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Radsport

16.07.2019

Ein ganz „besonderes“ Geburtstagsgeschenk

Ganze 24 Stunden am Stück kämpften sich die fünf Neuburger (von links) Thomas Huber, Markus Häusler, Jürgen Obermaier, Franz Karmann und Hans-Jürgen Freilinger beim 23. Kelheimer Radrennen durch Regen und Dunkelheit.
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Ganze 24 Stunden am Stück kämpften sich die fünf Neuburger (von links) Thomas Huber, Markus Häusler, Jürgen Obermaier, Franz Karmann und Hans-Jürgen Freilinger beim 23. Kelheimer Radrennen durch Regen und Dunkelheit.
Bild: Laura Freilinger

Zum ersten Mal nahm das Team „50 race“ beim 24-Stunden-Rennen in Kelheim teil. Wie es zur Anmeldung der Neuburger kam und das Quintett die Strapazen überstand.

Erschöpft trifft der letzte Rennradfahrer der Neuburger Staffel am Übergabepunkt ein. Innerhalb kürzester Zeit klickt er seine Schuhe aus den Pedalen aus, hebt sein Fahrrad über einen knapp zwei Meter langen Baumstamm hinüber und sucht seine Ablöse. Diese wartet bereits aufgeregt auf der anderen Seite des Absperrzauns, um endlich in die neue Runde starten zu können.

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Auf einem der größten Events in Niederbayern bewiesen beim 23. 24-Stunden-Kelheimrennen über 1100 teilnehmende Rennradfahrer darunter auch eine Staffel aus fünf Neuburgern, mehr als nur Ausdauer und Teamgeist. Höchste Konzentration war gefordert, als sie selbst nachts um vier Uhr noch die 16,7 Kilometer lange Runde absolvieren mussten. Zeit zum Ausruhen gab es kaum, so schnell beendeten die jeweils anderen vier der fünf Kollegen ihre Streckenabschnitte.

Große Befürchtungen wegen Regenvorhersage

„Die Stimmung war trotz des Regens gegen Abend super“, findet Franz Karmann aus Heinrichsheim. „Während ich am Anfang noch sehr euphorisch war, fehlte die Luft nach der neunten Runde aber langsam“, gibt er zu. Dass nach 24 Stunden Sport nicht mehr alles rund lief, ist kein Wunder. Schließlich starteten alle Mitglieder der Neuburger Staffel mit Ausnahme von Thomas Huber zum ersten Mal bei einem derartigen Event. „Auch bei den letzten zwei Malen, an denen ich startete, herrschte eine tolle Stimmung. Jedoch hatte besonders ich aufgrund meines ersten Rennens große Befürchtungen, was die Regenvorhersage betraf“, erklärt Huber.

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Kurz nach seinem Einsatz genießt Franz Karmann die Massage des Neuburger Physiotherapeuten Manfred Appel.
Bild: Laura Freilinger

Der Anlass für die Teilnahme der fünf Freunde war der 50. Geburtstag des Rennrad-Fans Jürgen Obermaier aus Neuburg. Das neu gegründete Team „50 race“ überraschte ihn nicht nur mit der Anmeldung zu dieser Veranstaltung, sondern auch mit speziell angefertigten Trikots. „Das war ein super Geschenk, einfach etwas Besonderes. Wer solche Freunde hat, braucht aber auch keine Feinde mehr“, scherzt er müde nach den Anstrengungen. Trotz Erschöpfung glänzte er während des Rennens mit einem Rundendurchschnitt von 35,5 Kilometern pro Stunde und war somit das schnellste Teammitglied. „Mein absolutes Highlight war gleich die erste Runde. Da fährt man wirklich Vollgas bis zum Anschlag“, erinnert er sich stolz. Da stimmt ihm auch sein Freund Hans-Jürgen Freilinger zu. „Zwar waren nachts weniger Zuschauer da. Allerdings hatte ich oft Glück mit meinen Mitstreitern. Wenn man da mit 45 bis 50 km/h im Windschatten in die Pedale tritt, ist das ein wahnsinniges Gefühl.“ Dies erklärt auch, warum die Staffelfahrer selbst in den kurzen Pausen kaum Schlaf fanden. „Die Atmosphäre des Events und zusätzlich der Schlafentzug geben einem ständig Adrenalinschübe und halten wach. Und dann waren da neben Heizstrahlern noch einige Föhns, die die ganze Nacht zum Kleider trocknen durchliefen“, lacht Freilinger. Die Neuburger wurden nicht nur von ihrer eigenen kleinen Fangemeinde aus Freunden und Familie unterstützt, sondern auch von Physiotherapeut Manfred Appel. „Den Jungs geht es gut, die sind alle hoch motiviert“, resümiert er zufrieden, nachdem er die Sportler zwei Stunden massiert hatte.

