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Bergheim-Unterstall

10.11.2019

Die Maßarbeiter von Eichenlaub Unterstall

Dominik Bergmann ist der Topschütze von Eichenlaub Unterstall.
4 Bilder
Dominik Bergmann ist der Topschütze von Eichenlaub Unterstall.
Bild: Christof Paulus

Plus Eichenlaub Unterstall schießt nicht bloß gut, sondern unfassbar gut. Sogar internationale Schützen sind im Team. Beim Heimwettkampf geht es um Millimeter.

Wenn man in die kleine Gasse am Ortsende von Unterstall einbiegt, merkt man es nicht. Wenn man dann vor der Gaststätte La Pergola steht, durch die Tür geht und im Gastraum die rund 30 Menschen sieht, die auf ein paar bunte Punkte auf einer Leinwand starren, merkt man es immer noch nicht. Selbst wenn man die Seitentür zwischen Tresen und Eingangstür findet und die Treppe dahinter in den Keller hinabsteigt, bleibt es im Verborgenen. Erst wenn man dann die zehn Schützen sieht, wie sie die kastaniengroßen schwarzen Punkte am anderen Ende des Raumes anvisieren, dann ahnt man etwas. Doch so wirklich klar wird es erst, wenn der Wettkampf vorbei ist und man die Zielscheiben – die heutzutage bloß noch schwarze, einfarbige Pappkartons sind – aus der Nähe betrachten kann: Hier im kleinen Unterstall schießen einige der besten Schützen in ganz Deutschland. Ihr Trefferbild ist so genau, dass es keinen Grund zu zweifeln gibt: Sie könnten vom Balkon aus einer Ameise am Boden das Blatt vom Rücken schießen – und die Ameise bliebe unversehrt.

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Vier Mannschaften starten an diesem Sonntag beim Wettkampf der 2. Bundesliga Süd im Luftgewehrschießen, Gastgeber ist Eichenlaub Unterstall. Ihren ersten Wettkampf gegen Haibach aus dem Landkreis Aschaffenburg hat das Heimteam souverän mit 5:0 gewonnen, nun geht es gegen die zweite Mannschaft aus dem oberpfälzischen Saltendorf. Ganz links am Schießstand steht Dominik Bergmann, der sich selbst nicht so ganz sicher ist, wie oft er als Junior schon deutscher Meister geworden ist. Das Gewehr im Anschlag, er feuert, ein roter Punkt leuchtet auf der Leinwand auf, die an der Wand an der Seite hängt: Volltreffer.

Eichenlaub Unterstall: Beim Luftgewehr-Schießen sind Millimeter schon weit vorbei

Weil im Publikum ohnehin niemand erkennen könnte, was die Schützen auf der zehn Meter entfernten Zielscheibe getroffen haben, ist das Trefferbild auf einer Leinwand zu sehen. Und weil im Gastraum im Erdgeschoss auch eine solche Leinwand hängt, können auch die den Wettkampf verfolgen, die im engen Schießstand keinen Platz mehr finden konnten. Dort im Keller läuft Musik, während Bergmann und seine Teamkollegen ihre Ziele anvisieren. Plötzlich ist hier und da ein „Oh!“ zu hören. Katharina Hörmann hat geschossen, ein „Katastrophenschuss“ wie Trainer Jürgen Breit es später nennen wird. Sieben Ringe sind es bloß, man könnte meinen, der Schuss sei neben der Scheibe gelandet. Tatsächlich fehlt Hörmann vielleicht ein Viertel Zentimeter zur vollen Punktzahl – weiter vorbei schießt in diesem Wettkampf trotzdem keiner mehr.

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Nur einen von vier Wettkämpfen haben die Eichenlaub-Schützen vor diesem Sonntag gewonnen. „Da war ich schon ein bisschen sauer, und das haben sie vielleicht auch gemerkt“, sagt Trainer Breit. Seine Schützen hätten nicht um jeden Schuss gekämpft, sagt er. Heute läuft es besser. 50 Minuten dauert ein Wettkampf, 40 Schüsse können sie in dieser Zeit abfeuern. Schnell übernehmen die Gastgeber die Führung und erlauben sich wenige Fehler.

