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Synchronschwimmen

19.11.2020

Barbara Rauscher: „Da sind bei unseren Mädels schon Tränen geflossen“

Volle Konzentration in ihrem „Wohnzimmer“: Barbara Rauscher (Zweite von links), Abteilungsleiterin der Synchronschwimm-Sparte des TSV Neuburg, bei einem Wettkampf im Neuburger Parkbad. Momentan können ihre Nixen dort nicht trainieren.
Bild: Daniel Worsch

Plus Der momentane „Lockdown light“ hat auch die Donaunixen des TSV Neuburg fest im Griff. Wie die Sportlerinnen und Trainerinnen mit dieser Situation umgehen und was sie sich für das Jahr 2021 wünscht, verrät Abteilungsleiterin Barbara Rauscher.

Seit in Deutschland der „Lockdown light“ am 2. November in Kraft getreten ist, befinden sich auch die meisten Amateur-Sportler und -Vereine erneut in einer „Zwangspause“. Wie die Neuburger Donaunixen damit umgehen, verrät Abteilungsleiterin Barbara Rauscher im Interview mit der Neuburger Rundschau.

Frau Rauscher, die beiden wichtigsten Fragen gleich zuerst: Wie geht es Ihnen beziehungsweise wie sind Sie bislang durch diese Corona-Pandemie gekommen?

Rauscher: Vielen Dank der Nachfrage! So lange man sich an die Vorgaben hält und die Kontakte reduziert, schützt man ja nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitmenschen. Ich gehe derzeit beispielsweise nur alle zwei Wochen zum Einkaufen. Ansonsten bleibe ich daheim beziehungsweise in meinem Garten. Auch wenn es mir gesundheitlich gut geht, bin ich natürlich schon traurig, dass auch das Sportliche mittlerweile auf Eis liegt, nachdem es in den Sommermonaten beziehungsweise bis Ende Oktober mit dem Training im Frei- und anschließend Hallenbad so gut geklappt hat.

Im Zuge dieses „Lockdown light“ wurden sämtliche Freizeit-Einrichtungen, Sportanlagen und Sportstätten für den Amateur- und Breitensport geschlossen. Können Sie diese Entscheidung seitens der Politik nachvollziehen?

Rauscher: Na ja, da bin ich schon etwas zweigeteilt. In Deutschland ist es ja so, dass Profisportler sowie deutsche und bayerische Kader-Athleten weiterhin trainieren dürfen, sofern – auf das Synchronschwimmen bezogen – die jeweiligen Hallenbäder geöffnet sind. In Bayern gibt es insgesamt acht Synchronschwimm-Vereine, von denen drei diese Möglichkeit nicht nutzen können, da sie quasi auf dem Trockenen sitzen – darunter auch wir! Allerdings möchte ich unter keinen Umständen irgendwelche Forderungen oder Ansprüche stellen. Mir ist bewusst, dass beispielsweise einige Bademeister in Kurzarbeit sind und dementsprechend der Betrieb im Parkbad heruntergefahren wurde. Das ist jetzt einfach so – und da muss man eben durch!

Sprich: Ihre Kader-Athletinnen dürften trainieren, können aber aufgrund der Gegebenheiten aktuell nicht...

Rauscher: Richtig. Aber wie schon gesagt, ich würde hier niemals eine Forderung stellen. Das würde in meinen Augen schlichtweg zu weit gehen. Anders sieht es beispielsweise in Würzburg aus, wo es ein vereinseigenes Hallenbad gibt. Da können die Sportlerinnen problemlos trainieren.

Wir befinden uns ja mittlerweile schon im zweiten Lockdown, in dem ihre Nixen erneut nicht ins Becken springen dürfen. Wie gehen denn die kleinen und großen Athletinnen sowie deren Eltern mit dieser außergewöhnlichen Situation um?

Rauscher: Natürlich ist jeder traurig, dass wir abermals unser Hobby nicht ausüben können. Dennoch sind alle überaus vernünftig und akzeptieren die Situation so, wie sie ist. Sich mir gegenüber beschwert oder darüber geschimpft hat bislang noch keiner.

