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Football

19.03.2021

Football: Ingolstadt ist das "gallische Dorf“ der neuen Europaliga

In den Startlöchern: Eugen Haaf (links) wird die neu gegründeten Ingolstadt Praetorians als sportlicher Leiter und Trainer in die europäische Football-Liga führen. Das Foto zeigt ihn beim Einmarsch seines ehemaligen Teams, den Ingolstadt Dukes.

Plus Ab Juni geht eine neue europäische Football-Liga an den Start. Mit den Praetorians wird sich ein Team aus Ingolstadt mit den acht besten Mannschaften des Kontinents messen.

Die folgende Liste liest sich klangvoll: Berlin, Hamburg Frankfurt, Stuttgart. Auch Barcelona taucht darin auf. Weltbekannte Städte. Metropolen. Ingolstadt passt irgendwie nicht in diese Auflistung, zumindest auf den ersten Blick. Doch ab Juni werden diese Städte in einem Atemzug genannt, wenn es um die neu gegründete europäische Football-Liga geht. Denn mit den Praetorians wird sich ein Team aus Ingolstadt mit den besten Mannschaften des Kontinents messen dürfen. Als Trainer und sportlicher Leiter fungiert Eugen Haaf, der viel Arbeit und Herzblut in das Projekt steckt.

Wie sieht die Liga aus?

Football hat in Deutschland in den vergangenen Jahren einen Aufschwung erlebt. Die NFL – die amerikanische Football-Liga – ist jedes Wochenende auf ProSieben Maxx im deutschen Fernsehen zu sehen, die Übertragungen erreichen hohe Einschaltquoten. Als Experte wird der Football-Trainer Patrick Esume geschätzt, der den Sport in Deutschland nun auf ein neues, höheres Niveau heben will. Auf seine Initiative wird im kommenden Jahr die European League of Football (ELF) gegründet. „Ziel ist es, in Europa eine Top-Liga zu etablieren, den größten Talenten eine Bühne zu bieten mit professionellen Strukturen und diesen fantastischen Sport zu inszenieren, wie er es verdient“, erklärte Esume die Hintergründe des Projekts. Esume selbst wird dabei als Commissioner der Liga arbeiten. Die neue Liga, die im Juni den Spielbetrieb aufnehmen soll, erinnert in Grundzügen an ein Projekt, das vor vielen Jahren funktionierte. Die NFL Europe, die von der NFL finanziert wurde, stellte aber 2007 nach 15 Spielzeiten ihren Betrieb ein. Das kam damals überraschend, weil die Liga Aufmerksamkeit erhielt und Teams wie die Frankfurt Galaxy einen Zuschauerschnitt von knapp 30.000 erreichten. Die Frankfurt Galaxy werden auch jetzt wieder dabei sein, nachdem die NFL die Namensrechte freigegeben hat. Außerdem gehen in der neuen Liga die Barcelona Gladiators, ein Team aus Berlin, die Hamburg Sea Devils, die German Knights 1367 Niedersachsen, die Stuttgart Scorpions, die Wroclaw Panthers aus Polen und eben die Ingolstadt Praetorians an den Start. Langfristig soll die europäische Liga auf 24 Mannschaften aus möglichst vielen Ländern ausgebaut werden. „Patrick Esume möchte Football in Deutschland und Europa die Präsenz geben, die er verdient hat“, sagt Eugen Haaf. Die deutsche Bundesliga (GFL), in der er in den vergangenen vier Jahren mit den Ingolstadt Dukes antrat, hätte zuvor lediglich eine Randnotiz dargestellt. „Nur der German Bowl war im Fernsehen zu sehen, ansonsten liefen Live Streams im Internet.“ Dies sei künftig komplett anders. ProSieben Maxx wird jede Woche ein Spiel der europäischen Liga live im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. Haaf: „Die Spiele finden in einer Zeit statt, in der die NFL Pause hat. Dieses Loch wird gefüllt.“ Ziel ist es, der Liga professionelle Strukturen zu geben. „Dafür sind aber viele Etappen und Schritte nötig“, weiß Haaf, „wir sollten nicht rennen, bevor wir das Laufen anfangen.“

Warum ist Ingolstadt mit dabei?

Football hat sich in Ingolstadt in den vergangenen Jahren etabliert. Die Ingolstadt Dukes spielten in den vergangenen vier Jahren in der Bundesliga. Den ganzen Weg des Vereins mitgegangen ist Eugen Haaf, der die „Herzöge“ als Trainer und sportlicher Leiter von ganz unten über die 2. Liga in die höchste deutsche Liga führte. Haaf ist nun an der Gründung der Ingolstadt Praetorians beteiligt. „Wir sind von der EFL direkt angesprochen worden, ob wir dabei sind“, erzählt Haaf, „und die Idee und das Konzept haben uns sehr gut gefallen.“ Dennoch mussten er und seine Mitstreiter erst einmal abwägen, ob eine Teilnahme Sinn ergibt. „Letztlich haben wir uns auf das Abenteuer eingelassen. Uns gefällt der Grundgedanke einer europäischen Liga und die Reichweite, die durch Fernsehübertragungen möglich ist.“

