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Neuburger Volksfestboxen

04.08.2019

Lehrgeld auf der „großen Bühne“

Volle Hütte: Über 600 Zuschauer drängten sich am Sonntagvormittag auf dem Neuburger Volksfest ins Lanzl-Festzelt, um sich dort den Box-Vergleichskampf zwischen dem heimischen Box-Club Neuburg und dem Polizei-SV Augsburg anzuschauen. Am Ende der dreistündigen Veranstaltung hatten die Fuggerstädter mit 12:6 die Nase vorne.
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Volle Hütte: Über 600 Zuschauer drängten sich am Sonntagvormittag auf dem Neuburger Volksfest ins Lanzl-Festzelt, um sich dort den Box-Vergleichskampf zwischen dem heimischen Box-Club Neuburg und dem Polizei-SV Augsburg anzuschauen. Am Ende der dreistündigen Veranstaltung hatten die Fuggerstädter mit 12:6 die Nase vorne.
Bild: Roland Geier

Bei der 6:12-Niederlage des BC Neuburg gegen den PSV Augsburg kommen vor über 600 Zuschauern auch vier einheimische Akteure zum Einsatz. Der 13-jährige Erik Aram hat bei seinem Debüt das Glück nicht auf seiner Seite

Ein Volksfest in Bayern ohne Bierzelt-Boxen? In früheren Jahren beziehungsweise Jahrzehnten nahezu undenkbar. Die Kämpfe inmitten des Zeltes zwischen zwei Boxstaffeln gehörten zum Volksfest wie das Bier, die Karussells oder Losbuden. Auch in Neuburg hatte der sportliche Wettkampf am Sonntagvormittag speziell vor und um die Jahrtausendwende enorme Tradition. In den zurückliegenden Jahren scheint der „boxerische Frühschoppen“ jedoch seine Anziehungskraft in den bayerischen Bierzelten etwas verloren zu haben.

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Diesbezüglich scheint Neuburg fast schon eine überaus positive Ausnahme-Erscheinung zu sein. Nach zuvor mehrjähriger „Zwangspause“ hatte sich der ruhmreiche Boxclub Neuburg 2018 mit einem Vergleichskampf gegen den BC Weißenburg erfolgreich zurückgemeldet. Nachdem vor zwölf Monaten bereits 400 Zuschauer die „geliebte Tradition“ im Lanzl-Festzelt wieder aufleben ließen, entschieden sich die BCN-Verantwortlichen um ihren 1. Vorsitzenden Arnold Grochla in diesem Jahr für eine Neuauflage – diesmal gegen den Polizei-SV Augsburg! Dass Grochla bereits während der rund dreistündigen Veranstaltung, die der ehemalige Neuburger Schwergewichtsboxer Wolfgang Köhler wie gewohnt als kompetenter Ringsprecher begleitete, über das ganze Gesicht strahlte, hatte vor allem zwei Gründe: Zum einen boten die insgesamt zehn Kämpfe einen abwechslungsreichen und zuweilen auch hochklassigen Boxsport. Zum anderen war das Zelt mit über 600 Zuschauern derart gut gefüllt, dass die BCN-Helfer sogar kurzfristig zusätzliche Sitzmöglichkeiten rund um den Ring schaffen mussten.

„Nachdem wir dieses Event im vergangenen Jahr nach der langen Pause quasi wiederbelebt haben, hat sich das bei vielen Leuten herumgesprochen. Um so schöner, dass diesmal noch mehr Leute als beim vergangenen Mal gekommen sind“, freute sich Grochla. Dabei hätten es am Ende sogar noch mehr Besucher sein können. Doch einige Neugierige machten spätestens an den Kassen der jeweiligen Eingänge Halt. „Viele Leute wissen nicht, dass eine derartige Veranstaltung mit hohen Kosten für uns verbunden ist. Sowohl der Gegner als auch unsere Gast-Boxer kommen schließlich nicht umsonst. Schließlich wollen wir unserem Publikum auch attraktiven Boxsport bieten. Aber auch Punkt- und Ringrichter müssen entsprechend bezahlt werden“, erklärt Grochla.

Lehrgeld auf der „großen Bühne“

Wer am Sonntag hingegen seinen Eintritt entrichtet und den Vergleichskampf gegen Augsburg besucht hatte, bekam indes eine abwechslungsreiche und kurzweilige Show geboten. Neben dem sicherlich hochklassigsten Duell zwischen dem BCN-Gastboxer und amtierenden bayerischen Meister Sherzada Mierweiss und seinem PSV-Kontrahenten Amin Ahmed, seines Zeichens schwäbischer Titelträger im Junioren-Weltergewicht, das Mierweiss zu seinen Gunsten entschied, standen vor allem die Auftritte der vier einheimischen Athleten Sahid Bayat, Erik Aram, Nadim Merzai und Hazim Nerdivan im Mittelpunkt. Auch wenn sich das Neuburger Quartett jeweils geschlagen geben musste, gab es von den eigenen Anhängern jede Menge Beifall und aufmunternde Worte.