Ihr Abteilungsleiter-Kollege von der TSV-Schwimm-Abteilung, Christian Rebele, hat im Interview mit unserer Zeitung bestätigt, dass sich während des ersten Lockdowns und der daraus resultierenden „Zwangspause“ doch das eine oder andere „kleine“ Mitglied wieder verabschiedet hat. Haben Sie mit derartigen Problemen auch zu kämpfen?

Rauscher: Auch uns sind sicherlich einige Mitglieder weggebrochen. Allerdings waren wir ja in der glücklichen Lage, nach den Lockerungen im Freibad hervorragende Trainingsbedingungen unter den vorgegebenen Hygiene-Vorschriften zu haben. Dabei wurden unter anderem die Altersklassen entsprechend getrennt, so dass jede Gruppe ihre eigene Bahn hatte. Das war wirklich optimal.

Also würden Sie sagen, dass sich das Hygiene-Konzept in den vergangenen Wochen und Monaten absolut bewährt hat?

Rauscher: Ja, definitiv! Im Laufe der Zeit hatte sich das alles so eingespielt, dass es selbstverständlich wurde. Man muss aber auch sagen, dass gerade auch das Parkbad ein ganz tolles Hygiene-Konzept erarbeitet hat, das erstklassig umgesetzt werden konnte. Um so trauriger ist es, dass wir momentan nicht trainieren können.

Wie halten sich „Ihre“ Mädchen denn aktuell fit?

Rauscher: Wir sind ja in der glücklichen Lage, das wir für jede Altersklasse bis zu zwei feste Trainerinnen haben. Diese sind bereits während des ersten Lockdowns mit ihren Gruppen regelmäßig in Verbindung geblieben. Dabei wurden unter anderem per Zoom gemeinsame Stehproben oder auch Gymnastik gemacht. Natürlich wird das auch jetzt während des zweiten Lockdowns wieder angeboten. Nachdem wir uns jetzt aber schon in der dritten Woche befinden, nimmt die Begeisterung darüber schon etwas ab.

Auch wenn das Jahr 2020 erst in rund sechs Wochen vorbei ist: Wie werden Sie dieses in Erinnerung behalten?

Rauscher: Nun, nachdem wir im Januar noch einen Wettkampf auf bundesdeutscher Ebene in Bochum hatten, haben wir uns bereits riesig auf die 40. Bayerischen Meisterschaften im heimischen Neuburger Parkbad gefreut. Es hätte sogar einen neuen Teilnehmer-Rekord beziehungsweise in unserer Altersklasse A/B ein neues Programm mit Kurzküren gegeben. Die komplette Veranstaltung am 14. und 15. März war bis ins Detail geplant und vorbereitet. Doch vier Tage vor dem Start musste ich das Ganze leider absagen. Letztlich blieb mir aber gar nichts anderes übrig, da bereits einen Tag nach den „Bayerischen“ die Schulen geschlossen wurden. Als wir das unseren Mädels mitgeteilt haben, sind schon viele Tränen geflossen. Aber auch unseren Kleinsten ging es nicht anders. Ursprünglich hätte im Dezember in Grainau der sogenannte Muki-Test stattfinden sollen, der für viele Nixen der erste Wettkampf in ihrer Karriere ist. Bereits nach dem ersten Lockdown haben sie sich intensiv und akribisch mit ihren Trainerinnen darauf vorbereitet. Als dann die Absage kam, war die Enttäuschung natürlich sehr, sehr groß.

Was wünschen Sie sich denn für das Jahr 2021?

Rauscher: Außer dem bereits erwähnten Wettkampf zu Beginn des Jahres sowie einem Lehrgang des Bayern-Kaders im September in München, bei dem etliche unserer Athletinnen anwesend waren, hat heuer überhaupt nichts stattgefunden. Darüber hinaus wurde auch schon das Pflicht-Ranglistenturnier im Januar 2021 abgesagt. Auch wenn man es sich vielleicht momentan nur schwer vorstellen kann, würde ich mir natürlich wünschen, dass die bayerischen Meisterschaften, die jetzt auf Mitte April verlegt wurden, diesmal tatsächlich bei uns im Neuburger Parkbad ausgetragen werden können. Zudem wäre es schön, wenn insgesamt wieder deutlich mehr Wettkämpfe als 2020 stattfinden würden.

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