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Ingolstadt

20.11.2019

Ein Ingolstädter im Rennen mit der Weltklasse

Vor einem Jahr startete Patrick Haller aus Ingolstadt bei der Deutschland-Tour. Jetzt will er einen Profi-Vertrag ergattern.
Foto: Rene Weiss, imago

Der Radsportler Patrick Haller war heuer bei der Frankreich-Rundfahrt, der WM und gewann Gold beim Olympia der Soldaten. Jetzt will er Profi werden.

Wer mit dem Auto durch das Donaumoos fährt, muss aufpassen, dass ihn kein Radler überholt. In der topfebenen Gegend, durchzogen von kerzengeraden Straßen, trainiert nämlich eines der vielversprechendsten Talente, die es in Deutschland auf zwei Rädern gibt. Patrick Haller ist das, ein Ingolstädter, der mit 22 Jahren jetzt auf dem Weg in Richtung Profizirkus ist – und vielleicht bald zu den großen Rennen in Belgien, Italien, zur Tour de France oder den Olympischen Spielen – dabei wäre diese Erfahrung für ihn gar nicht so neu.

Denn erst vor kurzem ist er aus China zurückgekehrt, mit im Gepäck eine Goldmedaille und jede Menge Erfahrungen. Denn in Wuhan nahm Haller an den Military World Games teil, den Olympischen Spielen für Soldaten. Im Jahr 2019 war das die größte Sportveranstaltung der Welt, bei der mehr als 9000 Athleten aus 109 Nationen teilnahmen. Beim Einzelzeitfahren und im Straßenrennen ging Haller an den Start, holte Platz zehn im Zeitfahren, noch leicht erkrankt, wie er sagt. Ein paar Tage später war die Krankheit dann verflogen: Mit einer Attacke kurz vor dem Ziel ließ er im Straßenrennen alle seine Gegner stehen, rettete einen kleinen Vorsprung bis ins Ziel – und gewann die Goldmedaille.

Medaillen bei den Military World Games für Sportler aus Neuburg und Ingolstadt

Weil auch seine Teamkollegen flott unterwegs waren, nahm Haller sogar noch eine zweite Medaille mit nach Hause: Die deutsche Mannschaft holte Platz zwei in der Teamwertung. Damit gingen auch zwei Medaillen nach Neuburg: Sven Kirsten und Alex Müller, die auf dem Flugplatz in Zell arbeiten, gehörten ebenfalls zum Team Deutschland. „Das hat den Erfolg natürlich noch besser gemacht“, sagt Haller und lässt sich dabei fast nichts anmerken. Erfolge gehören für ihn zur jungen Laufbahn dazu.

Für das Team der deutschen Bundeswehr holt Patrick Haller Gold im Straßenrennen bei den Military World Games.
Foto: Patrick Joerg, imago

Anders als Müller und Kirsten gehört Haller nicht zu den Truppensoldaten. Die Grundausbildung hat er zwar absolviert, doch von ein paar Lehrgängen abgesehen ist er das ganze Jahr freigestellt – um zu radeln. An große Rennen ist er bereits gewohnt: Fünf Weltmeisterschaften in den Junioren- und Nachwuchsklassen hat er bestritten, fuhr bei der Nachwuchsausgabe der Tour de France auf Platz 36. Deshalb überrascht es nicht, dass Haller jetzt den nächsten Schritt gehen möchte – und der heißt: Profi.

Wie es dort zugeht, weiß er schon. 2018 nahm er an der Deutschland-Tour teil, heuer startete er in Frankreich bei der Tour de l’Ain – unter anderem gegen Thibaut Pinot, der im Juli um das Gelbe Trikot bei der Tour de France kämpfte. Mittlerweile hat Haller unzählige Länder in Europa gesehen, fuhr Rennen in Italien, Polen oder Bosnien-Herzegowina. „Bosnien ist schon eine andere Welt“, sagt er. „Manchmal kommt 50 Kilometer lang gar nichts, es ist landschaftlich sehr schön, es fühlt sich an, als sei man 30 Jahre zurückversetzt.“ Wenn das Rennen stressig sei, sehe er von der Umgebung allerdings wenig. Bloß wenn es keine Angriffe gibt, nutze er die Zeit gerne, um sich umzusehen und die Landschaft zu betrachten.

