ob Haie, Pinguine, Eisbären oder sogar die anderen Panther vom Erzrivalen aus Augsburg – bei Facebook im Internet äußerten sich Hunderte von Fans zum vorbildlichen Charakter der ERC-Mannschaft, dem angeblich unsportlichen Verhalten der Münchner und dem Image-Schaden, den dieser Vorfall wieder einmal für das deutsche Eishockey bedeuten würde.

Münchens Trainer Pierre Pagé sagte nach dem Spiel: „Ich fühle mit Niklas Sundblad.“ Pagé hatte den Schweden einst als jungen Spieler 1995 in der NHL bei den Calgary Flames trainiert und er ging in seinen Ausführungen noch weiter: „Wir haben heute gelernt, dass wir gute junge Spieler brauchen. Das ist ein Problem in Deutschland. Ich habe Respekt vor dem, was Niklas mitbringt. Er kann der DEL viel geben. Schweden hat den besten Nachwuchs in Europa. Davon können wir nur lernen.“

Applaus von allen Seiten

Statt top ausgebildeten Nachwuchskräften, die vor Ort in der Juniorenliga spielen und jederzeit verfügbar sind, konnte der ERC nur auf fünf junge Oberliga-Amateure zurückgreifen, die überstürzt im Privat-Pkw nach München fahren mussten. Die Youngster warfen sich zwar auch ins Zeug, doch der Sprung in die DEL war viel zu groß – und das Spiel war für Ingolstadt verloren, bevor es überhaupt begonnen hatte.

Jiri Ehrenberger stellt Fairplay in den Vordergrund

Während viele Fans Red Bull München nun unfaires Verhalten und unlautere Mittel im Kampf um die Play-off-Plätze vorwerfen, kamen Tricksereien für ERC-Sportdirektor Jiri Ehrenberger trotz der Notsituation nicht infrage. Er hätte wohl theoretisch auf die Förderlizenzspieler des EV Regensburg, die auch eigentlich ein Spiel in der Oberliga Süd hätten bestreiten müssen, verzichten können. „Nein, nein, diese Spieler sind lizenziert. Auch in so einem Fall muss man alle Möglichkeiten ausschöpfen. Das brauchen wir nicht“, sagte er.

Ehrenberger versuchte, den Fairplay-Gedanken in den Vordergrund zu rücken und konnte sich einen Seitenhieb in Richtung Landeshauptstadt nicht verkneifen: „Wir haben versucht, die einfachste Lösung zu finden und das Spiel zu verschieben. Aber mit München war das nicht möglich.“

Und so verlor Ingolstadt drei wichtige Punkte im Kampf um die Play-off-Plätze. Doch einem Satz, den Verteidiger Patrick Köppchen schon nach dem 7:4 über Köln vergangenen Freitag sagte, hat der ERC mit dem couragierten Auftritt in München noch einmal Nachdruck verliehen: „Wir haben gezeigt, dass wir zusammenhalten.“ (bla)

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