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Fußball

21.09.2020

Fußball unter erschwerten Bedingungen

Ungewohnte Pausen-Besprechung: Rohrenfels’ Trainer Ralf Palfy stimmt sein Team im Freien auf die zweite Hälfte gegen den VfR Neuburg II ein. Ein Bild, das es jedoch bei kaltem und regnerischem Wetter kaum noch geben dürfte.
Bild: Dirk Sing

Plus Besprechungen im Freien, Kontaktdatenerfassung, Mindestabstände und Hände desinfizieren. Seit Corona geht es bei einem Fußballspiel um mehr als Tore. So ist es den lokalen Vereinen gelungen, das Hygienekonzept umzusetzen.

Am vergangenen Wochenende hatte das monatelange Warten für die bayerischen Amateurfußballer endlich ein Ende. Seit Samstag wird in den jeweiligen Ligen wieder um Punkte gespielt – und das auch noch mit (maximal 200) Zuschauern! Voraussetzung dafür ist allerdings ein umfangreiches und anspruchsvolles Hygiene-Konzept, das die Vereine vor Ort entsprechend in die Tat umsetzen müssen. Wir haben uns nach dem Auftakt bei einigen Klubs im NR-Verbreitungsgebiet umgehört.

SC Rohrenfels

Wer nach mehreren Monaten (Zwangs-)Abstinenz am Sonntag auf den Sportplatz des SC Rohrenfels kam, um sich dort das A-Klassen-Spitzenspiel zwischen dem heimischen SCR und VfR Neuburg II anzusehen, den erwartete – im Vergleich zu den bisherigen „gewohnten“ Partien – ein deutlich verändertes Umfeld. Gleich beim Betreten der Sportanlage musste jeder Besucher an der provisorisch aufgebauten Kasse – selbstverständlich mit Mund-Nasen-Schutz (durfte dann am Platz abgenommen werden) – seine Kontaktdaten für eine mögliche Nachverfolgung in Sachen Corona abgeben. Zudem wurde das gesamte Areal in drei Zonen – teilweise mit Absperrbändern – unterteilt: Während „Zone eins“ den Bereich rund um die Auswechselbänke, in dem sich ausschließlich Spieler, Trainer und Betreuer aufhalten durften, und „Zone zwei“ den Kabinentrakt beinhalteten (hierfür wurde ein eigener Hygiene-Beauftragter abgestellt), bildete der gesamte Zuschauer- und Tribünen-Bereich die „Zone drei“. Darüber hinaus wurde auch der Gastronomie-Bereich strengen Regeln wie beispielsweise das Tragen einer Maske im kompletten Gebäude, einem Plexiglas-„Spuckschutz“ an der Theke, Einweg-Handschuhen für die Mitarbeiter sowie in Frischhalte-Folie eingepackte Wurstsemmeln unterworfen.

„Im Gegensatz zu den vorangegangenen Testspielen stellt das Ganze mit Sicherheit nochmals eine deutlich größere Heraus- und Anforderung dar“, sagt Stefan Wiedenhöfer. Trotz des großen Aufwands sieht der 1. Vorsitzende seinen SC Rohrenfels allerdings gut gerüstet – und das gleich aus zweierlei Gründen! „Zum einen haben wir den großen baulichen Vorteil, dass wir diese Maßnahmen auf unserer Anlage sehr gut umsetzen können. Zum anderen beschäftigen wir uns aber auch schon seit einigen Monaten mit diesem Thema, um für den Tag X, der glücklicherweise am Sonntag eingetreten ist, bestens vorbereitet zu sein“, erklärt Wiedenhöfer.

Nahezu im Zwei-Wochen-Rhythmus habe es in den zurückliegenden Wochen und Monaten Video-Konferenzen unter den Verantwortlichen gegeben, um die jeweiligen Vorgaben seitens der Staatsregierung entsprechend rasch anzupassen. „Man muss wirklich sagen, dass unsere Mitglieder das ganz toll gemacht haben“, lobt der Vereinschef, der in seinem „Corona-Orga-Team“ auf insgesamt 30 Mitarbeiter zurückgreifen kann. „Bei einem Heimspiel sind dann immer acht Ordner beziehungsweise Helfer im Einsatz“, so Wiedenhöfer weiter.


Bild: Dirk Sing


Dass das genaue Umsetzen dieser Maßnahmen freilich auch eine finanzielle Mehrbelastung für die Vereine darstellt, kann der 1. Vorsitzende des SCR indes nur bestätigen. „Wenn man alles zusammenrechnet, haben wir bislang mit Sicherheit schon rund 1500 Euro – sei es für Desinfektionsmittel oder- spender, Einweg-Handtücher sowie Plexiglas-Abtrennungen – zusätzlich ausgegeben, was für einen kleinen Klub natürlich schon sehr viel Geld ist, das man erst einmal wieder einnehmen muss.“ Der größte Teil dieses Desinfektionsmittels käme dabei in den Umkleidekabinen, genauer gesagt den jeweiligen Dusch-Bereichen, zum Einsatz. „Hier sind die Spieler allerdings selbst gefordert, nach jedem Dusch-Vorgang die Nasszellen zu desinfizieren. Darauf haben wir auch die Gast-Mannschaft hingewiesen“, sagt Wiedenhöfer, der zudem darauf verweist, „dass wir ebenso miteinbezogen haben, dass der Kabinen-Bereich deutlich entzerrt wurde und während des Trainings oder den Spielen regelmäßig durchgelüftet wird“.