Patrick Haller aus Ingolstadt sucht noch ein Team für die kommende Saison

Momentan ist Haller auf der Suche nach einem Team für das kommende Jahr. Wenn er nicht für die Bundeswehr oder die Nationalmannschaft gestartet ist, fuhr er die vergangenen vier Jahre für ein deutsches Continental-Team, das zum Großteil aus Nachwuchssportlern und der Sportfördergruppe der Bundeswehr besteht. Geld verdient Haller dort aber keines – das Team kümmert sich um Reise und Verpflegung. Vom Sport leben zu können, ist sein Ziel – den Schritt zum Profi müsse er aber noch nicht im nächsten Jahr schaffen, sagt er. Sein Team verlassen werde er aber dennoch definitiv, denn dies sei bei nur wenigen Top-Rennen am Start, andere Amateurteams hätten ein umfangreicheres Rennprogramm. Dort habe er dann die bessere Gelegenheit, sich im Kampf gegen die besten Fahrer der Welt zu entwickeln und sich einem Profiteam anzubieten.

Patrick Haller zuhause mit seinem Rennrad. Um den Hals hängt die Goldmedaille der Military World Games, die er in China gewann.
Foto: Christof Paulus

Dass der Sprung dorthin heuer noch nicht geklappt hat, hat viele Gründe – die Ergebnisse sind nur einer davon. Denn auch wenn Haller kein Jahrhunderttalent ist – so wie etwa der gleichalte Tour de France-Sieger Egan Bernal – gehört er zu den besten Fahrern seines Jahrgangs. „Man braucht auch Glück und die richtigen Kontakte“, erklärt Haller das Geschäft. Er hatte gehofft, die Kontakte zu haben, zwei frühere Weltklassefahrer hatten sein Management übernommen. Doch einer der beiden, Danilo Hondo, gestand im Mai, in der Vergangenheit als Fahrer in ein Dopingnetzwerk verwickelt gewesen zu sein – woraufhin Hallers Management zusammenbrach. Auch wenn Hondo schon einmal eine Dopingsperre hatte absitzen müssen, steht Haller weiterhin zu dem Schritt, sein Management in dessen Hände gelegt zu haben. Hondo habe seine Fehler eingesehen und sich gewandelt, sagt Haller, sonst hätte er sich auf die Zusammenarbeit nicht eingelassen.

Haller ist noch auf der Suche nach einem Team für das kommende Jahr. Inzwischen wird er dabei von Teamvision Sports betreut, das vom ehemaligen Tagesschau-Sprecher Marc Bator gegründet wurde. Dass Haller überhaupt zum Radsport kam, hat er seinem Vater zu verdanken – der war ebenfalls Radprofi. Denn in Hallers Kindheit war der Radsport vor allem für eines bekannt: Doping. Es war auch die Zeit, in der Hondo aktiv war. Heute werde er jedoch kaum noch auf das Thema angesprochen, sagt Haller. Es gibt inzwischen eine neue Generation an Radsportlern, deren Ruf deutlich besser ist – und zu der auch Patrick Haller zählt. Der Radsport sei insgesamt glaubwürdiger, findet er. Er verweist auf das Adams-Programm, zu dem er ebenfalls gehört: Rund um die Uhr muss Haller verfügbar und erreichbar sein für Dopingproben.

Patrick Haller trainiert Zeitfahren im Donaumoos

Dafür muss er ständig seinen Aufenthaltsort angeben, und das schon eine gewisse Zeit im Voraus. In ganz Europa können die Kontrolleure ihn aufsuchen, in Kroatien, in Ingolstadt oder im Altmühltal. Das ist Hallers liebstes Trainingsgebiet, Landschaft und das Profil ziehen ihn immer wieder an. Seine Spezialdisziplin ist aber das Zeitfahren, Einzelstarts, bei denen jeder Fahrer allein gegen den Wind, die Uhr und sich selbst fährt. Und genau deshalb verschlägt es Haller immer wieder ins Donaumoos. „Kopf runter und Vollgas“, sagt Haller und grinst.

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