Kehlheim im Ausnahmezustand

Bernhard Fleischmann vom Radiosender Bayern 3 moderierte im Bierzelt die Übergabe der jeweiligen Staffelstäbe. Dabei fuhren wie jedes Jahr auch Teilnehmer unter gewissen „Sonderbedingungen“ mit: Von Tandem-Pärchen über Lederhosen-Träger bis hin zu Oldtimer-Rädern konnten sich die Zuschauer kaum über fehlende Abwechslung beschweren. Außerdem nahmen am Rennen auch Radsport-Influencerin Maria Wilke, die im Damen-Einzel Rang drei belegte, und der österreichische Weltrekordhalter im 24-Stunden-Fahren, Christoph Strasser, teil.

Zum ersten Mal sieht auch der 19-jährige Tobias Egen aus Bergen zu. „Kelheim ist wirklich im Ausnahmezustand“, staunt er über die große Veranstaltung. Auch sein Freund Markus Obermaier, dessen Vater Jürgen gerade die neunte Runde fährt, ist überrascht: „Ich bewundere wirklich jeden, der eine solche Ausdauer hat und so etwas durchzieht.“


Um hektische Sportler beim Übergabepunkt auszubremsen, müssen diese zunächst ihr Rad über einen Baumstamm heben.
Bild: Laura Freilinger

Die große und besondere Ehre dieses Rennens ist es, die letzte Runde fahren zu dürfen. Diese gebührte schließlich Markus Häusler. „Es war ein schönes Gefühl, endlich ins Ziel zu fahren. Allerdings war der Kampfgeist bei den meisten Fahrern schon abgeflacht. Es ging nur noch darum, die letzte Runde zu beenden, weniger die beste Rundenzeit herauszuholen.“ Mit insgesamt 47 vollendeten Runden und damit über 780 gefahrenen Kilometern belegten die Neuburger von „50 race“ Platz 34 von insgesamt 113 Teams innerhalb der Herren-Teamwertung.

Wurden Reißnägel auf die Strecke gestreut?

Der zweite 2. Vorsitzende des Radsportvereins und zugleich „Renndirektor“, Thomas Kellerer, zog eine positive Bilanz. „Bis auf kleinere Stürze und einem Verdacht auf einen Schlüsselbeinbruch geht es allen gut.“ Allerdings gab es Gerüchte, dass gegen halb vier Uhr nachts Reißnägel auf die Strecke gestreut worden wären. „Mehrere Teilnehmer klagten über das Problem, aber wir haben keine Beweise“, erläutert Kellerer. Außerdem wären über Nacht auch zwei Rennräder geklaut worden.

Ob die Neuburger Staffel im nächsten Jahr im Juli wieder an den Start dieser „Tortour“ gehen wird, ist noch nicht sicher. „Es hat wirklich Spaß gemacht. Aber gerade bin ich einfach nur noch müde und freue mich auf meine Couch und ein Gläschen Rotwein“, lacht Obermaier.

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