In der Halbzeit-Pause der A-Klassen-Partie gegen den VfR Neuburg II kamen indes beide Mannschaften der Empfehlung des Hygiene-Konzepts des Bayerischen Fußball-Verbandes nach, die 15-minütige Besprechung im Freien abzuhalten – was bei den angenehmen sommerlichen Temperaturen am Sonntag freilich kein Problem war. Doch was passiert, wenn es – wie am kommenden Wochenende vorhergesagt – deutlich kälter wird und regnet? „Auch darauf sind wir vorbereitet, um dann die Vorgaben des BFV wie gefordert umzusetzen“, betont Wiedenhöfer.

TSV Burgheim

Beim TSV Burgheim fanden am Sonntag zwei Spiele direkt hintereinander statt. Zunächst traf die Zweite auf die SpVgg Joshofen-Bergheim II, dann trat die Erste gegen den SSV Alsmoos-Petersdorf an. Dem TSV kam dabei das neu gebaute Vereinsheim zugute, wie Abteilungsleiter Matthias Karmann sagt. „Wir haben vier Kabinen und genügend Fläche, damit sich weder die Mannschaften untereinander noch mit den Zuschauern über den Weg laufen.“

Der eigentliche Ausgang für die Spieler wurde gesperrt, um den Zuschauern den Gang zu den Toiletten zu ermöglichen. Stattdessen nutzten die Akteure den Hinterausgang des Heims. Den organisatorischen Aufwand für den Verein bezeichnet Karmann als „in Ordnung, weil wir genügend ehrenamtliche Helfer in den eigenen Reihen haben.“ Somit konnten die Daten der Zuschauer problemlos aufgenommen und die Gastronomie geregelt werden. Das Vereinsheim war für den Verbleib gesperrt, für den Essens- und Getränkeverkauf wurde ein Rundgang mit verschiedenem Ein- und Ausgang installiert. Im Inneren herrschte Maskenpflicht, im Freien sei das „kaum zu kontrollieren“, wie Karmann einräumt. Beim Einhalten des vorgeschriebenen Mindestabstands appelliert Karmann an die Vernunft der Menschen. „Zwischendurch haben wir darauf hingewiesen, dass zwischen den Sitzen ein Platz freigelassen wird.“ Aber über die kompletten 90 beziehungsweise 180 Minuten lasse sich das nicht kontrollieren. Auch wenn in Burgheim alles funktioniert habe, ist Karmann für die kommenden Wochen skeptisch. „Wenn das Wetter schlechter wird, sind die Vorgaben des Verbandes auch für uns schwierig umzusetzen“, sagt er. Unter dem Vordach des Vereinsheims könnte bei Regen ein Gedrängel unter den Zuschauern entstehen. Für die Mannschaftsbesprechungen stünde dann zumindest eine „große Turnhalle“ im Heim zur Verfügung, in der die Abstände eingehalten werden könnten. Ob andere Vereine in der Region die Vorgaben umsetzten können, wisse er nicht, so Karmann. Aber: „Es wird im Herbst sicherlich einige Spielabsagen geben.“

DJK Langenmosen

Die DJK Langenmosen sagte das Heimspiel der zweiten Mannschaft am Sonntag gegen die SG Mauerbach ab, weil das Hygienekonzept nicht umgesetzt werden konnte. „Uns war die Vorlaufzeit zu kurz“, sagt Vorsitzender Andreas Baierl. „Zum einen wollten wir uns erst mit den Rahmenbedingungen vertraut machen, zum anderen werden einige Helfer benötigt.“ Einige Punkte des Konzepts – etwa das Duschen – hätten sich in einer „Grauzone“ bewegt. „Das war uns zu heikel, weil wir schließlich in der Verantwortung stehen.“ Für das kommende Wochenende, an dem die Zweite gegen den SV Hörzhausen spielt und die Erste den TSV Burgheim empfängt, ist er hingegen zuversichtlich. „Ich bin optimistisch, dass wir das Hygienekonzept erfüllen können und spielen.“

