Newsticker

Deutschland macht 2020 fast 218 Milliarden Euro Schulden
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Lokalsport
  4. „Im Eishockey sind die Jungs einfach entspannter“

Interview

25.05.2020

„Im Eishockey sind die Jungs einfach entspannter“

Auch in seiner Karlshulder Versicherungs-Agentur dreht sich bei Horst Fuchs alles um das Thema Eishockey. Als Dank für seine zuverlässige Arbeit bekam er von NHL-Superstar Leon Draisaitl (rechts) ein handsigniertes National-Trikot sowie von Goalie Philipp Grubauer (vom NHL-Verein Colorado Avalanche (links) einen Torhüter-Schläger überreicht.
Bild: Dirk Sing

Exklusiv Der Obermaxfelder Horst Fuchs war von 2006 bis 2012 Team-Manager beim FC Ingolstadt. Seit 2018 arbeitet er in gleicher Funktion für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft. Welches große Ziel der 48-Jährige vor Augen hat.

In der Region ist Horst Fuchs alles andere als ein Unbekannter. Zwischen 2006 und 2012 arbeitete der 48-Jährige, der in Obermaxfeld lebt und in Karlshuld eine Versicherungs-Agentur betreibt, als Team-Manager des FC Ingolstadt, ehe er im Jahr 2018 quasi die Sportart wechselte. Seitdem leitet er in gleicher Funktion die Geschicke der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, mit der Fuchs bereits an zwei Weltmeisterschaften teilnahm. Wir haben uns mit ihm über seinen Job unterhalten.

Herr Fuchs, mal Hand auf’s Herz: Angenommen, im TV würden zeitgleich die Endspiele der Fußball- und Eishockey-Weltmeisterschaft übertragen: Für welches Highlight würden Sie sich entscheiden?

Fuchs: Fairerweise muss ich sagen, dass ich in diesem Fall erst einmal schauen würde, welche Nationen daran beteiligt wären. Wäre Deutschland in beiden Begegnungen vertreten, würde ich sicherlich hin- und herschalten. Das würde ich aber auch in der Kombination Handball/ Eishockey oder Handball/Fußball machen, da ich einfach ein Sportverrückter bin (lacht).

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Was macht den Fußball-Sport auf der einen und das Eishockey auf der anderen Seite für Sie aus?

Fuchs: Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass beide Sportarten voneinander lernen können. Was mich speziell im Eishockey beeindruckt, ist die allgemeine Gelassenheit, ohne dabei den Fokus auf das Wesentliche zu verlieren. Über den Fußball muss man eigentlich gar nicht viel sagen. Er ist nach wie vor die Sportart Nummer eins in unserem Land, der die breite Masse elektrisiert.

Sie sind seit April 2018 als Team-Manager der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft tätig. Wie kam es überhaupt zu diesem Engagement?

Fuchs: Nun, seit unserer gemeinsamen Zeit beim FC Ingolstadt ist der Kontakt mit dem jetzigen DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel (der Sportwissenschaftler war von 2009 bis 2011 als Fitness-Trainer beim FCI tätig, Anm. d. Red.) eigentlich nie verloren gegangen. Vor rund zwei Jahren hat mich Stefan dann angesprochen, ob ich mir es vorstellen könnte, als Team-Manager bei der Eishockey-Nationalmannschaft zu arbeiten. Nachdem ich mir das Ganze ein paar Tage durch den Kopf gehen ließ, folgte schon das erste gemeinsame Treffen mit dem damaligen Bundestrainer Marco Sturm, Christian Künast (U20-Nationalcoach) und Stefan Schaidnagel am Münchner Flughafen, um zu sehen, ob auch die Chemie zwischen uns passt. Nach einer weiteren Bedenkzeit für beide Seiten ging dann im April alles sehr schnell und ich bin zur WM-Vorbereitung des DEB-Teams dazugekommen.

Nachdem Sie zuvor ja ausschließlich im Fußballgeschäft tätig waren: Wie schwer ist Ihnen die Umstellung zum Eishockey gefallen?

