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Deutsche Meisterschaft
13.09.2021

Enteki: Eine Sportart mit besonderem Flair

Voll konzentriert: Ingrid Haußner (von links) Stefan Brendel und Johannes Maringer absolvieren das Vorschießen, mit dem die Meisterschaft begann.
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Voll konzentriert: Ingrid Haußner (von links) Stefan Brendel und Johannes Maringer absolvieren das Vorschießen, mit dem die Meisterschaft begann.
Foto: Andrea Hammerl

In Bergheim hat die deutsche Meisterschaft im Enteki stattgefunden. Für Lokalmatadorin Ingrid Haußner steht dabei das Organisatorische an erster Stelle. Über japanisches Bogenschießen, eine spezielle Zeremonie und einen spannenden Wettkampf.

Spannend bis zum Stechen war die 30. Deutsche Meisterschaft im Enteki – dabei handelt es sich um japanisches Bogenschießen –, die am Wochenende in Bergheim ausgetragen wurde.

Die bayerischen Kyudo-Bogenschützen verteidigten ihren Titel und wurden erneut deutscher Meister in der erst zum zweiten Mal ausgetragenen Mannschaftsmeisterschaft. Im Einzel konnte Vorjahressieger Martin Lenz aus Ingolstadt seinen Titel zwar nicht verteidigen, freute sich aber über den zweiten Platz unter 19 teilnehmenden Bogenschützen. Den errang er im Stechen mit einem Pfeil klar, denn er traf in den ersten Ring der Zielscheibe, knapp am Zentrum, während der Pfeil seines Konkurrenten Johannes Maringer (Düsseldorf) außerhalb des äußersten Ringes steckenblieb. Den Titel gewann Christian Böhme aus Berlin mit klarem Vorsprung. Er hatte in fünf Runden mit insgesamt 20 Pfeilen die Zielscheibe 16 mal getroffen, Lenz und Maringer hatten je 13 Treffer gesetzt. Der 30-jährige Sieger lächelte still in sich hinein, fast schien es, als hätte er noch gar nicht recht begriffen, was da gerade auf seiner ersten Deutschen Meisterschaft passiert war.

Die siegreiche bayerische Mannschaft mit Ingrid Haußner (stehend, 2. von links), Stefan Brendel und Martin Lenz (kniend von links), den Kampfrichtern Peter Wankerl (links) und Kathrin Häpp sowie Ersatzmann Andreas König (hinten 2. von rechts).
Foto: Andrea Hammerl


Böhme betreibt Kyudo erst seit vier Jahren, hatte sich einen Platz unter den ersten zehn erhofft. „Ich war nur in meinem kleinen Kosmos unterwegs, habe direkt neben Martin mit ihm um die Wette geschossen“, meinte er hinterher. Die Konzentration gelang, offenbar fühlte er sich in Bergheim auch sehr wohl. „Ich stamme ursprünglich aus Bad Dürkheim“, erzählte Böhme, „und die Kirchenglocken hier in Bergheim klingen fast wie zuhause“. Für Lokalmatadorin Ingrid Haußner blieb mit acht Treffern ein Platz im Mittelfeld, nachdem sie bis zur letzten Runde noch auf dem – mit drei weiteren Schützen geteilten – vierten Platz gelegen hatte, ihre Chancen dann aber mit einer Nullrunde vergab.

„Acht Punkte ist okay“, fand die mehrfache deutsche Meisterin und zuletzt (2019) Drittplatzierte dennoch, „es ist schwierig, Organisatorin und Teilnehmerin zu sein“. Die Abteilungsleiterin Kyudo des Judo Clubs Neuburg wird die Deutsche Meisterschaft wie üblich auch in den beiden folgenden Jahren ausrichten, denn „der Aufwand für ein Jahr wäre zu hoch“. Sie hofft auf sich einstellende Routine, dann wird die Aufgabe an einen anderen Landesverband weiterwandern. „Ich habe mich freiwillig gemeldet“, erzählt sie, „ich war so oft bei den anderen, jetzt fand ich es schön, dass sie auch mal bei uns zu Gast waren“. Der eigene sportliche Ehrgeiz muss da zurückstehen. Das bestätigt auch der Drittplatzierte im Einzel, Johannes Maringer. „Ich war vergangenes Jahr Organisator“, „verrät er, „da habe ich an der Meisterschaft nur teilgenommen, unter ferner liefen“.

Haußner holt den Titel mit der Mannschaft

Immerhin kann sich Haußner mit dem Sieg in der Mannschaft trösten. Eine Besonderheit war am Samstagabend der zusätzliche Perlencup, mit dem das 30. Jubiläum der Deutschen Meisterschaft gefeiert wurde, der Name abgeleitet von der Perlenhochzeit, die Eheleute nach 30 Jahren feiern. Beim Perlencup hatte jeder Teilnehmer nur einen Pfeil, es zählte, wer am nächsten zum Zentrum traf, Stefan Brendel traf sogar direkt hinein.

Zuschauern ermöglichte die Meisterschaft Einblicke in eine andere Welt. Denn die Bogenschützen des Deutschen Kyudo Bunds (DKyuB) folgen einem strengen Zeremoniell, Kyudo hat nicht nur mit Sport, sondern auch mit Meditation zu tun. Was auch logisch ist, denn die Zielscheibe mit einem Meter Durchmesser steht 60 Meter entfernt auf dem Rasenplatz der SpVgg Joshofen/Bergheim und der Langbogen verfügt über keinerlei Zielvorrichtung, nicht einmal eine Pfeilauflage.

Die 30. Deutsche Meisterschaft in Kyudo, dem japanischen Bogenschießen, folgte einem genauen Zeremoniell, hier die Eröffnung.
Foto: Andrea Hammerl


Höchste Konzentration ist also Voraussetzung fürs Treffen. Die Bewegungsabläufe sind genau geregelt und werden akribisch ausgeführt. In langer Reihe laufen die Schützen in den Pavillon ein und stellen sich hintereinander auf. Alles in völliger Ruhe und weitgehender Bewegungslosigkeit, wenn ein anderer schießt. Die Vorbereitungen zum Schuss, die Körperhaltung, alles erfolgt beinahe in Zeitlupe, in ruhigen, kontrollierten Bewegungen. Dafür gab es zwar keine Noten, aber die Wettkampfrichter Kathrin Häpp und Peter Wankerl aus Weilheim sahen trotzdem mit Argusaugen hin. „Alle waren sehr diszipliniert und haben sich an die Regeln gehalten“, bilanziert Wankerl, „es gab keine Zwischenfälle außer dem Regen“. Einen kräftigen Duscherer hatte es nämlich am Samstagnachmittag gegeben.

Ergebnisse

Mannschaft

1. Landesverband Bayern mit Ingrid Haußner, Martin Lenz, Stefan Brendel (33 Treffer von 40 möglichen), 2. Landesverband Berlin, Boris Proppe, Christian Böhme, Thomas Stier (32), 3. Nordrhein-Westfalen, Peter Fey, Josephine Hirschfeld, Johannes Maringer (23), 4. Markus Kleint, Arndt Hellwig (Baden-Württemberg), Dirk Mühlenbrand (Niedersachsen) und Manfred Ludovic (Hessen) mit 22 Treffern.

Einzel

1. Christian Böhme (Berlin, 16 Treffer), 2. Martin Lenz (Bayern, 13 Treffer), 3. Johannes Maringer (NRW, 13 Treffer).

Perlencup

1. Stefan Brendel (Bayern), 2. Martin Lenz (Bayern), 3. Arndt Hellwig (Baden-Württemberg).

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