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Neuburg

25.11.2019

Medaillen für Bundeswehr-Sportler aus Neuburg

Alexander Müller und Sven Kirsten auf dem Flugplatz in Zell vor einem Eurofighter. Sie waren bei den Military World Games erfolgreich.
Foto: Christof Paulus

Soldaten des Luftwaffengeschwaders haben Silber bei den Military World Games geholt. Für einen anderen Neuburger lief es allerdings weniger rund.

Eigentlich bleiben Alexander Müller und Sven Kirsten meistens am Boden. Aber wenn die Bundeswehr sie einmal in die Luft schickt, dann lohnt es sich.

Mitte Oktober setzten sie sich ins Flugzeug, allerdings nicht in einen der Eurofighter, an denen sie sonst Tag für Tag arbeiten. Mit einer Passagiermaschine flogen sie nach Wuhan in China. Rund zwei Wochen später ging es zurück, für beide mit einer Medaille im Gepäck. Denn Müller und Kirsten starteten in Wuhan für Deutschland, genauer gesagt: Für die Bundeswehr. Sie traten bei den Military World Games im Straßenrennen der Radsportler an und waren erfolgreich: Mit ihren Teamkollegen – darunter auch der Ingolstädter Patrick Haller – holten sie Silber in der Mannschaftswertung.

Soldaten vom Luftwaffengeschwader Neuburg: Über 10.000 Kilometer auf dem Fahrrad

Die beiden Hauptfeldwebel arbeiten auf dem Flugplatz in Zell. Nicht als Piloten, sie sind dafür verantwortlich, dass die Eurofighter so fliegen, wie sie fliegen sollen. Müller, ein gebürtiger Sachse, arbeitet als Qualitätssicherungsmeister. Kirsten stammt aus Thüringen und ist Techniker. Nach Dienstende hocken sie meist auf ihren Fahrrädern, sammeln jährlich weit über 10.000 Kilometer auf den Straßen der Region und darüber hinaus. Und dabei sind sie so schnell, dass sie zu den besten Radsportlern des gesamten Heeres gehören. Sechs Fahrer, darunter die beiden zugereisten Neuburger, durfte die Bundeswehr für die Military World Games nominieren – eine Art Olympische Spiele nur für Soldaten.

„Land und Leute sind wirklich toll“, sagt Müller über die Zeit in Wuhan. „Aber China ist absolut verrückt.“ Der 33-Jährige war schon 2015 bei den Spielen im koreanischen Mungyeong, holte Bronze mit der Mannschaft. Vieles in Wuhan hat ihn und seinen zwei Jahre jüngeren Kollegen Kirsten an Olympische Spiele erinnert: In der Stadt waren ganze Viertel gesperrt, die Radler hatten zum Trainieren eine Autobahn für sich, die Athleten wohnten in einem olympischen Dorf. Diejenigen unter den Athleten, die auch schon an Olympia teilgenommen haben, seien sich einig gewesen, erzählen die beiden Radsportler: Die Militärspiele stehen Olympia in nichts nach. Mit rund 9000 Athleten waren sie die größte Sportveranstaltung des Jahres 2019, weltweit – mittendrin: drei Neuburger.

Bastian Glockshuber aus Neuburg konnte bei den Military World Games wegen Krankheit nicht starten.
Foto: Bastian Glockshuber (Archiv)

Denn neben Müller und Kirsten war auch Bastian Glockshuber in China, wie die beiden Radsportler nahm auch er an der Eröffnungsfeier teil. Rund 10.000 Akteure waren in die Show involviert, Staatspräsident Li Xinping war im Stadion, genauso wie Hollywood-Star Jackie Chan – als Sänger. Doch anders als für Müller und Kirsten lief es für Glockshuber sportlich in China nicht rund. Der gebürtige Neuburger, inzwischen am Stützpunkt in Mittenwald als Ausbilder im Dienst, sollte eigentlich im Triathlon starten – doch dann wurde er krank.

Bastian Glockshuber aus Neuburg erlebte einen Tiefschlag bei den Military World Games 2019

„Wenn man merkt, dass man nicht am Start stehen kann, ist das einfach richtig scheiße“, sagt er. „Zwei geile Wochen“ habe er dennoch gehabt. „Vom Erlebnis her war das für mich der Höhepunkt meiner Sportlerlaufbahn“, beschreibt der 29-Jährige die Spiele. Im Starterfeld des Triathlons hätte er ohnehin keine Chance gehabt, sagt er. Die Medaillengewinner waren Spitzensportler, dekoriert mit Welt– und Europameistertiteln oder Spitzenplätzen bei Olympia. Viele der Sportler in Wuhan – wie auch der Ingolstädter Haller – gehörten nicht zu den Truppensoldaten, haben teils mit der Armee wenig zu tun nach der Grundausbildung. Anders die drei Neuburger: Sie arbeiten Vollzeit, trainieren und bestreiten Wettkämpfe meist bloß in ihrer Freizeit.

In China waren beide Gruppen von Sportlern vertreten. Die Athleten der Bundeswehr trafen sich alle vor dem Abflug an der Sportschule der Bundeswehr im Münsterland, erhielten Informationen über das Gastgeberland und darüber, worauf sie dort achten sollten. Die Spiele liefen für das deutsche Team schleppend an. Bis zum Straßenrennen der Herren gab es noch keine einzige Goldmedaille, doch die Radsportler machten Hoffnung: Mit Juri Hollmann etwa stand ein Fahrer im Team, der im kommenden Jahr Profi wird. Er war es dann auch, der sich gemeinsam mit Patrick Haller und einigen anderen Fahrern vom Feld absetzen konnte. Das Hauptziel sei jedoch die Teammedaille gewesen, sagt Müller.

Alexander Müller, Kevin Vogel, Patrick Haller, Sven Kirsten, Juri Hollmann und Henning Bommel (vorne von links) holten Silber bei den Military World Games.
Foto: Patrick Haller

Dass er und Kirsten wohl keine Einzelmedaille holen werden, war ihnen im Vorfeld klar. Eine wichtige Aufgabe in der Einzelwertung kam ihnen dennoch zu: „Unsere Taktik war so, dass wir beide zu Beginn des Rennens die Attacken der anderen Fahrer wieder einholen sollten“, erklärt Kirsten. „Und dann mussten wir noch bis zum Schluss durchziehen für die Teammedaille.“ Haller und Hollmann konnten sich so ihre Kräfte für das Finale aufsparen. Als es auf der Schlussrunde um die Einzelmedaillen ging, waren die beiden Talente immer noch in der Spitzengruppe.

Patrick Haller holt Gold für Deutschland bei den Military World Games

Abwechselnd gingen sie in die Offensive, bis einer den Konkurrenten entwischen konnte: Drei Kilometer vor dem Ziel setzte Patrick Haller sich ab, hielt seine Gegner auf Distanz und rettete einen kleinen Vorsprung ins Ziel. Hollmann wurde Fünfter, Müller und Kirsten landeten auf Rang 54 und 61. Nur Lettland schaffte letztlich ein besseres Mannschaftsergebnis, das deutsche Team griff Gold im Einzel und Silber in der Mannschaftswertung ab. Fast zeitgleich holten die Rettungsschwimmer ebenfalls Gold für Deutschland – der Bann war gebrochen: Mit insgesamt 45 Medaillen, davon zehn goldenen, stand Deutschland letztlich auf Rang sechs des Medaillenspiegels. Zwei davon sind nun auf dem Flugplatz in Zell: bei Sven Kirsten und Alexander Müller.

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