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Formel E

10.08.2020

Mission Control: Neuburg ruft Berlin

Im Audi-Driving-Experience-Center ist er ausgestellt, in Berlin dreht er derzeit seine Runden: Der Audi e-tron Formel E, der von Lucas di Grassi und Rene Rast gesteuert wird.
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Im Audi-Driving-Experience-Center ist er ausgestellt, in Berlin dreht er derzeit seine Runden: Der Audi e-tron Formel E, der von Lucas di Grassi und Rene Rast gesteuert wird.
Bild: Manfred Dittenhofer

Plus Wo auch immer Audi Formel E-Rennen bestreitet: Das Kontrollzentrum ist in Neuburg. Auch für die sechs Rennen, die gerade in Berlin stattfinden. Die Neuburger Rundschau wirft einen Blick hinter die ansonsten „geheimen Kulissen“.

Dieter Gass ist hochkonzentriert. Vor ihm ziehen Graphen ihre Spuren über den Monitor. Tabellen und Diagramme ändern ständig ihre Werte. Ausgestattet mit Kopfhörer und Mikro lauscht er dem Geschehen auf der Strecke. Als Motorsport-Chef von Audi hält Gass alle Fäden des Rennsportteams in der Hand. Diese Fäden reichen bei dem außergewöhnlichen Saisonfinale der Formel E von Neuburg bis Berlin.

Während das erste von sechs Rennen der Formel E auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Berlin-Tempelhof startet, sitzt Gass in der „Mission Control“ in Neuburg-Heinrichsheim, der Heimat von Audi-Sport. Was nach Kontrollzentrum klingt, ist es auch. Zusammen mit acht weiteren Ingenieuren unterstützt Gass das Team vor Ort in Berlin. Neuburg ruft Berlin. Die Mitarbeiter stehen in dauerndem Kontakt mit Berlin, beobachten die Werte der Fahrzeuge und sind so immer auf dem Laufenden. Ganz so, als ob sie vor Ort wären. Vergleichbar ist dieser Raum mit einer Flugkontrolle, die den Luftverkehr überwacht. Techniker schauen angestrengt auf ihre Monitore mit den technischen Daten des Fahrzeugs sowie das Renngeschehen. Jeder Ingenieur überwacht seinen Teilbereich.

Die Platzverhältnisse für die Techniker und Ingenieure bei den Rennen der internationalen Formel E vor Ort waren bereits vor Corona sehr beengt, da diese Läufe in den Städten und nicht auf Rennkursen ausgetragen werden. Deshalb hat Audi bereits mit Einstieg in die Rennserie mit dem Werksteam auf dem Gelände des Audi-Driving-Experience-Centers in Neuburg einen sogenannten „Racingroom“ eingerichtet, die „Mission Control“. Via Data-Link und Sprachverbindung kann dadurch die Mannschaft vor Ort verstärkt werden. Und, so betont Stefan Moser, Sprecher von Audi-Sport, damit könnten auch viele Dienstreisen eingespart werden. Die Renningenieure, die in Neuburg in der „Mission Control“ arbeiten, sparen sich lange Anreisewege quer durch die Welt.

Mit der Pandemie und den dadurch verursachten Einschränkungen und Kontakt-Beschränkungen wurde der Platz an der Strecke und in der Box noch enger. Lediglich 21 Personen dürfen pro Team, inklusive Fahrer, vor Ort sein. Und auch die Journalisten konnten nicht in der Zahl wie üblich aufgenommen werden. Deshalb lud Audi-Sport Presse-Vertreter nach Neuburg ein, um auch ihnen die Möglichkeit zu bieten, das Rennen per Livestream zu verfolgen.

Das Werksteam von Audi stellt zu den Formel E-Läufen zwei e-tron an den Start. Bewegt werden diese von Lucas di Grassi und Rene Rast. Der DTM-Champion hat zwar viel Renn-Erfahrung. Am Donnerstag bestritt er jedoch sein erstes Rennen in einem Elektro-Renner. Dieser verfügt zum Beispiel nicht über eine Servolenkung. Über Sensoren verfügt das Auto aber schon. Sie senden den Ladezustand und die Leistungsdaten der Batterie, die Temperaturen im Antriebsstrang und viele weitere technische Daten an die Techniker am Streckenrand und in Neuburg.

In Absprache mit dem Team vor Ort wird die Strategie festgelegt und immer wieder angepasst. Wann fährt der Fahrer abseits der Ideallinie durch die „Attack-Zone“ und hat damit im „Attack-Mode“ 35 kW mehr Leistung für eine bestimmte Zeitspanne zur Verfügung? Wie oft jeder Fahrer diesen Modus nutzen muss, wird vor jedem Rennen bekanntgegeben. Besonders wichtig bei der Rennstrategie ist die Einteilung der elektrischen Energie. Treten Safety-Car-Phasen auf, nimmt die Rennleitung den Fahrzeugen Batterie-Leistung weg, damit auch nach dieser langsameren Rennphase keine Fahrten mit voller Power möglich sind. Effizienz ist ein Faktor für den Erfolg im Rennen. Die Strategie ist deshalb sehr wichtig bei der Formel E. Und die überblickt der Fahrer alleine in seinem Cockpit nicht. Um so wichtiger ist das Team. Was freilich auch Gass immer wieder betont – bevor er sich wieder voll und ganz auf das Rennen konzentriert, das nicht in Fernsehbildern, sondern als laufend sich verändernde Grafiken über den Schirm huscht.

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