Wie kam die Liga auf Ingolstadt? Zum einen aus sportlichen Gesichtspunkten, wie Haaf sagt. „Wir waren in den vergangenen vier Jahren dreimal das beste bayerische Team in der Bundesliga, haben uns einmal sogar für die Play-offs qualifiziert.“ Zum anderen aus logistischen Gründen. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass der FC Ingolstadt und auch die Stadt im ESV-Stadion die nötigen technischen Voraussetzungen für Live-Übertragungen geschaffen haben.“ Das geht noch auf die Zeit zurück, als der FCI noch nicht im Audi-Sportpark spielte. Haaf spricht gerne in Bildern und sagt zusammenfassend: „Ingolstadt stand auf dem Speiseplan. Die Ingredienzien, um es wohlschmeckend zu machen, waren vorhanden.“

Dennoch ist Haaf bewusst, dass Ingolstadt dem ersten Eindruck nach nicht in eine Liga, bestehend aus Teams aus zahlreichen Metropolen mit riesigem Einzugsgebiet, passt. „Wir sind in der ganzen Geschichte das gallische Dorf“, sagt er. Aber: „Wir sind die einzige Franchise in Bayern und verkörpern nicht nur die Stadt Ingolstadt, sondern die ganze Region Bayern.“

Wie der Name Ingolstadt Praetorians entstand

Auch die Ingolstadt Dukes wird es künftig weiterhin geben. Sie stellten sich neu auf und spielen künftig nicht mehr in der Bundesliga, sondern in der Regionalliga. „Es war für mich eine harte Entscheidung, die Dukes nach so vielen Jahren zu verlassen“, sagt Haaf. Mit den Dukes in der europäischen Liga anzutreten, war nicht möglich, weil sie eine Abteilung des TV Ingolstadt und damit ein Verein sind. Die Praetorians hingegen sind eine GmbH, die damit die Voraussetzung für die neue Liga erfüllt. Benannt sind die Praetorians im Übrigen nach der Gardetruppe der römischen Kaiser. Haaf: „Wir wollten einen Bezug zu Ingolstadt herstellen und sind nach vielen Überlegungen zu diesem Namen gekommen.“

Kader

Zunächst, das betont Haaf, sei die Entscheidung pro Europaliga auch wegen der Spieler gefallen. „Wir müssen über den Tellerrand hinausschauen, ich habe eine gewisse Verantwortung für meine Spieler.“ Durch das neue Projekt ergäben sich ganz andere Möglichkeiten. „Die Spieler investieren viel Zeit in den Football. Nun bekommen sie durch Live-Spiele im Fernsehen eine größere Plattform, alles bewegt sich in Richtung Professionalität.“ Mit welchem Kader die Praetorians die Saison in Angriff nehmen, ist noch in Planung. Haaf wird viele Spieler der Dukes mitnehmen, außerdem werden mehrere Probetrainings (sogenannte Tryouts) stattfinden. Ein Unterschied zu Bundesligazeiten ergibt sich durch die zusätzliche Begrenzung von Amerikanern in der Liga. Die EFL will einheimische Spieler fördern, weswegen lediglich zwei US-Amerikaner zeitgleich auf dem Feld stehen dürfen. Bei der Kaderplanung wird Haaf seine vielen Kontakte und seinen guten Ruf, den er in der Branche besitzt, nutzen. So gelang es ihm etwa, den ehemaligen Dukes-Akteur Christopher Ezeala für die Praetorians zu verpflichten. Der Münchner, der 2017 an der Donau spielte, stand zuletzt in der NFL im Kader der Baltimore Ravens, für die es allerdings nicht für einen Einsatz gereicht hat.

74 Spieler stehen im Moment im Aufgebot der Preatorians, nach den Tryouts kommen noch einige hinzu. Die 65 besten werden sich letztlich durchsetzen und in der ersten EFL-Saison mit dabei sein. „Es ist viel Arbeit, den Kader – gerade die deutschen Spieler betreffend – zusammenzustellen“, sagt Haaf.

Stadion

Die Dukes trugen ihre Heimspiele im ESV-Stadion aus, der Zuschauerschnitt bewegte sich zwischen 1000 und 2000, bei Spitzenspielen waren es an die 3000. Auch die Praetorians werden im ESV-Stadion spielen. „Wir fühlen uns dort sehr wohl und gut aufgehoben“, sagt Haaf, „es herrscht eine tolle Atmosphäre.“ Noch weiß niemand, wie die neue Liga von den Menschen angenommen wird. Könnte nicht auch der Audi-Sportpark, der ein größeres Fassungsvermögen und mehr Komfort bietet – irgendwann ein Thema werden. „Daran haben wir noch keinen Gedanken verschwendet“, sagt Haaf. „Demut tut manchmal ganz gut. Wir sollten auf dem Teppich bleiben, für den Start passt das ESV-Stadion.“ Was die Zukunft bringt, ist offen. Haaf erhofft sich jedenfalls bei Spielen gegen Teams wie Barcelona oder Frankfurt, die neben Stuttgart mit Ingolstadt die Südgruppe bilden, gesteigertes Zuschauerinteresse. Zumal die Praetorians das einzige bayerische Team sind und nicht nur Ingolstädter Publikum angesprochen werden soll.

Corona

Corona bestimmt das Weltgeschehen und erschwert den Start in die neue europäische Football-Liga. Sind überhaupt Zuschauer erlaubt? Wenn ja, wie viele? Haaf kann keinen Einfluss nehmen, lässt sich dadurch aber nicht verunsichern. „Die Planungen müssen dennoch weiterlaufen. Wir sind bereit, kratzen mit den Hufen, wollen loslegen und Vollgas geben.“

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