Musste sich nach drei spannenden Runden geschlagen geben: Lokalmatador Sahid Bayat.
Bild: Roland Geier

„Insgesamt bin ich mit meiner Leistung schon zufrieden – auch wenn man nach einer Niederlage immer das Gefühl hat, dass man mehr hätte machen können“, resümierte Bayat, für den es der siebte Kampf in seiner Karriere war. Neben der „immer dünner werdenden Luft“ hatte der 20-Jährige auch mit seinem um einen Kopf größeren Widersacher Michael Ries, der zudem sechs Jahre älter war, entsprechend zu kämpfen. „Ich wollte seine Reichweiten-Vorteile dadurch ausgleichen, dass ich mehr in den Infight gehe. Leider hat das in den drei Runden nicht ganz so geklappt, wie ich mir es vorgenommen hatte“, so Bayat. „Besonders schmerzlich“ sei diese Niederlage vor allem in einem Punkt: „Meine ganze Familie war da und hat zugeschaut. Da ist es natürlich besonders bitter, wenn man im Ring steht und verliert.“

Hatte das Glück nicht auf seiner Seite: Der 13-jährige Erik Aram (links) vom BC Neuburg.
Bild: Roland Geier

Während Bayat bei seinen sieben Kämpfen immerhin schon wichtige Erfahrungen sammeln konnte, betrat sein Vereinskamerad Erik Aram am Sonntag absolutes Neuland. Sprich: Der 13-Jährige absolvierte ausgerechnet auf dem Neuburger Volksfest seinen allerersten Wettkampf. „Bis zur Mitte der ersten Runde war ich schon ziemlich aufgeregt. Danach war es aber vorbei, da man sich ausschließlich auf seinen Gegner konzentriert“, berichtet der Youngster. Auch sein Plan, den er sich im Vorfeld dieses Duells gegen den Augsburger Nabilada Modaser zurechtgelegt hatte („Aufgrund der stickigen Luft wollte ich langsam anfangen und konzentriert bleiben, damit mir hinten raus die Luft nicht ausgeht.“), schien durchaus aufzugehen. Doch eine strittige Verwarnung des Ringrichters sowie ein damit verbundenes enges Urteil zugunsten des PSV-Akteurs sorgten dafür, dass Aram unter den Augen seines Vaters („Meine Mama wollte sich den Kampf nicht anschauen.“) unglücklich den Kürzeren zog.

Lehrgeld auf dem Weg zu einer möglicherweise großen Karriere mussten indes noch Nadim Merzai und Hazim Nerdiwan zahlen. Während die Trainer des 24-jährigen Merzais in der zweiten Runde aufgrund der Überlegenheit des Gegners völlig zurecht das Handtuch warfen, wurde der Kampf des neun Jahre jüngeren Nerdiwan ebenfalls in Runde zwei wegen einer Nasenverletzung von Ringarzt Dr. Friedrich Höche gestoppt. Zu diesem Zeitpunkt war der junge Neuburger seinem Kontrahenten allerdings schon deutlich unterlegen. Dass der PSV Augsburg diesen Vergleichskampf schließlich mit 12:6 gewann, war am Ende dieser rundum gelungenen Veranstaltung, deren mögliche Neuauflage im Jahr 2020 bereits am ersten Volksfest-Sonntag stattfinden soll, fast schon Nebensache.

Konnten ihre Teamkollegen nur anfeuern: Für Moritz Schultz (links) und Robert Rödelbach (rechts) fanden sich keine Gegner.
Bild: Roland Geier

Einen „echten Pechvogel“ gab es bei diesem ansonsten tollen Event allerdings auch: Moritz Schultz! Das 16-jährige BCN-Eigengewächs hätte bereits im vergangenen Jahr gegen Weißenburg in den Ring steigen sollen. Doch sein damaliger Gegner war einfach nicht gekommen. Und auch diesmal ging Schulz leer aus, da sich schlichtweg kein passender Widersacher (Gewichtsklasse) fand. „Ich habe mich jetzt sechs Monate auf diesen Tag vorbereitet. Wenn man dann erneut nicht kämpfen darf, dann ist das schon extrem enttäuschend“, meinte Schulz. Nachdem mit Robert Rödelbach ein weiterer geplanter Neuburger zum Zuschauen verurteilt war, der nahezu das gleiche Gewicht wie Schultz aufwies, wurde spontan die Idee geboren, beide Kumpels in einem „Sparrings-Kampf“ gegeneinander antreten zu lassen. Doch aus „regeltechnischen Gründen“ musste auch diese „Show-Einheit“ zum Leidwesen von Schultz und Rödelbach wieder gestrichen werden.

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