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Ingolstadt

26.11.2019

Mario Basler ballert: Immer an der Grenze

Foto: Christof Paulus

Mario Basler spielte mit "Basler ballert" am Dienstag in Ingolstadt. Unterhaltsam ist der Kultkicker sicher – doch nimmt er dafür vieles in Kauf.

Eigentlich geht das nicht, was Mario Basler da auf der Bühne macht. Er verherrlicht Alkohol, pöbelt gegen die Fußballprofis von heute, kommentiert jede Frau im Raum und lässt keine Chance liegen, darauf hinzuweisen, wie großartig er Fußball gespielt hat, wie viel Alkohol er verträgt und was für ein Schlitzohr er ist. „Gott sei Dank“ sei kein Polizist im Raum, sagt er, schließlich könnten seine Anekdoten ihm noch zum Verhängnis werden. Wie zum Beispiel, als er Polizisten mit Freikarten für Heimspiele von Werder Bremen bestochen hat – für Alkohol am Steuer war Basler schließlich immer zu haben. Das erzählt er zumindest in seinem Programm „Basler ballert“, mit dem er am Dienstag in Ingolstadt aufgetreten ist.

Doch die Frage, die sich nach seinem Auftritt in der Eventhalle Westpark am Dienstagabend stellt ist nicht, ob das eigentlich nicht geht, was Basler da macht. Die Frage ist, ob das wirklich nicht geht. Denn die Anekdoten des Pfälzers, 30 Länderspiele, über 250 Bundesligaspiele für Bayern, Bremen und Kaiserslautern, sind nur vielleicht wahr, vielleicht auch Folklore: Wie er vorm Champions-League-Finale 1999 bis halb vier an der Hotelbar saß und zwischen fünf und 15 Bier trank – um dann am nächsten Tag das „beste Spiel seines Lebens“ zu machen, wie es Manager Uli Hoeneß ihm bescheinigt haben soll. Oder wie er 1995 Damenbesuch vor einem Bundesligaspiel gehabt haben soll, um wenige Stunden später den VfL Bochum mit drei Toren im Alleingang abzuschießen. Getrunken und geraucht habe er immer, geschlafen nie, und auf den Trainer gehört bloß, wenn es ihm passte.

Trainerteam des FC Ingolstadt bei "Basler ballert"

„Oder?“, fragt Basler Michael Henke, heute Direktor Sport des FC Ingolstadt, in den Neunzigern Co-Trainer der Bayern mit Mario Basler. Henke saß mit FCI-Cheftrainer Jeff Saibene und dessen Trainerteam im Publikum und antwortet pflichtgemäß. „100 Prozent!“, ruft er aus dem hinteren Drittel des Saales nach vorne. Ob aber tatsächlich all das so stimmt, wie Basler es erzählt, weiß er womöglich nicht einmal mehr selbst. Zu ungestüm, undiszipliniert und ungesund für einen Profi erscheint 2019 dieses Leben von vor gerade einmal zwei Jahrzehnten. Basler ist vielleicht gar kein Erzähler mehr, sondern ein Comedian, dessen Witze nur noch lose auf dem basieren, was wirklich geschehen ist. „Comedian“, das wäre genau das Etikett, das Basler bräuchte, um all seine Anekdoten so erzählen zu können, wie er es tut.

Sein Persilschein für viele verbale Grenzgänge, wie: Thomas Müller, die Heulsuse, könne nichts. Der Weltmeister und Champions-League-Sieger sei „der schlechteste Fußballer bei Bayern seit 25 Jahren“. Oder: Andere hätten besser auch so viel getrunken wie er. „Aber die schaffen gar nicht so viel.“ Und vielleicht auch noch für: „Frauen nerven irgendwann, die wollen dann der Chef sein und das geht doch nicht.“ Denn: „Wir haben doch die Eier.“

Mario Basler macht Witze über Alkoholsucht von Mitspieler Uli Borowka

Aber auch für den Comedian Basler gibt es Grenzen – die er ignoriert. Er erzählt von Teamkollege Uli Borowka, der in der gemeinsamen Zeit in Bremen erst mit einem Fahrrad im Graben und dann mit seinem neuen Porsche an einer Eiche landete – im Rausch, versteht sich. Das klingt schon lustig, auch wenn Basler nicht jede Pointe wirklich gekonnt setzt. Es ist eine von den Geschichten, die man sich in jeder gut funktionierenden Kreisligamannschaft noch nach Jahren im Vereinsheim erzählt und Tränen darüber lacht, einfach und geraderaus, wie Basler eben ist. Nur: Uli Borowka war alkoholkrank. Er ließ sich therapieren und lebt inzwischen abstinent. Die Hamburger Morgenpost zitiert einen seiner Facebook-Einträge, der inzwischen nicht mehr sichtbar ist, mit den Worten: „Man kann sich über meine Saufeskapaden mal lustig machen, wenn es aber zum dauerhaften Bühnenprogramm wird, finde ich es erbärmlich und einfallslos.“ Die Borowka-Anekdoten sind keine Witze. Sie sind Dramen und eine Warnung.

Darüber verliert Basler kein Wort, nachdenklich wird es nur, als sein fast nie genutzter Sidekick nach der Pause eine Liebeserklärung an Baslers Familie aus dessen neuem Buch vorliest – Co-Autor ist übrigens derselbe Alex Raack, der auch Borowkas Biografie aufschrieb. Eigentlich hat Basler über hundert Sidekicks, am lustigsten wird es immer dann, wenn er mit den Zuschauern im fast ausverkauften Saal interagiert. Die sind auch merklich amüsiert von Basler. Er ist schlagfertig, behandelt seine Gäste schroff, aber herzlich, als sei er der Wirt einer alteingesessen Dorfkneipe. Politisch korrekt ist er nicht. Wer einen schönen Abend haben will, ist gut beraten, alles nicht zu eng zu sehen. Für Kinderohren ist das Programm gewiss nichts. Aber wer Basler bestellt, weiß, was ihn erwartet.

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