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Ästhetiksport   

16.01.2019

Ein Burgheimer auf Rädern

Rahman fahre anders als die Mädchen seines Vereins, sagt Monika Frank über ihren Pflegesohn. „Mädchen fahren umsichtiger.“
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Rahman fahre anders als die Mädchen seines Vereins, sagt Monika Frank über ihren Pflegesohn. „Mädchen fahren umsichtiger.“
Bild: Jasmin Roßmann

Rahman Jafari ist Kunstradfahrer – der einzig männliche seines Vereins in Burgheim. Was den 17-Jährigen motiviert und welche Ziele er hat.  

Das Kunstradfahren ist eine Frauendomäne. Zumindest gilt es als eine Sportart, in der Männer tendenziell in Unterzahl auftreten. Und dennoch hat sich Rahman Jafari, 17, ausgerechnet diesen Sport ausgesucht. Seit mehr als zwei Jahren zeigt der Burgheimer nun schon Akrobatik auf dem Rad. Dabei kommt er ursprünglich aus einer ganz anderen Ecke der Welt.

Geboren ist Rahman Jafari in Afghanistan, wo das Kunstradfahren in dieser Form gar nicht existiert. In Berührung kam er damit erstmals im Oktober 2015, als er zu Familie Frank nach Burgheim zog. Mama, so nennt Rahman seine Pflegemutter Monika, hat sich vor zwei Jahren wieder auf das Einrad gesetzt, während Vater Anton lange Zeit in der Kunstrad-Szene präsent war – heute trainiert er seinen Pflegesohn.

Einziger männlicher Kunstradfahrer im Verein

In seinem Verein in Burgheim steht der 17-Jährige als männlicher Kunstradfahrer alleine da. Schlimm findet er das aber nicht. Manche Jungs hielten ihn sogar für verrückt, wenn er auf dem Lenkrad balanciert. Er schüttelt den Kopf und lacht. Auch Monika Frank betont, dass viele junge Männer in diesem Alter gar nicht auf die Idee kämen, Kunstradfahren zu betreiben. „Sie spielen lieber Ballsportarten wie Fußball.“ Das tut Rahman übrigens auch. Doch zieht er das Rad dem Leder vor. „Es macht mir mehr Spaß, man lernt viele Leute, andere Jugendliche und neue Orte kennen“, begründet er.

Zwei Mal pro Woche trainiert der junge Mann für zwei Stunden in der Halle in Burgheim, dazu kommen etwa zehn Wettkämpfe im Jahr. Am Anfang sei er bei jedem Wettkampf aufgeregt gewesen, sagt er. Mittlerweile aber habe er sich an den Druck gewöhnt – ganz im Gegensatz zu Mama Monika, die heute noch nervös ist, wenn sie vor den Kampfrichtern auf ihr Einrad steigt. Denn das Kunstradfahren ist gar nicht so einfach, wie es zunächst vielleicht aussehen mag. Der Sport basiert auf einem Buch mit Übungen, dem sogenannten Reglement. Monika Frank erklärt: „Jede Übung gibt es in verschiedenen Schwierigkeitsgraden.“ So könne man eine Übung vorwärts fahren, was vergleichsweise einfach sei. Sie freihändig zu fahren, sei da schon etwas schwieriger, sie rückwärts zu fahren sehr schwer. Kombiniert man dann das Rückwärtsfahren mit der Freihändigkeit, kann man sich eine wage Vorstellung davon machen, welcher Professionsgrad erreicht sein muss. In einer Wettkampfsituation bewerten Kampfrichter die Schwierigkeit der Übungen und ebenso die Art und Weise, wie sie vorgeführt werden. „Die Kampfrichter ziehen zum Beispiel Punkte ab, wenn man wackelt, fällt oder etwas falsch macht“, erläutert die Pflegemutter.

Der große Traum: Teilnahme an der Weltmeisterschaft

Rahman Jafari möchte alles richtig machen. „Ich lerne schnell“, sagt der 17-Jährige und nickt bekräftigend mit dem Kopf. Monika Frank verdreht die Augen. „Was er an Technik nicht mitbringt, kann er durch seine Kraft ausgleichen.“ Eine Eigenschaft, die er den Sportlerinnen des Burgheimer Radfahrervereins voraus hat – nicht aber den Jungs aus ganz Deutschland. Denn viele seiner Konkurrenten fahren, seitdem sie fünf Jahre alt sind, sie besitzen mehr Erfahrung, konnten ihre Fertigkeiten über Jahre verfeinern. Doch sind das zum Glück nicht die einzigen Talente, die ein ambitionierter Kunstradfahrer mitbringen muss. Ausdauer, betont Rahman, sei wichtig. Dazu Fleiß, Konzentration, Konsequenz, und Disziplin. Oder wie es Monika Frank formuliert: „Ich muss eine Übung zehn Mal machen. Wenn sie dann noch immer nicht klappt, mache ich sie zwölf Mal.“ Und das tut Rahman. Ziel des 17-Jährigen ist es, irgendwann an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Möglich? „Zu 99 Prozent vielleicht“, entgegnet er diplomatisch.

Kunstradfahren ist zeitintensiv. Insgesamt investiert Rahman Jafari zehn Stunden pro Woche in den Sport – Volleyball und Fußball miteingerechnet. Daneben absolviert der 17-Jährige eine Ausbildung als Land- und Baumaschinenmechatroniker. Und trotzdem wäre es dem jungen Burgheimer lieber, wenn die Woche zehn statt nur sieben Tage hätte. „Dann könnte ich viel mehr Sport machen.“

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