Fuchs: In den Jahren zuvor hatte ich das Eishockey schon etwas verfolgt – in erster Linie natürlich den ERC Ingolstadt, wo ich des Öfteren bei Heimspielen in der Saturn-Arena war. Aber natürlich auch den sensationellen Auftritt der Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea. Da bin ich – ebenso wie ganz viele Landsleute – in der Nacht aufgestanden, um mir das Finale anzusehen. Trotz allem hatte ich ehrlicherweise im Vorfeld schon etwas Bammel, da ich die ganzen Charaktere überhaupt nicht kannte. Als ich dann am Samstagmorgen zur WM-Vorbereitung in Dresden angereist bin, wo gleich am Abend das erste Testspiel in Weißwasser und tags darauf das nächste Match in Dresden selbst anstanden, war ich von der ersten Minute an voll integriert – sei es bei den Spielern oder dem gesamten Staff drumherum. Das hat mir den Einstieg unheimlich einfach gemacht.

Welche Aufgaben hat ein Team-Manager der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft eigentlich inne?

Fuchs: Meine Auffassung ist: Alles, was bis zur Bande geht, liegt letztlich in meinem Aufgabenbereich. Sobald die Spieler das Eis betreten, sind ausschließlich die Trainer zuständig. Wenn man so will, dann kümmere ich mich um die gesamte Organisation. Sprich: Wenn ein Spieler nominiert ist, bekommt er im Idealfall von dem Zeitpunkt an, wo er daheim seine Haustüre zusperrt bis zu seiner Rückkehr einen roten Leitfaden. Da geht es beispielsweise um die An- und Weiter-Reise, Ausrüstung, Hotels oder auch die Buchung von Eis- und Trainingszeiten vor Ort. Wir haben natürlich mehrere Leute in unserem Staff, die sich darum kümmern. Die Verantwortung, dass alles klappt, liegt aber letztlich bei mir.

Vor Ihrem jetzigen Engagement bei der DEB-Auswahl waren Sie von 2006 bis 2012 in gleicher Funktion beim FC Ingolstadt tätig. Wo liegen die Hauptunterschiede zwischen diesen beiden Team-Manager-Jobs?

Fuchs: Da gibt es schon deutliche Differenzierungen. Beim FC Ingolstadt ist man während der Saison eigentlich täglich beschäftigt – sei es bei Trainings oder man ist permanent bei Heim- und Auswärtsspielen unterwegs. Hinzu kommt, dass man beispielsweise auch bei der Abwicklung von Transfers integriert war. Letzteres habe ich ja bei der Eishockey-Nationalmannschaft zum Glück nicht (lacht). Hier beschränkt sich das Ganze auch zeitlich auf einen gewissen Rahmen.

Kann man denn allgemein sagen, worin sich der Fußballer von einem Eishockey-Spieler unterscheidet?

Fuchs: Ich denke, dass es auf beiden Seiten diese und jene Charaktere gibt. Grundsätzlich ist es ja so, dass die Kabine vieles regelt. Den Eindruck, den ich bislang gewonnen habe: Im Eishockey sind die Jungs einfach ein bisschen entspannter. Das ist jetzt überhaupt nicht negativ gemeint. Ganz im Gegenteil. Ich bin sogar der Meinung, dass der Fußball in diesem Bereich vom Eishockey lernen kann. Es geht darum, dass man nicht immer alles infrage stellt beziehungsweise auch bei einem Problem positiv an die Sache herangeht und überzeugt ist, dass dieses auch gelöst wird.

Sie sind ja erst nach dem Silbermedaillen-Gewinn bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang als Team-Manager zur DEB-Auswahl gestoßen. Bedauern Sie es, dass es nicht schon einige Monate vorher mit Ihrer Verpflichtung geklappt hat?