SV Wagenhofen

„Alles hat funktioniert, mit den nötigen Wartezeiten“, sagt Abteilungsleiter Michael Neff. Das Spiel der ersten Mannschaft gegen die SpVgg Joshofen-Bergheim hatte der Verein extra nach hinten auf 15.30 Uhr verlegt, um genug „Puffer“ zur Partie der Reserve zu haben. „Wir mussten warten, bis die Mannschaften und Schiedsrichter der ersten Partie komplett draußen waren, um die Kabinen desinfizieren zu können.“ Da in Wagenhofen nur zwei große Kabinen zur Verfügung stehen, wären als Anstoßzeiten 12 und 15.30 Uhr künftig besser, so Neff. Um von den Zuschauern die Daten erfassen zu können, gab es in Wagenhofen lediglich einen Eingang, alles andere wurde abgesperrt. „Das ist zwar mühsam, der Aufwand bei 80 Zuschauern aber überschaubar.“ Im Vorfeld wurden, so Neff, Markierungen angebracht und die Wege zu den Kabinen mit Pfeilen gekennzeichnet. „Bei uns waren sechs Helfer im Einsatz. Der Zeitaufwand ist natürlich da, auch finanziell waren zusätzliche Ausgaben zu tätigen.“ Einnahmeverluste im Gegensatz zu einem „normalen Fußballspiel“ habe es beim Getränke- und Essensverkauf gegeben, der aus einer Hütte ins Freie durchgeführt wurde. Probleme sieht Neff in den kommenden Wochen auf einige Vereine zukommen, wenn das Wetter schlechter wird. Bisher müssen die Spieler etwa die Halbzeitpause im Freien verbringen. „Wir haben zu wenige Unterstellmöglichkeiten für beide Mannschaften“, sagt Neff. „Wir können ja schlecht ein Team auf die Terrasse schicken und das andere im Regen stehenlassen.“ Auch wenn er es sich wünsche, hat Neff große Zweifel, „dass das alles bis Ende Oktober durchgezogen werden kann“.


Bild: Daniel Worsch

BSV Neuburg

Ein positives Fazit konnten die Verantwortlichen des BSV Neuburg nach der Kreisklassen-Partie gegen die zweite Vertretung des FC Ehekirchen ziehen. „Mit zwei Mannschaften, sprich einer Begegnung, konnten wir das vorgegebene Hygiene-Konzept nach bestem Wissen und Gewissen umsetzen“, berichtet BSV-Abteilungsleiter Thomas Eubel. Als „Glücksfall“ erwies sich dabei die Tatsache, dass das ursprünglich zuvor angesetzte A-Klassen-Match der „Zweiten“ aufgrund von Personalmangel verschoben werden musste. „Man muss schon ehrlich sagen, dass das Ganze mit vier Teams auf der Anlage kaum durchführbar gewesen wäre“, so Eubel weiter.

Bereits im Vorfeld wurde ein detaillierter „Schlachtplan“ entworfen, der auch den Gästen aus Ehekirchen vor der Austragung dieser Begegnung ausgehändigt wurde. Dieser sah unter anderem vor, dass im kompletten Bereich des Vereinsheims Masken-Pflicht vorherrscht. „Zudem haben wir die Kabinen-Situation entzerrt“, berichtet der BSV-Fußballchef. Während sich die FCE-Kicker in den „vorderen“ beiden Kabinen ausbreiten und umziehen sowie den nahe gelegenen Ausgang zum Fußballplatz nutzen konnten, gingen die Hausherren auf Abstand. „Wir haben uns im hinteren Bereich umgezogen und auch den Ein- und Ausgang durch die Garage benutzt“, erklärt Eubel. Jede Menge Geduld war dann nach dem Schlusspfiff beim Duschen gefragt. „Es gab von unserer Seite die Vorgabe, dass sich immer nur ein Spieler im jeweiligen Dusch-Bereich aufhalten darf. Das hat zwar sehr viel Zeit in Anspruch genommen, war aber aus unserer Sicht die beste und sicherste Lösung.“

Für die Zuschauer hatte der Verein – quasi zur ständigen Erinnerung – rund um den Platz Hinweisschilder in Sachen Mindestabstand aufgestellt. „Auch wenn ich während der 90 Minuten auf dem Platz war: Was ich in dieser Zeit gesehen habe, hat das eigentlich recht gut geklappt – wobei hier natürlich auch der gesunde Menschenverstand der Leute eine entscheidende Rolle spielt. Man kann ja nicht im Minuten-Takt um den Platz laufen und die Zuschauer ständig ermahnen, dass sie den Mindestabstand einhalten sollen“, meint Eubel.

Auch wenn die Premiere trotz des „finanziellen Mehraufwands“ durchaus als geglückt bezeichnet werden darf, sieht Eubel die wirklichen Probleme erst noch auf die Vereine zukommen. „So lange das Wetter gut ist, kann man in der Halbzeitpause draußen bleiben oder mit dem Duschen auch etwas länger warten. Sobald es aber draußen kalt und regnerisch wird, haben wir eine ganz andere Situation. Ich bin wirklich gespannt, wie sich das Ganze dann entwickelt beziehungsweise umgesetzt werden kann.“

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