Jeder Schütze hat genau einen Gegner aus der anderen Mannschaft. Wer mehr Ringe schießt und das direkte Duell gewinnt, holt einen Punkt für sein Team. Dem Gegner in die Augen zu schauen, mal zuzublinzeln, um ihn nervös zu machen, kann schon mal dazugehören, erzählt Bergmann. Ob mit oder ohne Psychospiele: 35 seiner 40 Schüsse finden den Weg ins Zentrum, mit 395:390 gewinnt er sein Duell. Als Marie-Theres Auer ihren Wettkampf beendet, ist schon klar: Auch wenn ihr Gegner noch fünf Patronen übrig hat, kann er sie nicht mehr einholen. Doch Auer legt nach dem letzten Schuss bloß ihr Gewehr ab und schält sich aus ihrer Kunststoffrüstung, die ihren Körper beim Schuss stabilisieren soll. Kein Blick zur Leinwand, kein Blick zum Gegner, als ob sie dessen Ergebnis gar nicht interessiere.

„Man muss immer für sich schießen“, sagt sie. „Sonst ist man nicht konzentriert.“ Wenn sie redet, ist ihr Tiroler Dialekt unüberhörbar. Drei Stunden lang muss sie nach dem Wettkampf wieder nach Hause fahren, ist eine von zwei Auslandsschützinnen der Unterstaller. Das Wettkampfniveau sei in Österreich nicht hoch genug, erklärt sie. Viele Teams in der zweiten Liga sind bunt durchmischt. Bergmann kommt aus Buxheim, Hörmann schießt schon immer in Unterstall – damit sind sie in dieser Klasse zwar nicht die Ausnahme, aber auch nicht die Regel.

In der Bundesliga der Sportschützen können Winzigkeiten für Unterstall über Sieg und Niederlage entscheiden

Zwei von fünf Duellen hat Unterstall bereits für sich entschieden, einen Punkt braucht das Team noch. Marc Zellinger kann ihn nicht beisteuern. Er schießt zwar starke 390 Ringe – doch die Saltendorferin Doris Kühnl trifft noch besser. Katharina Hörmann hat sich indes von ihrem Ausrutscher nicht aus der Ruhe bringen lassen, liegt gleichauf mit ihrem Gegner. Nicole Ertl führt gar – doch nach einer halben Stunde hat sie noch fast die Hälfte der Schüsse übrig. „Aber das wird sie schaffen“, ist Teamkollegin Auer sich sicher. Wenn Hörmann ihr Duell verlieren sollte, muss Ertl es schaffen – sonst geht der Sieg nach Saltendorf. Deshalb ist klar: Hörmanns letzter Schuss muss sitzen. Mit einem Punkt liegt sie vorne, muss voll ins Schwarze treffen.

Fast unbeteiligt blickt sie zur Holzwand, ihr Blick geht ins Leere. Sie greift ihr Gewehr, konzentriert sich auf ihre Atmung und schaut durch das Zielfernrohr. Dann drückt sie ab. Auf der Leinwand blitzt es rot auf. „Auf Stand sieben beendet Katharina Hörmann ihren Wettkampf mit 388 Ringen“, verkündet Sprecherin Anja Benzinger. „Der Punkt geht nach Unterstall!“ Einige Zuschauer klatschen, Hörmann strahlt. Auch von Ertl fällt der Druck ab, Unterstall hat gewonnen. Ihr Duell bringt sie dennoch mit 389:383 nach Hause.

Eichenlaub Unterstall gewinnt beide Wettkämpfe zuhause in der 2. Bundesliga

In der Tabelle klettert Unterstall damit auf Platz fünf, die beiden Erstplatzierten dürfen am Ende der Saison um den Aufstieg in die Bundesliga schießen. Vor einem Jahr war Unterstall Zweiter.

Das Schießen ist vorbei. Was vor fünf Minuten noch unmöglich war, ist jetzt ungefährlich: Nach vorne gehen, die Scheiben betrachten. Eigentlich gibt es die gar nicht mehr, eine Lichtschranke misst den Treffer, die Pappe, die dort vorne eingespannt ist, soll bloß den Schützen helfen, ihr Ziel ins Visier zu nehmen. 40 mal im Wettkampf und ein paar Mal im Einschießen hat Dominik Bergmann auf die Pappe geschossen. Gerade einmal ein Bleistift passt noch in das Loch, das er dort hinein geschossen hat.

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