Fuchs: Ohne Wenn und Aber ist es zum jetzigen Zeitpunkt definitiv mein großes Ziel, bei den Olympischen Spielen 2022 dabei zu sein. Aber klar, die Jungs haben in Südkorea einfach genial abgeliefert. Der Grundstein dazu wurde in meinen Augen jedoch schon vorher durch Sportdirektor Stefan Schaidnagel, der einen neuen Weg eingeschlagen hat, gelegt. Auch wenn ich letztlich nichts dazu beigetragen habe, war ich schon sehr stolz, Team-Manager der Mannschaft des Jahres 2018 in Deutschland zu sein. So etwas hatte ich zuvor noch nie (lacht).

Nachdem Marco Sturm im November 2018 als Assistenz-Trainer in die NHL (Los Angeles Kings) gewechselt ist, fungiert seitdem Toni Söderholm als deutscher Nationalcoach. Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit beiden beschreiben?

Fuchs: Natürlich sind beide unterschiedliche Charaktere. Während ’Sturmi’ ein sehr offener Typ ist, wirkt Toni auf den ersten Blick vielleicht etwas zurückhaltend. Doch man merkt dann sehr schnell, dass er ein herzensguter und lustiger Mensch ist, mit dem man ganz viel Spaß haben kann. Sowohl mit Marco als auch jetzt mit Toni war und ist die Zusammenarbeit schlichtweg fantastisch. Das ist für mich persönlich auch extrem wichtig. Denn würde die Chemie nicht stimmen, wären sechs Wochen WM-Vorbereitung inklusive Turnier eigentlich nicht zu machen.

Wenn man mit den deutschen Nationalspielern spricht, schwärmen diese in der Regel immer von der einzigartigen Team-Chemie. Können Sie das bestätigen?

Fuchs: Absolut! Vielleicht liegt das ja letztlich auch an diesem bestimmten „Eishockey-Charakter“. Da ist einfach Leben drin. Wissen Sie, wer zur Nationalmannschaft kommt, muss das gerne tun und stolz darauf sein, unabhängig von irgendwelchen Geldern für sein Land spielen zu dürfen. Das merkt man schon in der Kabine, in der immer eine überragende Stimmung ist. Da ist kein Stinkstiefel dabei – und wäre das doch einmal der Fall, würden die Jungs das intern klären.

Als Team-Manager waren Sie bislang bei zwei Weltmeisterschaften (2018 in Dänemark und 2019 in der Slowakei) vertreten. Wie war für Sie diese Erfahrung, bei solchen Großevents dabei zu sein?

Fuchs: Nun, 2018 war für mich ja alles noch neu. Da musste ich nach der Weltmeisterschaft für mich persönlich erst einmal alles verarbeiten und sacken lassen. Auch wenn ich heute noch dran denke, bekomme ich eine Gänsehaut. Wer bekommt schon die Möglichkeit, sein Land bei einer derartigen Veranstaltung zu vertreten? Ein Jahr später in Kosice war die Situation dann schon eine andere. Wir hatten uns in vielen Dingen – auch im Organisatorischen – weiterentwickelt und konnten daher von diesen Erfahrungen profitieren. Gerade bei uns im Staff hat sich schon eine gewisse Routine eingestellt, da jeder wusste, wie der andere funktioniert. Und das ist natürlich schon ein großer Vorteil und erleichtert vieles.

Eigentlich hätte am Sonntag (24. Mai) das Endspiel der Eishockey-Weltmeisterschaft 2020 in der Schweiz stattfinden sollen. Aufgrund der Corona-Krise wurde die komplette Veranstaltung jedoch abgesagt. Hat Ihnen der „positive“ Stress und die Arbeit mit dem DEB-Team während der Vorbereitung und des Turniers irgendwie gefehlt?

Fuchs: Wenn gerade keine Olympischen Spiele anstehen, dann ist die Weltmeisterschaft zweifelsohne das Event, auf das man das ganze Jahr hinarbeitet. Und wenn dieses dann plötzlich nicht stattfindet, vermisst man selbstverständlich schon etwas. Aber klar, in der momentanen Situation mit dem Coronavirus, in der wir uns befinden, gibt es definitiv wichtigere Dinge. Von dem her schwächt es die Enttäuschung, dass wir in diesem Jahr nicht spielen können, sicherlich etwas ab.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren